Stillende Mütter kehren ins Berufsleben zurück

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Stillende Mütter kehren ins Berufsleben zurück

Do., 05/06/2021 - 12:18
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Wenn die Elternzeit oder der Mutterschutz vorbei ist, steigt man wieder ins Berufsleben ein. Dies muss ganz und gar nicht heißen, dass Du das Stillen abbrechen musst. Alles, was Du brauchst, ist eine gute Planung und gute Organisation. So kannst Du Dein Kind auch weiterhin mit gesunder Muttermilch nähren.

Sein Berufsleben und den normalen Alltag in Harmonie zu bringen, ist oft herausfordernd. Nach der Babypause zurück in den Beruf zu kommen, muss geplant werden. Als Mutter bist Du im Zwiespalt Deiner Gefühle. Auf der einen Seite willst Du Dein Baby weiter stillen. Du willst für Dein Kind da sein. Auf der anderen Seite brauchst Du mehr Geld und musst zurück in den Beruf. Oder Du willst ganz einfach weiter an Deiner Karriere arbeiten und Dein Berufsziel verfolgen.

Wenn Du eine stillende Mutter bist und auch weiterhin stillen willst, dann brauchst Du einen Plan. Du musst als arbeitende, stillende Mutter die Milchproduktion aufrechterhalten. Vor allen Dingen muss Dein Baby über Muttermilch verfügen können, wenn Du nicht anwesend bist. Daher musst Du in der Arbeit Deine Milch abpumpen und aufbewahren. Die Aufbewahrung muss sicher sein und im Anschluss musst Du die Milch nach Hause bringen. Die Person, welche Dein Baby in Deiner Abwesenheit betreut, muss in der Zeit dem Baby die Milch geben können.

Welche Vorteile hat das Weiterstillen nach der Rückkehr in den Beruf?

Wieder arbeiten zu gehen, ist oft nicht leicht. Als Mutter plagen einen manchmal Gewissensbisse. Nach der Geburt hast Du viele Monate mit dem Baby Zeit verbracht. Diese Nähe war ganz intensiv und durch das Stillen ist die Bindung zu Deinem Kind gewachsen. Das willst Du auch in der Arbeit nicht missen. Du willst diese Bindung weiter aufrechterhalten. Gleichzeitig willst Du Deinen Alltag erleichtern.

Stillen ist ein besonderes Band mit Deinem Baby. Natascha, eine Mutter aus Berlin findet: „Meine Tochter war erst sechs Monate alt, als ich wieder ins Büro arbeiten ging. Kurz bevor ich das Haus verließ, stillte ich mein Kind. Als ich nach Hause kam, stillte ich sie gleich wieder. Diese Rituale ließ ich mir nicht nehmen.“

Muttermilch ist das Beste für Dein Baby, daran musst Du immer denken! Die Milch ist sehr förderlich für die Gesundheit Deines Kindes. Sie hat viele gesundheitsfördernde Stoffe. Auch wenn Du wieder berufstätig bist, kann das Baby noch davon profitieren. Die Inhaltsstoffe der Muttermilch helfen dem Kind, gesund zu bleiben. Infekte kann es besser bekämpfen. Bei einer Krankheit kann das Baby schneller wieder genesen. In Studien wurde belegt, dass Mütter, die weiterhin stillen, sich weniger frei nehmen. Ihre Babys werden einfach weniger krank und bleiben gesund.

Wann ist der beste Zeitpunkt, ins Berufsleben zurückzukehren?

Einige Mütter haben keine Wahl und können sich den Zeitpunkt nicht aussuchen. Es ist abhängig von den jeweiligen Mutterschutzgesetzen. Die Elternzeitgesetze haben auch Einfluss auf die Entscheidung. Auch vom Arbeitgeber selbst ist diese Entscheidung abhängig. Es gibt hier auch verschiedene Gesetze je Land. Du brauchst vielleicht das Geld, um wieder zu arbeiten.

