Probleme mit wunden Brustwarzen

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Probleme mit wunden Brustwarzen

Mo., 04/13/2020 - 20:51
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Wenn sich eine Frau für das Abstillen entscheidet, dann ist der Grund meistens eine wunde Brustwarze. Wunde Brustwarzen verursachen beim Stillen sehr starke Schmerzen und lassen dann natürlich jede Mutter verzweifeln. Doch es muss eigentlich gar nicht so weit kommen, denn wenn die Brustwarzen vor dem Stillen gut vorbereitet werden, dann kommt es gar nicht zu diesem Problem. Wenn das Stillproblem einmal aufgetreten ist, dann kann es auch behandelt und behoben werden!

Besonders in den ersten Tagen des Stillens haben viele Frauen ein leichtes Schmerzempfinden, wenn das Baby an der Brust saugt. Dies ist aber ganz normal und Du musst Dir keine Sorgen machen. Die Brustwarze nimmt dabei keinen Schaden. Sofern Du beim ersten Stillen Schmerzen hast, dann sollte lediglich die Hebamme oder eine Stillberaterin das korrekte Anlegen überprüfen. Denn es könnte ja auch sein, dass die Schmerzen von einer fehlerhaften Stillposition resultieren.

Bleibt es bei starken Schmerzen beim Stillen oder entstehen sogar Hautverletzungen und Risse an der Brustwarze, so muss dringend gehandelt werden. Es können sogar Entzündungen auftreten, die sich durch Rötungen, Schwellungen oder einem Hitzegefühl bemerkbar machen. Eine offene Brustwarze bietet Bakterien oder Pilzen eine wunderbare Angriffsfläche und ermöglicht eine Ausbreitung in das Milchdrüsengewebe.

Der Grund Nummer eins

Rund 35 Prozent aller Mütter geben wunde Brustwarzen als Grund für das Abstillen an. Dies ist mit Abstand der häufigste Grund. Wer dies also vermeiden möchte und auf Nummer sicher gehen will, der sollte von Anfang an eine Begleitung durch eine Stillberaterin oder eine Laktationsberaterin IBCLC in Betracht ziehen. Zumindest für den Anfang, damit Du bereits in den ersten Tagen das richtige Anlegen lernst und die perfekte Stillposition für Dich ermittelst. Wenn Du das richtige Stillen gelernt hast, dann kannst Du es ja dann auch alleine versuchen oder vielleicht einfach nur eine Stillgruppe besuchen.

Bei einem schwerwiegenden Stillproblem, sollte die medizinische Begleitung natürlich mindestens solange erfolgen, wie das Problem (entzündete Brustwarze etc.) besteht.

Hast Du eine richtige Pilzinfektion, so ist auch eine Begleitung durch einen Arzt notwendig.

Wie kommt es überhaupt zu wunden Brustwarzen?

Es gibt viele Ursachen für wunde Brustwarzen. Meistens entstehen die wunden Brustwarzen durch ein unphysiologisches und mechanisches Nutzen der Warzen. Daneben gibt es natürlich oft auch weitere Gründe und Auslöser. Die Beschädigung wird begünstigt oder kommt zu Stande, wenn die Brustwarze beim Saugen des Kindes zu stark verformt wird. Dann reisst die Haut der Brustwarze an den Druckstelle auf. Weiterhin können auch Schäden entstehen, wenn Dein Baby mit einem zu starken und nicht körpergerechten Vakuum die Milch saugt.

Die schädliche Verformung der Brustwarzen

Wenn eine ungünstige Stillposition angewendet wird oder ein fehlerhaftes Saugmuster vorliegt, dann kann es zu schädlichen Verformungen der Brustwarzen kommen. Diese sind dann der Grund für Hautverletzungen durch falschen Druck oder einen starken Unterdruck beim Saugen. Dein Baby kann die Brust bzw. das Brustgewebe beim Stillen nicht weit genug in den Mund stecken. Das kommt meist durch eine fehlerhafte Anlegeposition, bei der das Kind einfach zu weit weg von der Brust sinkt.

Wenn die Brustwarze immer zu weit weg vom Mund des Kindes ist, dann wird es an ihr ziehen und falsch saugen. Vielleicht nur noch an der Spitze der Brustwarze oder ähnlichem. Das Kind hat keine Chance die Brust wirklich möglichst tief in den Mund zu bekommen und wird die Brustwarze deshalb durch sein Saugen schädigen. Die Brustwarze mit dem ganzen Brustwarzenhof muss vollständig erfasst werden können.

