Wenn Du während der Stillzeit zum Zahnarzt musst

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Wenn Du während der Stillzeit zum Zahnarzt musst

Mi., 03/04/2020 - 20:53
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Wenn man sich mitten in der Stillzeit befindet, dann möchte man möglichst auf jegliche Form einer medizinischen Behandlung verzichten. Doch leider kommt es oft anders als geplant und manchmal kann es auch zu einer zwingend notwendigen Zahnarztbehandlung kommen, die nicht verschoben werden kann.

Wenn dies auch bei Dir der Fall sein sollte, so brauchst Du Dir keine Sorgen machen und kannst Dich hier bei uns informieren.

Verunsicherung nicht notwendig

Bei einer Zahnarztbehandlung handelt es sich um eine sehr häufige medizinische Behandlung während der Stillzeit. Trotzdem oder gerade deshalb fragen sich viele Mütter immer wieder, ob Betäubungsmittel oder Amalganspuren sich auch in der Muttermilch wiederfinden können. In diesem Falle würden die Mittel ja auch von dem Baby aufgenommen werden. Auf keinen Fall solltest Du in einem solchen Fall voreilige Schlüsse ziehen und eventuell die Behandlung verschieben, auf eine Betäubung beim Bohren verzichten oder das Baby sogar abstillen! Bei Fragen oder Unsicherheit wendest Du Dich bitte an Deine Stillberaterin, die Dir kompetent weiterhelfen kann!

Mögliche Auswirkungen einer Zahnerkrankung

Leider kann es durch Karies oder ähnliche Zahnerkrankungen zu negativen Auswirkungen auf den Schwangerschaftsverlauf kommen. Die Infektionskrankheit Karies kann unter Umständen sogar eine Frühgeburt auslösen und dann eben als Grund ein sehr niedriges Geburtsgewicht des Kindes verursachen. Dies gilt es natürlich zu vermeiden und somit sollte eine notwendige Zahnarztbehandlung nicht verschoben werden!

Deshalb muss eine schwangere und auch eine stillende Mutter unbedingt zum Zahnarzt gehen. Dies ist für die Gesundheit des Kindes und natürlich auch der Mutter unheimlich wichtig. Zahnarzttermine dürfen aus reiner Sorge nicht verschoben werden.

Medikamente und Arzneimittel bei der Zahnarztbehandlung

Zu unterscheiden ist hier unbedingt, ob es sich um eine schwangere Frau handelt oder ob es „nur“ um eine stillende Mutter geht. Die Unterscheidung ist deshalb sehr wichtig, weil die Übertragungswege von Arzneimitteln und Wirkstoffen in Richtung Kind ganz anders sind. Während bei einer Schwangerschaft alle Wirkstoffe direkt und ungefiltert (über die Plazenta der Mutter und der Nabelschnur) in den Organismus des Kindes gelangen, so werden die Wirkstoffe bei der stillenden Mutter ja lediglich über die Muttermilch übertragen. Das bedeutet hier ist der Zwischenschritt vom Blutkreis der stillenden Mutter in die Muttermilch notwendig.

Im weiteren Verlauf gelangt die Muttermilch dann in das Magen-Darm-System des Kindes und wird dort entweder gar nicht aufgenommen oder dort abgebaut oder gebunden. Das heißt, es kommt nicht zu einer ungefilterten Übertragung in den Blutkreislauf des Kindes. Wenn also Wirkstoffe in der Muttermilch vorhanden sein sollten, dann werden sie also entweder abgebaut oder nur in einer sehr reduzierten und unschädlichen Konzentration vom Kind aufgenommen!

Wenn es sich also hierbei um Wirkstoffe handelt, die entweder bereits im Magen-Darm-System abgebaut werden oder überhaupt gar nicht vom Organismus des Kindes aufgenommen werden, dann ist also deren Einsatz während des Stillens bzw. während der Stillzeit mit Deinem Kind absolut unproblematisch. Wir erkennen also recht deutlich den Unterschied zwischen Stillzeit und Schwangerschaft! Bei Fragen zu konkreten Medikamenten oder Substanzen wendest Du Dich bitte an eine erfahrene Stillberaterin oder an eine Still- und Laktationsberaterin.

Die Betäubung beim Bohren

Sicherlich hast Du Dich schon gefragt, wie es sich bei einer Betäubung oder bei der Verabreichung von Schmerzmitteln verhält. Grundsätzlich ist sowohl bei der Schwangerschaft, wie auch während der Stillzeit eine Betäubung (injiziert mit einer Spritze) möglich. Wichtig ist hierbei die Dosierung, da diese Betäubungsspritzen in der Regel Zusätze von Adrenalin enthalten und natürlich die entsprechenden Lokalanästhetika. Daneben ist natürlich auch der Wirkstoff als solcher entscheidend, da es bei einigen Wirkstoffen nur zu einer sehr geringen Übertragung in die Muttermilch kommt. Bei diesen Wirkstoffen handelt es sich um Articain und Lidocain. Beide Wirkstoffe sollte in der niedrigsten Dosierung zum Einsatz kommen. Diese sollten bevorzugt zum Einsatz kommen. Bitte sprich hier aktiv Deinen Zahnarzt bereits deutlich vor der Behandlung an, damit Du dann noch mit Deiner Stillberaterin Rücksprache halten kannst!