Viele Mütter haben Glück und können ihre Entscheidung hier individuell treffen. Vor allen Dingen musst Du für Dich die Vorteile abwägen. Hier musst Du das Einkommen und Dein berufliches Weiterkommen betrachten. Vielleicht gehen Dir aber auch nur die Sozialkontakte ab. Die Nachteile liegen hier klar auf der Hand: Du kannst nicht mehr bei Deinem Baby sein. Zum Teil fallen auch Kinderbetreuungskosten in die Entscheidung mit hinein. Der Arbeitsort kann auch zu weit entfernt sein.

Wenn Du guten Kontakt zu Deinen Kolleginnen hast, die bereits Erfahrung damit haben, mach Dich darüber kundig. Es kann anstrengend sein, in der Arbeit Milch abzupumpen. Auch das musst Du berücksichtigen, wenn Du eine Entscheidung triffst. Es kann auch auf die Psyche gehen, hier Kompromisse schließen zu müssen. Einige Mütter sehen das Abpumpen aber so, dass sie eine kleine Ruhepause vom Berufsstress erfahren.

Martina, eine Mutter eines Sohnes aus München, sagt: „Ich konnte mich nur schwer dazu durchringen, wieder zu arbeiten. Acht Stunden volle Konzentration im Job aufzubringen, konnte ich mir nicht mehr vorstellen. Dennoch entschied ich mich für den Beruf und genoss die Stille beim Abpumpen in der Arbeit. Ich war ganz alleine im Büroraum und hatte eine kleine Verschnaufpause.“

Stillen

Wie funktioniert das mit der Kinderbetreuung?

Wenn Du Dich für das Berufsleben entscheidest, dann brauchst Du eine Kinderbetreuungseinrichtung, die Deinem Kind die abgepumpte Milch gibt. Du kannst es auch so machen, dass Du das Baby stillst, wenn Du es hinbringst. Auch beim Abholen kannst Du das Kind gleich stillen. Die Einrichtung muss damit aber einverstanden sein. Darüber solltest Du die Betreuungseinrichtung von Anfang an aufklären. Deine Wünsche musst Du klar artikulieren. Du musst auch vorher wissen, wie Deine Milch aufbewahrt wird.

Der Betreuungseinrichtung musst Du desinfizierte Babyflaschen sowie dazugehörige Sauer zur Verfügung stellen. Die Betreuungspersonen müssen auch darüber unterrichtet werden, wie Dein Baby die Milch gerne trinkt. Es kann lieber in liegender Position gefüttert werden. Aber das Kind kann auch schon gerne alleine die Milch in der Flasche trinken. Viele Babys greifen schon ab sechs Monaten alleine nach der Babyflasche und trinken alleine. Da Dein Baby nicht mehr von Dir gestillt und gefüttert wird, mach ihm den Übergang so leicht als möglich.

Die idealste Lösung für eine Mutter ist es, wenn die eigenen Familienangehörigen Dein Kind betreuen. In dem Fall musst Du genug Muttermilch bei ihnen lassen. Du musst Deiner eigenen Mutter eventuell eine genaue Aufgabenteilung geben, wenn sie das Baby betreut.

Gabriele ist eine Mutter aus Altötting und ihr Sohn konnte sich am Anfang nicht an die neue Situation gewöhnen. Die Mutter ging für 20 Stunden in der Woche wieder ins Büro arbeiten. Ihr Sohn war zu der Zeit acht Monate alt. Gabriele stand frühmorgens auf und pumpte ihre Milch ab. Ihr Ehemann fütterte ihren Sohn mit der abgepumpten Muttermilch. Der Mann ist selbständig und hat eine kleine Firma im Haus. Das Baby wollte die Milch zuerst nicht trinken. Aber er gewöhnte sich letztendlich doch schnell an die neue Situation.

Welche Fragen soll ich meinem Arbeitgeber stellen?