Wenn das Saugen schwierig wird

Neben einer falschen Stillposition gibt es noch weitere Faktoren, die das Stillen schwierig machen. Was könnte dies noch sein? Nun, wenn das Baby müde ist. Es ist vielleicht wegen der anstrengenden Geburt, der Medikamente, einer Erkrankung oder weil es ein Frühchen, nicht in der Lage, die Brust gut mit dem Mund zum umschließen und kann deshalb nicht optimal saugen. Auch ist es natürlich ein Hindernis, wenn die Brustwarze angeschwollen oder besonders flach ist. Dies kann ebenfalls durch Medikamente verursacht sein.

Wenn die Brust das Problem ist

Oft treten nach ca. drei bis sieben Tagen spannende Brüste auf, weil der Milcheinschuss erfolgt (die initiale Brustdrüsenschwellung). Dadurch sind die Brüste dann so groß und prall, dass die Babys die Brustwarzen mit dem Warzenhof nicht vollständig erfassen können. Das ganze Stillen erfolgt eher oberflächlich und führt dazu, dass das Baby nicht korrekt saugen kann und deshalb die Brustwarze einem unnatürlichen Druck- bzw. Saugeffekt ausgesetzt ist. Da die Brust dazu ja noch prall ist, kann die Haut eher verletzt werden und platzt vielleicht sogar auf. Es entstehen kleine Risse und Verletzungen an den Brustwarzen.

In wenigen Fällen gibt es auch die Situation, dass die Brustwarzenform oder Größe nicht zu dem Mund des Säuglings passt. Sind die Warzen zu groß oder zu lang und hat der Säugling vielleicht eine zu kurze Zunge oder ein kurzes Zungenbändchen, dann kann es zu Problemen kommen. Diese beginnen mit einer unnatürlichen Verformung der Brustwarzenspitze und führen zu Quetschungen der Warzen. Ein kurzes Zungenbändchen äußert sich zum Beispiel durch klickende Geräusche beim Stillen. Dies ist der Moment, wenn der Säugling immer wieder den Saugschluss verliert. Diese klickenden Geräusche treten aber auch bei einem sehr intensiven Milchspendereflex auf. Dann wird zu viel Milch gespendet und das Baby ist überfordert. Ist dies der Fall, dann kann die Milch zum Beispiel auch abgepumpt werden.

In der Regel wird das Saugen für den Säugling mit der Zeit immer einfacher, da er ja wächst und so mit großen Brüsten oder einem starken Milchspendereflex besser klar kommt. Du erkennst den intensiven Milchspendereflex bzw. die Reaktion des Babys meist daran, dass die Brustwarzen sehr verformt sind, wenn das Kind sich von der Brust löst. Es versucht durch ein Zudrücken der Brustwarzen, den starken Milchfluss zu kontrollieren. In der Regel kommt es dann auch zu Hautverletzungen an den Brustwarzen, da die Brustwarzen regelrecht gequetscht werden. Grundsätzlich sollte immer auf eine korrekte Lage der Brustwarze im Mund des Kindes geachtet werden. Die richtige Anlegeposition ist immens wichtig, damit das Baby die Brust gut mit dem Mund umschließen kann. Dies geschieht also auch bei einer normalen Anatomie der Brust oder des Mundes beim Kind.

Saugverwirrung und Co.

In einigen Fällen kann es auch zu einer Saugverwirrung kommen, wenn das Kind bereits an einer Flasche genuckelt hat. Ebenso kann auch das Saugen an einem Schnuller zu Problemen führen. So entstehen falsche Saugtechniken und es entstehen Stillprobleme, die dann wieder von einer Stillberaterin behoben werden müssen.

Ebenfalls kann der falsche Einsatz von Milchpumpen und Stillhütchen zu Verletzungen der Brustwarzen führen.

Achte auch ganz besonders darauf, dass Du Dein Kind nicht von der Brust ziehst, wenn es noch am saugen ist. Dies kann auch zu Verletzungen der Brust führen. Stecke einen Finger in den Mundwinkel Deines Kindes um den Saugschluss zu lösen. Danach kann es kein Ziehen und keine Verletzungen an der Brustwarze geben.

