Nach einem Kaiserschnitt Stillen?

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Nach einem Kaiserschnitt Stillen?

Do., 02/20/2020 - 15:42
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Wir haben hier auf Stillgruppen.de einen ausführlichen Bericht dazu veröffentlicht, wie und warum der Milchspendereflex unter anderem gestört sein kann. Hauptsächlich liegt der Grund bei der Mutter selbst. Wenn sie sich nicht wohlfühlt (egal in welcher Form, ob seelisch oder körperlich durch Schmerzen), dann kann es sein, dass der Körper automatisch die Milchproduktion drosselt.

Nach einem Kaiserschnitt fühlt die Mutter sich vermutlich erst einmal nicht so wohl, besonders, wenn sie sich ganz bewusst auf die Schmerzen konzentriert. Die Unbeweglichkeit, die Schmerzen und vielleicht auch die Sorge über die Wunde, führen zu einem allgemeinen Unwohlsein, welches zu einer Blockade von Oxytocin führen kann. Dieses Oxytocin ist aber besonders führ die Milchproduktion wichtig, da es eben genau diese anregt!

Säuglinge erhalten eventuell weniger Milch

Durch die reduziert Produktion an Muttermilch, erhält Dein Baby vielleicht erst einmal weniger Muttermilch, was zu einer Gewichtsreduktion führen kann. Es kommt vielleicht noch zu Saugproblemen, da das Kind (durch die geringere Milchmenge) unruhig wird. Aus diesem Grund ist es unbedingt ratsam, sich einer professionellen Stillberatung anzuvertrauen.

Das Stillen ist eventuell nicht so harmonisch, aufgrund dieser Rahmenbedingungen und ein zufüttern könnte angezeigt sein. Schnell gerät die Mutter in Panik und denkt vielleicht sogar über das Abstillen nach, was aber nicht notwendig ist. Stillen ist auch nach einem Kaiserschnitt möglich, wenn man sich der Gründe für die Stillprobleme bewusst ist. Die Stillberatung wird nun versuchen, die Milchproduktion wieder zu steigern. Und dann ist auch ein Stillen bei Kaiserschnitt möglich!

Die Narkose und das Sectio Bonding

Bei einem Kaiserschnitt, gibt es unterschiedliche Varianten der Narkose. Bei bewusster Planung und Terminierung wird meist die Periduralanästhesie (PDA) oder eine Spinalanästhesie durchgeführt. Dabei wird die Mutter von der Brust an abwärts betäubt. Das hat den Vorteil (im Gegensatz zu einer Vollnarkose), dass die Mutter noch bei Bewusstsein ist und man ihr das Baby direkt an bzw. auf die Brust legen kann. Dadurch wird die Muttermilchproduktion bereits eingeleitet.

Es kommt zu keiner Verzögerung und einer möglichen Saugverwirrung, da die Mutter nicht bei Bewusstsein ist und nicht stillen kann. Das Sectio Bonding ist also unheimlich wichtig und wird in Babyfreundlichen Krankenhäusern in der Regel immer ermöglicht. In anderen Geburtskliniken wird es eher weniger ermöglicht, da die Mediziner die Sorge haben, dass dieses Baby von der Brust fallen könnte oder es vielleicht zu kalt im OP Raum ist.

Wenn Du die Wahl hast, dann solltest Du Dir also ein Krankenhaus aussuchen, welches das Sectio Bonding anbietet.

 

Es kann vorkommen, dass die Kinder nach dem Kaiserschnitt nicht direkt und wirklich intensiv an der Brust saugen. Dies resultiert aus dem unvorbereiteten Eintritt in unsere Welt. Das Baby ist ohne Wehen und für es selbst, vermutlich spontan auf die Welt gekommen und muss sich erst einmal an die neue Umgebung gewöhnen. Dadurch ist es vielleicht noch irritiert und wird nicht direkt nach der Brustwarze zum saugen suchen. Aber alleine der Hautkontakt des Babys mit der Brust, wird bei der Mutter vermutlich schon die notwendige Produktion von Oxytocin führen.

Nachteile der Vollnarkose

Sowohl die Mutter (ganz besonders), wie auch manchmal das Kind, sind nach einer Vollnarkose schläfrig bzw. nicht bei Bewusstsein. Bei dem Säugling kann dies von einigen Stunden bis hin zu wenigen Tagen eine gewisse Müdigkeit verursachen, die dazu führt, dass es sich nicht für die Muttermilch interessiert. In dieser Zeit kann das Baby auf die Nahrung verzichten und wartet darauf, dass die Mutter wieder wach ist und mit dem Stillen beginnen kann.

Medizin beim Kaiserschnitt

Während der Operation und auch danach, wird die Mutter vielleicht einige Medikamente erhalten. Gerade bei Schmerzen oder Entzündungen wird sie Schmerzmittel oder Antibiotika erhalten, soll und kann aber trotzdem mit dem Stillen beginnen.

Stillen

Schmerzen und Unwohlsein nach dem Kaiserschnitt

Bedingt durch den Kaiserschnitt und der Wundheilung haben die Mütter in der Regel immer Schmerzen und beklagen sich über eine gewisse Unbeweglichkeit. Sie braucht vielleicht Unterstützung beim Tragen und Anlegen des Babys, da sie sich ja nicht einfach hinsetzen kann, wegen der Narbe am Bauch. Die Mutter muss dann für sich und das Kind eine ideale und einigermaßen bequeme Anlegeposition finden. Da diese dann vielleicht nicht immer optimal ist, kann es auch mal häufiger zu wunden Brustwarzen bei der Mutter kommen.