Du musst Dich beim Arbeitgeber melden, sobald Du wieder arbeiten willst. Über das genaue Eintrittsdatum nach der Karenzzeit solltest Du nachdenken. Auch dann, wenn Du den Wiedereinstieg erst in einigen Monaten planst. Du solltest den Arbeitgeber auch darüber informieren, wie viele Stunden Du in der Woche arbeiten willst. Der Arbeitgeber muss auch Bescheid wissen, dass Du planst, Milch abzupumpen. Wenn Du eine Teilzeitstelle in Betracht ziehst, informiere den Arbeitgeber. Es gibt auch die Möglichkeit, dass Du beispielsweise nicht fünf oder sechs Tage in der Woche arbeitest. Aber weniger Arbeitstage pro Woche in Erwägung ziehst.

Anita aus Sachsen-Anhalt hat zwei Kinder. Sie sagt: „Ich wollte nach der Karenzzeit sofort wieder arbeiten. Teilzeitarbeit war für mich aber ideal und ich entschied mich für 20 Stunden pro Woche. Das war für meinen Arbeitgeber auch okay. Ich war damit auch mehr als zufrieden.“ Wer in einem Konzern arbeitet, sollte sich mit dem Personalbüro in Verbindung setzen. Dieses weiß genau über die Richtlinien im Großunternehmen Bescheid. Dort kannst Du Dich auch über Deine Rechte rund um das Abpumpen informieren. Es kann dennoch sein, dass auch in einem großen Unternehmen noch keine Mutter Milch abgepumpt hat.

Das macht gar nichts und Du kannst hier eine Vorbildfunktion einnehmen. Dein Arbeitgeber muss aber schon im Voraus über Deine Pläne informiert werden. Viele Länder haben schon Gesetze im Arbeitsrecht verankert, was das Abpumpen von Milch betrifft. Sie müssen Dir einen eigenen Raum in der Zeit des Abpumpens geben. Dort hast Du Deine Ruhe vor neugierigen Blicken. Du hast auch Anspruch auf mehr Pausen, damit Du abpumpen kannst. Darüber hinaus brauchst Du einen Ort, wo Du die Milch aufbewahren kannst. Du musst Dich vor Arbeitsantritt über die Richtlinien informieren.

Silke ist eine Mutter von vier Kindern aus Schleswig-Holstein. Sie sagt: „Ich plante meine Rückkehr ins Berufsleben genau. Du musst Deine Wünsche dem Arbeitgeber gegenüber klar äußern. Er muss wissen, wie oft Du abpumpen wirst, da Du mehr Pausen brauchst. Du musst Deine Rechte in Deinem Land, was das betrifft, gut kennen. Dem Arbeitgeber sollst Du dahingehend selbstbewusst gegenübertreten.“

Wenn die Kinderbetreuungsstätte nahe Deinem Arbeitsplatz liegt, ist das eine optimale Alternative. Denn dann kannst Du Dein Baby wie gewohnt stillen. Du brauchst nur zusätzliche Pausen.

Wie funktioniert die beste Vorbereitung auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben?

Schon Wochen vor dem Wiedereinstieg solltest Du Dir Gedanken machen. Du solltest Milch abpumpen und dies dem Baby geben. So kann sich Dein Kind an die neue Art der Fütterung gewöhnen. Du musst Dein Baby daran gewöhnen, dass es nun zum Teil mit der Flasche gefüttert wird. Auch musst Du die beste Art des Abpumpens finden. Neben der elektrischen Milchpumpe gibt es auch die manuelle Pumpe. Es ist sogar möglich, die Milch mit der Hand auszustreichen. Das ist aber sehr umständlich. Deine Entscheidung wird eine Kostenfrage sein, oder auch der Effizienz.

Du kannst das Familienmitglied, welches Dein Baby betreuen wird, ermuntern, das Baby zu füttern. Deine abgepumpte Milch kann dieses Familienmitglied bereits zubereiten. Dein Baby wird sich so schneller daran gewöhnen, dass jemand anders es füttert.

Laura, Mutter eines Sohnes aus Bonn sagt: „Ich habe meiner Mutter schon Wochen vor meinem Wiedereinstieg in den Beruf, meine abgepumpte Milch gegeben. Das Baby wurde schon vorher daran gewöhnt. So gab es schließlich keine Probleme, als ich wieder arbeiten ging. Jedoch musste ich einige Sauger ausprobieren, bevor mein Baby sich an die neue Art gewöhnen konnte.“

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