Wenn das Baby zu intensiv an der Brust saugt

Es besteht manchmal auch die Situation, dass ein zu starkes Saugen an der Brust zu einem sehr starken Vakuum führen kann. Dieses verursacht dann ebenfalls Hautverletzungen an den Brustwarzen. Dies geschieht nicht unbedingt nur durch eine ungünstige Anlegeposition, sondern kann sogar auch bei einer sehr guten Stillposition vorkommen. Wie kann dies sein bzw. wodurch wird dies ausgelöst? Ein Grund ist oft, dass noch nicht genug Muttermilch fließt und das Kind deshalb stärker saugt. Direkt nach der Geburt kommt dies oft vor, da nur wenig Kolostrum vorhanden ist. Wenn der Milchspendereflex ausgelöst ist und die Muttermilchproduktion gesteigert wird, dann fließt auch genug Milch und die Situation wird sich entspannen.

Es ist also ganz wichtig, dass die Muttermilchproduktion ausreichend angeregt wird, damit die Kinder nicht unruhig werden und zu stark an der Brust saugen. Dies führt dann natürlich zu wunden Brustwarzen und letztlich zu starken Schmerzen bei den Stillmüttern. Das Vakuum beschädigt die Haut der Mutter. Wie kann dem entgegenwirken? Nun, zum einen versucht man den Milchspendereflex zu fördern und zu steigern. Dies kann auch durch zusätzliches Abpumpen erreicht werden. Auch kann eine Brustkompression oder eine Brustmassage vor dem Stillen, den Milchfluss anregen bzw. zusätzlich erhöhen. Häufiges Anlegen regt die Milchbildung natürlich auch zusätzlich, denn wie bereits geschrieben: die Nachfrage bestimmt das Angebot! Entscheidend ist also immer das starke Vakuum irgendwie zu senken. In einem solchen Falle solltest Du Dir aber auf jeden Fall eine kompetente Unterstützung durch eine Stillberaterin organisieren. In einer solchen Situation ist eine Mutter alleine meist überfordert.

Das Senken eines zu hohen Vakuums gilt übrigens auch für das Abpumpen mit einer Milchpumpe. Wer hier mit einem zu starken Vakuum arbeitet, riskiert natürlich ebenfalls eine Verletzung der Brustwarzen.

Die Psyche und der Stress

Die Psyche ist beim Stillen ein sehr wichtiger Faktor. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Stillmutter keinen Stress hat oder keine Versagensängste. Mach Dir keinen Stress und lass Dich von Deinem Umfeld nicht unter Druck setzen. Entspannung und Ruhe sind beim Stillen immens wichtig und sollten nicht vergessen werden. Wenn Du einen Kaiserschnitt hattest, dann kann es (bedingt durch die Medikamente) schon einmal zu einem gestörten Milchspendereflex kommen. Wenn wenig Milch fließt, dann saugt das Baby wieder stärker und der Teufelskreislauf beginnt.

Aber nicht nur die Mutter kann Angst oder Stress haben, sondern natürlich auch das Kind. Gerade nach einer langen und komplizierten Geburt kann schon mal zu einer Unruhe beim Kind kommen, welches sich ebenfalls durch ein unruhiges und zu intensives Saugen an der Brust äußert. Diese Unruhe und der damit verbundene Zustand der Saugintensität ist nur vorübergehend und nicht von langer Dauer. Hat ein Baby besonders viel Hunger, dann kann es auch dazu führen, dass es besonders stark saugt. Es ist in solchen Situationen oft hilfreich, das Baby im Halbschlaf (vor dem Aufwachen) und vor allem besonders oft zu stillen. So bekommt man die Hektik und das starke Saugen schnell in den Griff. Achte ganz besonders auf die Hungerzeichen Deines Kindes.

Babys mit einer hohen Saugstärke

Manchmal gibt es auch Kinder, die über eine angeborene hohe Saugkraft verfügen, die nicht durch einen besonderen Umstand ausgelöst wird. In diesen Fällen wird sich kein besonderer Grund finden, der das hohe Saug-Vakuum erklären kann. Ein mögliches Hilfsmittel für diese Fälle sind zum Beispiel dann Stillhütchen. Diese sind aber nicht als generelle Lösung zu bezeichnen, da sie nicht bei jeder Mutter helfen können. Als eine weitere Behelfslösung wird deshalb manchmal auch eine Magensonde in den Mundraum des Kindes geschoben, um eben einfach das hohe Vakuum aufzulösen. Die hohe Saugstärke muss man irgendwie in den Griff bekommen, um Verletzungen zu vermeiden.

