Durch das Tragetuch zur Steigerung der Milchproduktion

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Durch das Tragetuch zur Steigerung der Milchproduktion

Sa., 12/21/2019 - 22:55
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Schon seit der Existenz des Menschen werden Neugeborene getragen, in den Anfangszeiten aufgrund des Nomadentums, später um die Alltagsarbeiten erledigen zu können. Durch die Erfindung des Kinderwagens Mitte des 19.Jahrhunderts, der von Königin Viktoria in die gehobene Gesellschaftsschicht eingeführt wurde, geriet das Tragetuch mehr und mehr in den Hintergrund. Warum?

Etwas Geschichte

In den Kriegszeiten galt es einen starken, jungen Menschen heran zu erziehen und man vertrat die Meinung, das Tragen verwöhne die Kinder zu sehr. In den 50.iger und 60.iger Jahren galt das Tragen im Tragetuch als Zeichen der Armut und kam erst wieder in Mode, als Erika Hoffmann in einem Interview mit der Zeitschrift Stern die Vorteile über das Tragetuch nach der Geburt Ihrer Zwillinge erläuterte und damit einen wahren Begeisterungssturm auslöste. So entstand die erste Produktionsstätte für Tragetücher, die Firma Didymos. Andere Firmen wie KOKADI, LIMAS und Ruckeli folgten.

Tragen

Anfängliche Skepsis

Doch die anfängliche Euphorie lies nach als Eltern sich Sorgen um eventuelle Schäden der Wirbelsäule oder der ungenügenden Sauerstoffzufuhr des Kindes machten. So wurden Langzeitforschungen über das Tragetuch an verschiedensten Universitäten durchgeführt, die alle zu einem positiven Ergebnis führten.

Das Tragen von Säuglingen wird heute auch von Ärzten, Hebammen und Stillgruppen empfohlen. So nimmt das Tragen des Kindes großen Einfluss auf die Mutter-Kind-Bindung und somit auf die Milchbildung. Selbst Mütter mit anfänglichen Stillproblemen konnten durch das Tragen in Tragetüchern nach kurzer Zeit problemlos stillen. Es ist gewiss nicht unbekannt, dass Muttermilch eindeutig die beste Ernährungsform für das Baby ist. Sie enthält alle essentiellen Nährstoffe für den Säugling, stärkt das Immunsystem und wirkt sich nachhaltig auf das zukünftige Leben ihres Kindes aus. Wissenschaftliche Studien belegen, bei Säuglingen die gestillt wurden, einen besseren Umgang mit Stresssituationen, mehr Selbstbewusstsein, frühe Selbstständigkeit und eine bessere geistige Entwicklung.

Die Wirkung der Hormone auf die Milchbildung

Viele Faktoren beeinflussen die Milchproduktion der Mutter. Bei Geburtskomplikationen mit hohen Blutverlust oder einem Kaiserschnitt wird das milchsteigernde Hormon Ocytocin anfangs nicht ausreichend ausgeschüttet. Damit der Körper das Kuschelhormon vermehrt produzieren kann, ist der Hautkontakt zwischen Mutter und Kind und das regelmäßige Anlegen an die Brust von oberster Priorität. Stresssituationen sollten nach Möglichkeit vermieden werden, um die ausreichende Milchproduktion sicher zu stellen.

Durch das Anlegen des Kindes an die Brust kommt es zur Freisetzung des Hormons Ocytocin. Es bewirkt, das sich die Muskeln um die milchbildenden Drüsen zusammenziehen, die Milchkanäle erweitert und damit der Milchfluss verstärkt wird. Des Weiteren werden Beta-Endomorphine produziert, die Stress entgegenwirken und ein Gefühl der Freude und der Ruhe auslösen. Auch das Hormon Prolaktin sorgt zusammen mit den anderen Hormonen zur Förderung der Milchproduktion.

Tragetuch

Der Stillrhytmus

In den ersten Wochen nach der Geburt haben Säuglinge keinen Trinkrhythmus und sollten nach Bedarf tagsüber etwa alle 2-3 und nachts etwa alle 3-4 Stunden angelegt werden. Denn das Stillen funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, das heißt je öfter das Baby angelegt wird, um so mehr wird die Milchproduktion angeregt und aufgebaut.

Im Tragetuch kann das Baby genau beobachtet werden. Wenn es an den Lippen leckt oder mit leicht geöffneten Mund das Köpfchen dreht, sind das Zeichen, dass es hungrig ist. Sie können sofort reagieren und es stillen, bevor es zu weinen anfängt und einer angespannten Situation vorbeugen. Das Baby, das viele Monate im Mutterleib Wärme und Geborgenheit erfahren hat, wird bei der Geburt einer völlig neuen Situation ausgesetzt. Der Urinstinkt sagt ihm, solange Körperkontakt mit der Mutter besteht, ist es in Sicherheit. Im Tragetuch fühlt sich das Kind wohl und geborgen wie im Körper der Mutter, es weint weniger und ist zufriedener.