Als Schmerzmittel werden für die Stillzeit die folgenden Produkte empfohlen: Ibuprofen und Paracetamol. Dagegen wird die Einnahme von den Tabletten bzw. Marken „Ass“ und oder „Aspirin“ (also die Acetylsalicylsäure) nicht empfohlen.

Was, wenn der Zahn gezogen werden muss?

Ist während der Stillzeit nun ein großer medizinischer Einsatz, wie zum Beispiel eine Zahnextraktion oder eine kieferchirurgischen Behandlung notwendig, bei der es im weiteren Verlauf zum einer Verschreibung von besonderen Schmerzmitteln kommt, bedenklich?

Bei solch einem großen Eingriff lässt es sich leider nicht vermeiden, Schmerzmittel einzunehmen. Diese werden in der Regel aber nur über einen sehr kurzen Zeitraum von ca. 1-2 Tagen eingenommen. Hier ist auch wieder die Dosierung und die Anwendungsdauer entscheidend, in der sich denn ein Wirkstoff auf die Muttermilch und dann letztlich auf den Organismus des Kindes übertragen könnte. Während dieser Zeit solltest Du weiterhin ganz normal stillen um keine Verwirrung bei Deinem Kind auszulösen und so möglicherweise ein neues Stillproblem schaffen.

Was ist mit einer homöopathischen Behandlung bzw. alternativen Heilmitteln?

Manche Mütter möchten trotzdem auf den Einsatz von Medikamenten und chemischen Wirkstoffen verzichten und planen anstelle dessen einen Einsatz von Homöopathie oder anderen alternativen Heilmitteln bzw. Behandlungen. Auch diese Variante ist durchaus möglich, da man auch mit Hilfe von einer Hypnosebehandlung oder bestimmten Akupunkturbehandlungen die Schmerzen unterdrücken kann. Im weiteren Verlauf ist durchaus auch der Einsatz von sogenannten Globuli Kügelchen (hier Arnika) möglich und unbedenklich. Durch diese wird der Wundheilungsprozess unterstützt.

Globuli

Die Röntgenuntersuchung

Bei einer Röntgenuntersuchung während der Stillzeit gibt es keine Bedenken. Dein Zahnarzt oder Deine Zahnärztin arbeiten auf keinen Fall mit Kontrastmitteln und somit handelt es sich um eine reine visuelle Untersuchung. Weiterhin ist eine diagnostische Untersuchung bei einer Zahnerkrankung notwendig.

Was ist mit Amalgam, Brücken, Kronen oder sonstigen Füllungen?

Gerade bei dem Thema Amalgam streiten sich die Gelehrten ja immer noch. Da die Amalgam Füllung schädliche Metalle, wie zum Beispiel das Quecksilber, enthält, sollte eine Amalgam Behandlung in jeglicher Form (egal ob Sanierung oder normale Füllung) vermieden werden. Dann stellt sich natürlich die Frage, warum man es nicht grundsätzlich unterlässt?! Obwohl wir keine Zahnärzte oder Mediziner sind, empfehlen wir aber auf den Verzicht von Amalgam Füllungen in jeglicher Form.

Wichtig ist also hier bei diesem Punkt eine richtige Entscheidung zu treffen (sprich mit Deinem Zahnarzt über mögliche Alternativen zu einer Amalgam Füllung) und die Stillzeit auf keinen Fall zu unterbrechen oder zu verschieben!

Dein Zahnarzt wird Dich darüber informieren, dass der Einsatz von Keramik, Gold, Kunststoff oder anderen möglichen Materialien für eine Zahnfüllung, absolut unproblematisch ist, da diese Materialien keine Wirkstoffe abgeben, die sich in einer schädlichen Form auf Deinen Körper oder in den Organismus des Kindes übertragen.

Was tun bei Karies oder Zahnfleischentzündungen?

Die Bekämpfung und Behandlung von Bakterien und Mikroorganismen in Deinem Mund, zählt zu einer sehr wichtigen Aufgabe im Rahmen einer zahnmedizinischen Behandlung. So werden Zahnfleischentzündungen oder Karies vermieden bzw. bei vorliegen direkt behandelt. Liegt eine Zahnfleischentzündung vor, so werden sogenannte lokale Antiseptika (Cetylpyridinium oder Chlorhexidin) eingesetzt. Werden sogar Wurzelkanalbehandlungen durchgeführt, oder Zähne gezogen, so werden Mittel wie zum Beispiel: Povidon Jod, Chlorhexidinglukonat, Peroxide oder antiseptische Lösungen zum Einsatz.

Hier kann man sagen, dass der Einsatz dieser Mittel grundsätzlich während der Stillzeit zu vermeiden ist bzw. deren Übertagung in den Organismus der Mutter. Sprich hier bitte mit Deinem Zahnarzt oder Deiner Zahnärztin über mögliche Behandlungsalternativen. Vielleicht können solche großen Eingriffe auch verschoben werden, damit diese Antiseptika nicht zum Einsatz kommen müssen!