Weiterhin kann man auch ein Doppelpumpset nutzen um die Milchbildung deutlich zu steigern und die gewonnene Muttermilch zusätzlich beim Stillen zu verfüttern. Wird es zum Beispiel mit einem Brusternährungsset oder einer Sonde beim Stillen zugefüttert, so sinkt das Vakuum auch, weil Muttermilch auch zusätzlich aus dem Schlauch in den Mund des Babys fließt. Gibt es am Anfang bei der Mutter Probleme mit dem Stillen, so muss auf jeden Fall abgepumpt werden. Diese Maßnahmen sind nicht als Dauerzustand zu verstehen. Das Zufüttern ist meist nach einiger Zeit nicht mehr notwendig, da die Brustwarze immer widerstandsfähiger wird und natürlich auch das Baby immer weiter wächst und so vielleicht auch ruhiger saugen wird.

Welche weiteren Faktoren führen zu wunden Brustwarzen?

Wir haben bereits viele Faktoren genannt, die zu wunden Brustwarzen führen können. Diese sind meist durch eine mechanische Beanspruchung der Brustwarze geschuldet und führen dann zu Verletzungen. Neben diesen mechanischen Einflüssen, gibt es aber noch weitere Punkte, die eine Entstehung von wunden Brustwarzen begünstigen. Ein sehr gravierender Einflussfaktor bei der Entstehung von wunden Brustwarzen ist die Feuchtigkeit. Diese entsteht bei vielen Müttern meist in den ersten Wochen nach der Geburt, da hier oft auch Muttermilch ausläuft. Die Milch läuft spontan aus und sollte am Besten mit Stilleinlagen aufgesogen werden. Geschieht dies nicht, so führt dieses warme und feuchte Milieu zu einem idealen Nährboden für Hefepilze oder Bakterien.

Neben diesem „Brutstätteneffekt“ führt die Feuchtigkeit auch zu einer sehr weichen Haut der Brustwarzen. Diese sind nun also besonders weich und empfindlich und können deshalb auch schneller verletzt werden. Wie bereits geschrieben, soll also die Brustwarze immer mit Stilleinlagen (besonders saugfähig und auch atmungsaktiv) getrocknet werden. Diese Stilleinlagen müssen natürlich regelmäßig gewechselt werden. Wenn es geht, dann kannst Du Deine Brustwarzen auch einfach an der Luft trocknen lassen. Im Sommer kannst Du Dich vielleicht im Haus auch „oben ohne“ bewegen und so zu einer natürlichen „Trocknung“ beitragen. Atmungsaktive Bekleidung und ganz besonders atmungsaktive Unterwäsche helfen hier natürlich auch!

Hast Du Hohlwarzen oder Schlupfwarzen, so musst Du besonders auf das Trocknen der Brustwarzen achten. Bei diesen Warzen versteckt sich die Feuchtigkeit nämlich meist in den Hautfalten. Die Warzen müssen deshalb am Besten erst an der Luft trocknen, bevor Du Deine Kleidung wieder anlegst. Gut gemeint, aber leider ein weitere Problemfaktor sind „auslaufsichere“ Stilleinlagen. Durch die Plastikschicht, welche natürlich wasserundurchlässig ist, bleiben die Brustwarzen natürlich immer feucht. Verzichte also unbedingt auf Einlagen, die keine Atmungsaktivität zulassen.

Benutze immer atmungsaktive Stilleinlagen. Es gibt zum Beispiel Seide-Woll-Stilleinlagen, welche sehr atmungsaktiv sind und sogar noch antibakteriell sind und nicht kleben. Dies verdanken diese Stilleinlagen besonders der Seide. Im Handling sind diese Einlagen etwas umständlicher, da sie nur bei 30 Grad gewaschen werden können und immer an der Luft trocknen müssen.

Wenn Du bereits Verletzungen oder Entzündungen an der Brust hast, dann solltest Du auf jeden Fall immer Einmalstilleinlagen nutzen. Weitere Informationen findest Du im Artikel zu Stilleinlagen. Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Brustwarzen immer getrocknet werden müssen und möglichst „atmen“ können müssen. Klebende Brustwarzen sind zu vermeiden, da sie zu Schmerzen und Verletzungen führen können.

Neben einer zu feuchten Brustwarze gibt es auch Probleme, wenn Deine Brustwarze zu trocken ist. Austrocknung führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass Brustwarzen einreißen oder platzen. Nutze nach Möglichkeit keine alkoholischen Lösungen oder Seifen, da sie zu einem Austrocknen der Haut führen werden. Bist Du gesund und behandelst Du Deine Brustwarzen wie oben beschrieben, dann regulieren sie sich und pflegen sie sich quasi von selbst. Die Montgomery-Drüsen, welche sich am Brustwarzenhof befinden, bilden ein bestimmtes Sebum, was die Warzen pflegt und sogar mit einem Duftstoff versehrt. Das Sebum ist fettreich und führt deshalb zu geschmeidigen Brustwarzen. Der Duftstoff wird übrigens blockiert, wenn Du Dir andere Cremes auf die Brust schmierst. Dies solltest Du nur im Notfall machen, wenn Du zum Beispiel eine verletzte oder besonders trockene Brust hast. Dabei lässt Du Dich am besten von einer Stillberaterin beraten, da hier nicht jede Creme oder jedes Mittel sinnvoll und geeignet ist.