Ganz nah an der Mutter

Auch beruhigt der bekannte Herzschlag und der Geruch der Mutter das Neugeborene, die perfekte Körpertemperatur kann aufrecht erhalten und somit stabile Blutzuckerwerte erzielt werden. Dies wiederum bewirkt, das das Baby in kürzester Zeit einen zeitlich orientierten Trinkrhythmus findet, und ausreichend Muttermilch produziert wird.

Baby tragen

Welche Arten von Tragetüchern gibt es?

Tragetücher stehen heute in großer Auswahl verschiedener modischer Designs, Materialien, Größen und Längen zur Verfügung und umfassen Träger und Kind bequem.

Das Bonding Top

Nach einer schwierigen Geburt oder nach einem Kaiserschnitt mit längerer Liegedauer kann das Bonding Top zum Känguruen verwendet werden. Ganz besonders im Wochenbett. Das Baby wird nackt in das Top gelegt und es findet die erste Bindung mit der Mutter statt. Auch bei Besuchen im Krankenhaus sind Mutter und Kind gut angezogen und können auch in dieser Zeit den intensiven Hautkontakt pflegen.

Das elastische Tragetuch

In den ersten Monaten nach der Geburt empfiehlt es sich ein elastisches Tragetuch zu verwenden, den sie schmiegen sich perfekt an den Körper des Säuglings an und gewähren ihm viel Nähe und Geborgenheit. Auch gibt es weniger Bindevarianten und es ist damit für Neueinsteiger bestens geeignet. Allerdings verliert das elastische Tragetuch die Stützfunktion bei steigenden Gewicht des Säuglings. Eine andere Art des Tragetuchs sind die gewebten Tragetücher. Es sind viele Bindetechniken möglich, sie leiern nicht so leicht aus und geben dem Kind einen festen Halt. Sie können lange Zeit genutzt werden.

Die gewebten Tragebtücher

Dabei handelt es sich um unelastische Tragetücher die sehr robust sind. Besonders geläufige und auch sehr qualitative gewebte Tragetücher gibt es von der Firma Hoppediz oder Didymos. Wir hatten damals ein Tragetuch der Firma Didymos und Marion hat die Kinder damit überall mitgenommen. Besonders gut war auch die Tatsache, dass Marion dann auch ungehindert etwas im Haushalt erledigen konnte. Kochen oder aufräumen waren überhaupt kein Problem, da meine Kinder immer gut und sicher im Tragetuch lagen! Zu den gewebten Tragetüchern gehört auch das Ring-Sling Tragetuch. Es ist in der Handhabung sehr einfach, allerdings sollte es immer wieder umgebunden werden, denn das Gewicht des Kindes lastet nur auf einer Schulterseite, und kann damit wie beim Tragen auf den Arm, Hüftprobleme bei der Mutter verursachen. Nimmt das Kind an Gewicht zu können auch gepolsterte Fertigtragen mit Rucksackschließen verwendet werden, um etwaigen Rückenproblemen beim Träger vorzubeugen. Auch hier bieten die verschiedensten Firmen wie Ergo Carrier, Mai Tai, Onbohimo und Podaeg eine große Auswahl an Produkten an.

Ein Tragetuch

Weitere wesentliche Vorteile des Tragetuchs in Bezug auf Mutter und Kind

Durch den intensiven Hautkontakt fördert es die Mutter-Kind-Bindung, lässt schnellere Reaktionen auf die Bedürfnisse des Kindes zu und das Baby fühlt sich auch außerhalb Mutterleibs glücklich und zufrieden. Es hat einen Rückzugsort, wenn die äußeren Einflüsse wie Licht und Geräusche es überfordern.

Das Tragetuch hält im Sommer und Winter gleichbleibend warm und damit die Körpertemperatur ihres Babys stabil. Dass wiederum sorgt für stabile Blutzuckerwerte, die für den Trinkrhythmus des Kindes und damit wie bereits erwähnt für die Milchbildung eine entscheidende Rolle spielen. Die perfekte Spreiz-Andockhaltung schützt das Baby vor Hüftfehlstellungen und trainiert die Rückenmuskulatur der Mutter. Bei schon vorhandenen Hüftdysplasien setzen Kinderärzte das Tragetuch des Öfteren als Therapieform ein. Durch das Tragen hat man beide Hände frei und ein höheres Maß an Mobilität um die täglichen Haushaltsaufgaben oder das Einkaufen problemlos erledigen zu können.Sollte das Baby unterwegs Hunger bekommen, kann ein Stillen im Tragetuch intim und ohne großes Aufsehen durchgeführt werden.

Das Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, das das Menschenkind perfekt auf das Tragen in aufrechter Position geschaffen ist. Das Tragen im Tragetuch vermittelt dem Säugling nicht nur Hautkontakt und Wärme. Es trägt wesentlich zur Milchbildung bei und bringt außerdem noch viele weitere Vorteile für die Entwicklung des Kindes mit sich. Die Wissenschaft und die Medizin hat sich intensiv mit dem Tragen im Tragetuch beschäftigt und konnte es nur befürworten.

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