Steigerung der Milchproduktion

Wenn das Baby nach dem Kaiserschnitt noch müde und erschöpft ist, dann kann man es mit einem kleinen Löffel und dem sogenannten Kolostrum wecken. Die Mutter streicht dieses per Hand aus der Brust aus und füttert es dem Baby vorsichtig mit einem Löffel. Wird dies frühzeitig und häufig praktiziert, so wird die Milchproduktion angeregt und das Baby immer wieder an das Saugen an der Brust und an die Muttermilch erinnert. Wichtig ist dabei eine vorsichtige aber konsequente Handgewinnung von dem Kolostrum. Ist bei Dir ein Kaiserschnitt geplant, so kannst Du Dich am besten vorher schon mit der Theorie der Handgewinnung von Kolostrum beschäftigen oder Lehr-Filme zu dem Thema anschauen. Bei der Handgewinnung können auch Hebammen oder der eigene Partner unterstützen.

Absolut vermieden werden sollte eine Nutzung von einer Flasche, da diese dann zu einer Saugverwirrung führen kann. Das Baby möchte dann nur noch mit der Flasche bedient werden und lehnt die Brust ab. Wenn das Baby etwas an Gewicht verloren hat, dann solltest Du Dir auf jeden Fall Unterstützung von einer Hebamme oder eine Stillberaterin holen.

Stillen

Das Baby ist bereit

Wenn das Baby nicht mehr müde oder schläfrig von der Geburt oder den Medikamenten ist, dann kann es direkt mit dem Saugen an der Brust beginnen. Es sollte optimalerweise ca 8-12 Mal innerhalb von 24 Stunden saugen, damit die Milchproduktion gut gestartet wird und der Kreislauf von Angebot und Nachfrage sich perfekt einpendelt. Dieser Zeitpunkt ist besonders wichtig und dies sollte dem Personal im Krankenhaus auch bekannt sein. Leider ist dies meist nur in den Babyfreundlichen Krankenhäusern bekannt, da das Klinikpersonal eine entsprechende Ausbildung erhalten hat.

Stillen

Beste Voraussetzung für das Stillen bei Kaiserschnitt

Um die Wahrscheinlichkeit für eine schöne Stillzeit nach einem Kaiserschnitt zu erhöhen, solltest Du folgende Punkte beherzigen. Natürlich sollte dein Krankenhaus nach Möglichkeit ein „Babyfreundlich“ zertifiziertes Krankenhaus sein, welches das Sectio Bonding ermöglicht. Wie bereits oben erwähnt ist dies der optimale Start um den Milchspendereflex auszulösen bzw. anzuregen. Auch wenn dies nicht aktiv in dem Krankenkaus bzw. der Klinik beworben wird, so kannst Du jedoch als Mutter auch darauf bestehen. Du solltest es jedoch vielleicht vorher schon einmal besprochen haben, damit es bei der Geburt nicht zu stressig und unruhig wird. Du hast Dich bestenfalls schon auf eine manuelle Brustentleerung zur Gewinnung des Kolostrums vorbereitet. Du hast Dir Lehrfilme dazu angesehen und Dich mit der Theorie dazu beschäftigt. So bist Du gut vorbereitet und kannst es im Krankenhaus dann einfach machen.

Krankenhaus

Du hast keine Vollnarkose erhalten und kannst deshalb direkt mit dem Hautkontakt zu dem Neugeborenen beginnen. Durch sehr häufigen Hautkontakt und der Nähe zu Deinem Baby, wird Dein Körper automatisch mit der Produktion der Hormone Oxytocin und Prolaktin beginnen. Diese sind sogenannte Stillhormone und sorgen für die Produktion von Muttermilch. Die Nachfrage an Muttermilch wird die Milchproduktion steigern! Deshalb ist es besonders wichtig, dass Du besonders häufig und möglichst früh nach der Geburt bzw. dem Kaiserschnitt, Deine Brust zum saugen anbietest.

Hautkontakt Baby

Es kann sein, dass das Baby noch nicht gut saugen kann und nicht die Brust nicht vollständig entleeren kann. Dann ist es wichtig, die vollständige Entleerung der Brust durch eine Handgewinnung zu unterstützen. So wird der Milchspendereflex immer wieder erneuert und die Milchproduktion weiter gesteigert. Es gilt die Regel: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Bei kleinen Startschwierigkeiten solltest Du nicht zögern und Dir direkt professionelle Hilfe bei einer Hebamme, einer Stillberaterin bzw. einer Still- und Laktationsberaterin holen.

Optimal ist natürlich auch die Begleitung der frischgebackenen Mutter durch ihren Partner oder eine andere Begleitperson. Dies ist besonders wichtig, wenn die Mutter vielleicht noch nicht so gut sitzen oder heben kann. Dann ist es natürlich perfekt, wenn das Baby in die ideale Stillposition angereicht wird. Kommt es zu einer Blockierung des Milchspendereflexes aufgrund der körperlichen oder seelischen Probleme der Mutter, so ist über ein stillfreundliches zufüttern nachzudenken. In diesem Falle ist die Unterstützung durch Fachpersonal sehr hilfreich um nicht (ungewollt) ein Abstillen oder eine Saugverwirrung herbeizuführen.

Das Fachpersonal findest Du hier auf Stillgruppen.de und solltest Du Dir vorher schon herausgesucht haben, damit Du es dann bzw. Dein Partner im Notfall dann auch vom Krankenaus aus gut kontaktieren kannst. Wir wünschen Dir viel Erfolg und eine schöne Stillzeit!

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