Die Wundinfektion

Ist die Haut nun wegen einer mechanischen, unnatürlichen Beanspruchung gerissen oder geplatzt, so kann es zu einer bakteriellen Infektion kommen. Ebenfalls ist eine Pilzinfektion möglich. Diese Wundinfektionen werden meist durch Bakterien verursacht. Manchmal aber auch durch Hefepilze. Je öfter es nun zu einer falschen Stillpositionen gekommen ist oder zu einem falschen Saugmuster, je höher ist auch die Wahrscheinlichkeit für eine Verletzung und somit für eine Infektion. Ebenfalls natürlich bei einer falschen Behandlung der Brustwarze (zu feucht oder zu trocken).

Als häufige Bakterien werden Streptokokken und Staphylococcus aureus genannt. Meist entstehen dann nässende Pusteln oder Bläschen. Diese haben dann sogar gelbbraune Krusten. Die Bakterien setzen sich mit Hilfe eines Biofilms auf den Brustwarzen fest und versuchen sich in das Brustdrüsengewebe weiter auszubreiten. Wenn dies geschieht, dann spricht man von einer Mastitis (Brustentzündung). Treten beim Stillen sehr tiefe Schmerzen auf, so ist dies meist ein Indiz für eine Infektion im Brustdrüsengewebe. In einigen Fällen kann es auch zu einer Mischinfektion von Hefepilzen und Bakterien kommen. Eine solche Entzündung muss unbedingt von einem Arzt behandelt werden.

Wie werden wunde Brustwarzen therapiert?

Zu allererst muss einmal festgestellt, woher die wunden Brustwarzen eigentlich resultieren. Die Fehler müssen identifiziert werden und abgestellt werden. Meist wird die korrekte Stillposition überprüft. Lass Dich hier durch eine Fachkraft (Stillberaterin, IBCLC oder Hebamme) unterstützen. Hier auf Stillgruppen.de findest Du die Fachkraft in Deiner Nähe. In über 95 Prozent aller Problemfälle verschwinden die Schmerzen an der Brust schon bei der Korrektur der Stillposition. Die Anlegeposition ist also der Fehler Nummer eins! Wenn Dein Baby nicht in der Lage ist, die Brust ausreichend zu erfassen, so führt dies zu einem falschen Saugmuster bzw. dazu, dass die Brustwarze unnatürlich verformt wird und leidet. Wenn dieser Fehler erkannt und abgestellt wird, so kann die Wundheilung bereits nach einigen Tagen einsetzen und sichtbare Verbesserungen sind die Folge.

Als einfachste Stillposition hat sich hier die „zurückgelehnte Stillposition“ erwiesen. Bei dieser Position werden die natürlichen Reflexe des Säuglings aktiviert und es dockt selbständig an.

Als weitere, geeignete Stillposition wird die Position „Stillen über der Schulter“ angesehen. Dabei legst Du Dich seitlich (zum Beispiel auf Deine rechte Körperseite) auf ein Bett. Dein Baby legt sich in diesem Fall ebenfalls auf seine rechte Körperseite und muss sich also von „oben an Deine Brust andocken“. Ihr liegt also entgegengesetzt auf dem Bett. Dadurch wird Deine Brustwarze ganz anders beansprucht als sonst und so können sich die üblichen Belastungszonen etwas erholen und regenerieren. Lass Dich hier von einer guten Stillberaterin beraten und Dir die ganzen Stillpositionen einmal zeigen.

Eine weitere gute Stillposition ist der sogenannte „Hoppe Reiter Sitz“. Dabei sitzt Dein Baby aufrecht vor Dir (Du stützt es) und wird gestillt.

Anlegeposition  Anlegeposition

Grundsätzlich solltest Du einige Stillpositionen ausprobieren und natürlich diese immer wieder anwenden, die Dir am bequemsten ist. Bitte schaue Dir im Falle einer wunden Brustwarze genau die Lage der Verletzung an, da diese meist auch schon einen Hinweis auf das Problem gibt bzw. auf die ideale Stillposition um dem Problem entgegen zu wirken. Wenn Du die Verletzung an der Brustwarze etwas entlasten willst, dann sollte diese am besten im Mundwinkel Deines Babys liegen.