Liegt bei Dir eine Parodontose oder eine schwere Zahnfleischentzündung vor, so muss vielleicht auch einmal Antibiotika eingenommen werden. Dabei ist das Gespräch mit Deinem Zahnarzt oder Deiner Zahnärztin besonders wichtig, indem Du dann nach stillverträglichen Antibiotika fragen musst. Vorab kannst Du Dich natürlich bei einer Stillberaterin informieren, welche Antibiotika dies sein könnten.

Die Angst vor dem Zahnarzt

Wenn Du Angst vor Deinem Zahnarzt bzw. vor der Behandlung dort hast, dann gibt es bei diesem Problem auch wieder mögliche Wege. Diese gehen von einem einfachen Einsatz von Lachgas, über Beruhigungsmittel (Benzodiazepine ) bis hin zur Vollnarkose. Bei allen Varianten sollte es wieder nur zu einer möglichst niedrigen Dosierung kommen.

Um die mögliche Übertragung der Wirkstoffe in den Organismus des Kindes zu vermeiden, besteht hier auch die Möglichkeit einen Vorrat an Muttermilch anzulegen und diesen dann an das Kind zu verfüttern um einen Zeitraum von ca. 10-24 Stunden zu überbrücken. Während dieser Zeit pumpt die Mutter ihre Muttermilch ab und schüttet sie weg. Obwohl viele der Wirkstoffe in der Stillzeit durchaus akzeptabel sind, kann so eine Übertragung in den Organismus des Kindes vermieden werden. So kann eine Unterbrechung der Stillzeit vermieden werden.

Ganz sind die Wirkstoffe aus dem Organismus der Mutter dann immer noch nicht verschwunden, die Übertragung kann aber so für kurze Zeit vermieden werden. Durch diese Zeitverschiebung kann sich durchaus die Konzentration des Wirkstoffes in der Blutbahn der Mutter gesenkt haben und somit auch die Übertragung in die Muttermilch. Ganz verschwunden sind die Wirkstoffe dann vermutlich immer noch nicht, aber die Zeitdauer, während das Baby dann die „belastete“ Muttermilch trinkt, ist eben geringer.

Entscheidend ist hier aber das Medikament und der Wirkstoff, die Dosierung und Deine persönliche Situation. Alles dies solltest Du mit Deinem Zahnarzt und Deiner Stillberaterin besprechen.

Das Bleeching bzw. das Bleichen Deiner Zähne

Hier stellt sich natürlich die Frage, ob dies tatsächlich unbedingt während der Stillzeit erfolgen muss? Diese Frage kann und muss natürlich nur jede Mutter bzw. Frau für sich selbst entscheiden. Um die Zähne wieder weiss zu bekommen, werden sogenannte Peroxide eingesetzt. Diese sind laut der Zahnmedizin (auch im Zusammenhang mit dem Stillen) absolut unbedenklich.

Bleeching

Was ist mit einer Mundspülungen?

Dürfen „normale“ Mundspülungen für die Zahnhygiene oder auch bei Zahnfleischentzündungen genutzt werden? Normale, gängige Mundspülungen dürfen ohne Bedenken benutzt werden.

Der Austausch ist wichtig

Wie bereits oft erwähnt, solltest Du mit Deinem Zahnarzt oder mit Deiner Zahnärztin über Deine Stillzeit und Deine Bedenken sprechen. Nur so erhält er diese wichtige Information, dass Du stillst und kann seine Behandlung und die Medikation entsprechend danach ausrichten. Vorher ist ein Austausch bzw. eine Anfrage bei einer Stillberaterin sinnvoll. Sie kann Dir bereits Tipps zu der richtigen Medikation für die geplante Behandlung geben. Da der Zahnarzt vielleicht nicht immer alle Informationen vorliegen hat, die er für die Behandlung einer stillenden Frau benötigt, wäre dies eine geschickte Vorarbeit!

Wenn sich Dein Zahnarzt oder Deine Zahnärztin bereits eigenständig in das Thema einarbeiten möchte, so kannst Du ihn auf das Werk „Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit“ aufmerksam machen.

Ein weiteres Nachschlagewerk ist unter dem Namen „Analgesia and Anesthesia for the Breastfeeding Mother“ der Academy of Breastfeeding Medicine zu finden. Unter dem Protokoll Nr. 15 finden sich Fragen und Antworten zur Zahnmedizin.

Unser Fazit

Wie bei allen Dingen im Leben, ist eine frühzeitige Planung, eine Prüfung der Notwendigkeit und eine Einholung von fundierten Informationen sehr wichtig. Um Probleme und Schmerzen zu vermeiden, sollte Fachpersonal (Stillberaterin oder eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC) angefragt werden. Diese beraten auch per Telefon oder per Email, wenn es nur um die Einholung von Tipps für die Medikation geht. Verschieben solltest Du die Behandlung jedoch nicht, wenn sie akut notwendig ist (zum Beispiel Zahnschmerzen bei Karies). Wir wünschen Dir alles Gute und eine schöne Stillzeit. Dein Stillgruppen.de!