Eine weitere Möglichkeit die Brustwarze zu entlasten ist der zusätzliche Einsatz eine Brusternährungssets oder einer Sonde. So wird das Kind schneller satt und saugt auch nicht mehr so stark, da es mehr Milch erhält und so das Vakuum nicht mehr so stark ausgeübt wird.

Neben der Entlastung der Brustwarze ist natürlich auch eine gründliche und regelmäßige Reinigung sehr wichtig. Dazu werden die Wunden regelmäßig sauber gespült werden. So werden Infektionen präventiv verhindert bzw. Wunden immer von Bakterien gereinigt. Dazu nutzt man eine Seifenlösung (pH neutral) oder eine physiologische Kochsalzlösung (auch in einer Drogerie oder in einer Apotheke erhältlich). Durch die Reinigung und Spülung der Brustwarzen reduziert sich die Keimanzahl und das Risiko einer weiteren Entzündung. Du solltest dies nach Möglichkeit so oft wie möglich machen, bestenfalls nach jedem Stillen. Finde hier einen geeigneten Weg für Dich. Die Wundreinigung mit einfachem Leitungswasser und natürlich ganz besonders mit einer geeigneten Kochsalzlösung ist immens wichtig!

Achte hierbei darauf, dass die Spülung angenehm warm ist, so ist es einfacher für Dich. Diese regelmäßige Wundreinigung wirkt gegen eine Bildung eines bakteriellen Biofilms. Ist Fibrin zum Einsatz gekommen, so müssen entsprechende Auflagen nicht abgespült oder entfernt werden. Dieses Fibrin ist wichtig für die Wundheilung, da es die Wunde schützt. Da Fibrin auch gelb ist, sollte es nicht mit Eiter verwechselt werden. Der Eiter muss natürlich entfernt werden. Kommen Antiseptika zum Einsatz, so sollen immer Jodfreie Möglichkeiten genutzt werden, da das Jod die Schilddrüsenfunktion Deines Babys schädigen könnte, wenn es in zu hoher Konzentration vorkommen sollte. Nutze hierfür einfach Octenisept Anwendungen aus der Apotheke oder der Drgerie. Bei allen Arbeiten an der Brust musst Du Deine Hände natürlich vorher immer gründlich gereinigt haben.

Neben der Wundreinigung, der Entlastung durch eine angenehme Stillposition, sollte die wunde Brust zeitweise auch einfach komplett gemieden werden. In dieser Ruhepause kann die Brustwarze viel besser heilen und der Milchspendereflex wird einfach über die andere Brust ausgelöst. Dies geht natürlich nur, wenn nur eine Brustwarze verletzt oder wund ist. Sind jedoch beide Brustwarzen betroffen, so kann der Milchspendereflex bereits durch eine Brustmassage initiiert werden, sodass Dein Baby nicht mehr so stark ansaugen muss, beim Stillen.

Ist Deine Brustwarze wund, so muss die Milch aber trotzdem abgepumpt werden. Denn die Schmerzen bei einer prallen Brust sind deutlich stärker als bei einer gut entleerten Brustseite.

Ist Deine Brustwarze bereits wund, so sollte eine reine Trocknung an der Luft nicht unbedingt angestrebt werden. Wenn wunde Brustwarzen ganz trocken sind, dann kann die Haut noch viel schneller platzen oder wieder Risse bilden. Deshalb solltest Du die feuchte oder besser noch geschmeidige Wundheilung bevorzugen. Daher sollte es vermieden werden, dass die Haut vollständig austrocknet. Sie sollte nicht wirklich nass sein, aber mit Brustwarzensalben immer geschmeidig bleiben und so nicht einreißen.

Gut genutzt werden können auch Hydrogelkompressen oder die Muttermilch als solche. Wenn diese nämlich an der wunden Brustwarze antrocknet, so fördert sie ebenfalls die Wundheilung. Dies geht aber nur, wenn keine offenen wunden vorliegen. Liegt nur eine offene Wunde vor (ohne eine Entzündung), so kann Lanolin genutzt werden. Es ist hochgereinigt und somit bestens geeignet.

Das Lanolin verhindert eine Austrocknung der Wunde, mit wiederholtem aufreißen der Wunde. Es sorgt also für eine geschmeidige Wundheilung und hält die Haut an der Wunde elastisch. Nachdem Du Dir die Hände gewaschen hast, wird das Lanolin dick mit einem Tupfer aufgetragen werden. Die Wunde wird regelrecht mit der Lanolinsalbe eingeschmiert und bedeckt. Als Tupfer werden sterile Varianten aus der Apotheke empfohlen. Wenn Du Dein Baby anlegen willst, dann kannst Du einen großen Teil der Salbe wieder mit einem Tupfer entfernen. Dies muss nicht vollständig erfolgen, da das Lanolin für Dein nicht schädlich ist, sofern es nicht in großen Mengen verzehrt wird. Ganz wichtig ist aber: sobald eine Infektion oder eine Entzündung im Spiel ist, muss die Mutter sich schnellstmöglich an einen Arzt wenden.

Diese (Ärzte) empfehlen meist auch den Einsatz von geeigneten Medikamenten. Eines davon ist zum Beispiel Ibuprofen, was die Schmerzen unterdrückt, der Schwellung entgegenwirkt und die Entzündung reduziert. Jeder Einsatz von Medikamenten sollte aber immer mit einer Still- und Laktationsberaterin und einem Arzt abgestimmt sein! Lokale Betäubungsmittel sollten unbedingt nicht zum Einsatz kommen, da sie sich auch auf Dein Kind auswirken und somit auch den Milchspendereflex stören.

Der Einsatz von Stillhütchen

In der Regel werden Frauen schnell auf den Einsatz von Silikon Stillhütchen verwiesen, wenn sie wunde Brustwarzen haben. Dieser Einsatz ist aber sehr gut zu überlegen und immer mit einer Stillberaterin oder einer Laktationsberaterin abzustimmen. Die Gefahr bei dem Einsatz eines Stillhüttchens auf einer wunden Brustwarze ist natürlich auch immer die Infektion mit Bakterien oder Viren. Stillhüttchen haben genauso viele Vorteile, wie auch Nachteile. Dies führt deshalb natürlich auch zu einer kontroversen Diskussion bei allen Stillexperten. Eine klare und definitive Aussage zum Einsatz von Stillhüttchen gibt es deshalb auch nicht.

Es muss sicherlich immer die individuelle Situation bewertet werden und deshalb ist keine grundsätzliche Aussage möglich. Wie auch immer die Entscheidung fällt, der Einsatz der Hütchen darf immer nur befristet sein. Bei dem Einsatz der Stillhütchen gibt es viele Faktoren, die beachtet werden müssen. Unter anderem sind dies: die richtige Größe, die perfekte und regelmäßige Reinigung oder das richtige Aufsetzen der Hütchen. Einen ausführlichen Bericht zu dem Thema findest Du hier: Stillhütchen.

Wie bereits weiter oben mehrfach geschrieben: liegen bei Dir richtige Entzündung und Schwellungen der Brust vor, so musst Du Dich immer an einen Arzt wenden. Diese Fälle müssen unbedingt ärztlich behandelt werden. Der Arzt oder Deine Ärztin haben hier diverse Möglichkeiten, Salben und andere Medikamente anzuwenden, die Du auf keinen Fall in Eigenregie anwenden darfst. Diese schweren Situationen sollten deshalb auch immer von eine Laktationsberaterin begleitet werden.

Ist Abstillen wegen einer wunden Brustwarze notwendig?

Natürlich denken viele Mütter auch immer an ein schnelles Abstillen, wenn die Brustwarze schmerzt und wund ist. Doch ist dieses Abstillen oder vielleicht eine einfach Stillpause notwendig und auch sinnvoll? Ist es vielleicht sogar schädlich, wenn Dein Baby nicht nur die Muttermilch, sondern auch Eiter aus der Wunde mittrinkt? Einige Ärzte und Mediziner sehen deshalb hier meist nur eine schnelle und einfache Lösung: sie verschreiben Medikamente zum Abstillen und wollen die Brust schnellstmöglich entlasten. Sie suchen also die schnelle Lösung, obwohl auch eine andere Lösung möglich wäre. Nämlich eine Behandlung der wunden Brustwarzen.

Doch Ärzte haben vielleicht nicht immer die Zeit und auch nicht immer das notwendige Know-How, wie es vielleicht eine gute Stillberaterin oder eine IBCLC hat. Deshalb solltest Du Dich in diesem Falle auch immer von einer Stillexpertin beraten lassen. Denn wenn Du diese schwierige Anfangszeit geschafft hast (und es geht wirklich, wenn Du es nur möchtest), dann steht Dir noch eine wunderbare Stillbeziehung bevor. Lass Dich also nicht vorschnell dazu verleiten, nur weil es einfach ist.

Wenn Du Dich für eine kurze Stillpause entschieden hast, dann solltest Du Dich auf jeden Fall an eine Stillberaterin wenden. Sie kann Dir sagen, wie du diese Situation am besten meistern kannst und daraus nicht noch mehr Probleme entstehen.

Die Stillpause kann dazu genutzt werden, die Gründe für die wunden Brustwarzen zu finden und abzustellen um schnellstmöglich wieder mit dem Stillen beginnen zu können. Denn eine falsche Anlegeposition oder ein falsches Saugmuster Deines Kindes würden die Brustwarze immer weiter schädigen. Du musst schnell wieder frei von Schmerzen sein, um wieder schnell Freude am Stillen zu erlangen. Hast Du Schmerzen und Angst vor dem Stillen, dann wird sogar der Milchspendereflex blockiert.

Die Brust muss auf jeden Fall immer weiter entleert werden. Nutze hierfür eine Milchpumpe (achte hier auf die eingestellte Saugstärke, da das Vakuum natürlich nicht hoch sein darf) oder leere die Brust manuell. Die gewonnene Muttermilch bekommt Dein Baby, damit es weiter gesund ernährt wird. Nutze hierfür auf keinen Fall eine Flasche, sondern eher einen Becher oder ähnliche Hilfsmittel. Eine Flasche könnte nämlich eine Saugverwirrung auslösen und dann haben wir ein neues Problem. Der Hautkontakt mit Deinem Kind muss auch während der Stillpause immer aufrecht erhalten werden. Dein Kind muss Deine Brust riechen und sehen können und immer mit der Muttermilch in Verbindung bringen.

Risikofaktoren oder auslösende Erkrankungen

Wunde Brustwarzen entstehen nicht nur durch zu starkes Saugen oder falsches Anlegen. Es gibt andere, bereits vorhandene Erkrankungen, die die Entstehung einer Wunde begünstigen.

Neurodermitis oder Psoriasis

Liegt Psoriasis oder Neurodermitis vor, dann ist das Risiko einer Verletzung und einer Infektion deutlich höher. Stimme dich hier auf jeden Fall mit einer Stillberaterin ab, wie Du Probleme vermeiden kannst. Auch ist die Absprache mit Deinem Arzt natürlich sehr sinnvoll.

Die Herpes Infektion

Liegt bei Dir eine Herpes Infektion an der Brust vor, so ist unbedingt der Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin angezeigt! Es darf auf keinen Fall mehr mit der betroffenen Brust weiter gestillt werden, da die Infektion für Dein Kind tödlich enden kann. Du erkennst also die enorme Gefahr.

Probleme an den Montgomery Drüsen

Ist der Bereich des Warzenhofes durch Stillhütchen, die Trichter von Milchpumpen oder Milchauffangschalen verletzt worden, so besteht die Möglichkeit einer Entzündung der Montgomery Drüsen. Dies führt vermutlich auch zu einer schmerzhaften Verstopfung der Drüsen. Warme Kompressen können die Heilung hier beschleunigen, die meist von alleine geschieht.

Das kurze Zungenband beim Kind

Nachdem wir nun zahlreiche Gründe und Faktoren vorgestellt haben, die eine wunde Brustwarze begünstigen, wollen wir noch auf ein mögliches Problem beim Säugling hinweisen. So verursacht nämlich auch das kurze Zungenband ein fehlerhaftes Saugen und dann letztlich die wunden Brustwarzen. Durch eine Frenotomie wird dies behoben. Bei diesem chirurgischen Einsatz beim Kind, wird eine Durchtrennung des Zungenbändchens vorgenommen. Durch diese Maßnahme wird das Saugverhalten deutlich verbessert. Die Zungenbeweglichkeit bei den Kindern wird deutlich gesteigert.

Unser Fazit

Es gibt zahlreiche Gründe und Faktoren, die eine Verletzung an der Brust verursachen können. In den meisten Fällen können diese Gründe schnell gefunden werden und letztlich auch abgestellt werden. Verliere also in solch einem Fall nicht den Mut und auch nicht die Lust am Stillen, sondern wende Dich direkt an eine Stillberaterin oder an eine Laktationsberaterin. Es ist hier ganz wichtig, dass Du schnell handelst, da wirklich jede Minute zählt. Dein Kind wird es Dir danken. Alles Gute wünscht Stillgruppen.de!

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