Helfen Stillhütchen?

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Helfen Stillhütchen?

Fr., 04/10/2020 - 12:03
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Rund um das Thema Stillhütchen gibt es viele verschiedene Meinungen und Ansichten. Einige Personenkreise empfehlen sie und andere berichten über diverse Risiken. Wenn man Stillhütchen benutzen will, dann stellt man sich vielleicht die Frage: Welche Größe ist die Richtige? Auf was muss ich genau achten? Kann ich mein Baby auch wieder von der Anwendung der Stillhütchen abgewöhnen?

Du siehst, es ist im ersten Moment gar nicht so einfach einen Überblick über dieses Hilfsmittel zu erhalten, aber wir wollen unterstützen. Viel Spaß beim Lesen unseres Artikels!

Welche Risiken liegen vor? Welchen Nutzen gibt es?

Kaum ein anderes Hilfsmittel spaltet die Meinungen so sehr, wie die Stillhütchen. Selbst unter den Fachleuten aus dem Bereich des Stillens (Hebammen, Stillberaterinnen oder Laktationsberaterinnen) gibt es keine eindeutige Meinung. Die einen nutzen es als tolles Hilfsmittel und die anderen sehen eher ein Problem in der Anwendung der Stillhütchen. Laut statistischen Erhebungen nutzen bereits ca. 25 bis 34 Prozent aller Mütter solch ein Stillhütchen noch in der Geburtsklinik. Dieses Hilfsmittel soll eigentlich nur genutzt werden, wenn es Probleme beim Stillen gibt. Leider geben einige Kliniken die Stillhütchen aber auch bereits vor dem ersten Anlegen aus und vermitteln den Müttern so den falschen Eindruck, dass diese zur Standard Ausstattung zum Stillen gehören.

Stillprobleme gibt es oft

Anlegeprobleme (oder Stillprobleme) liegen tatsächlich recht häufig vor (zumindest am Anfang), da die Situation in der Klinik meist nicht optimal ist oder sowohl Mutter wie auch das Baby noch unter den Nebenwirkungen von einzelnen Medikamenten leiden. Auch können die Saugschwäche des Kindes oder eine Brustdrüsenschwellung zu diesen Stillproblemen führen. Die Stillhütchen sind in diesen Fällen natürlich sehr gute Hilfsmittel, um das Stillen zu ermöglichen. Diese Variante ist im ersten Moment für Baby und Mutter die einfachste und erspart zum Beispiel ein Ausstreichen oder Abpumpen von Muttermilch mit einer Milchpumpe.

Stillen

Die Vorteile von Stillhütchen

Durch die Form und die Stärke der Hütchen (sind härter, länger und auch breiter als die Brustwarzen der Mutter), kommt es zu einem stärkeren Saugstimulus. Dies hilft natürlich besonders bei müden und schwachen Neugeborenen oder im Falle von Flachwarzen oder Schlupfwarzen. Das Baby kann so schnell und einfach zum Stillen animiert werden und ist so direkt in der Lage die Muttermilch zu trinken. Weiterhin stellen die Stillhütchen natürlich auch bei wunden Brustwarzen eine tolle Lösung dar, um die Warzen zu schonen und gleichzeitig trotzdem weiter zu Stillen. Die Mutter hat keine Schmerzen mehr durch das Stillen und versorgt ihr Kind trotzdem weiterhin mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen.

Müde und unerfahrene Babys können aufgrund der Stillhütchen gut saugen, auch wenn sie nur eine sehr geringe Sagkraft haben. Gerade auch bei Frühchen ist dies ein geeigneter Weg um das Stillen zu ermöglichen. Liegt eine Saugverwirrung vor, weil Babys vielleicht schon einmal an einer Flasche gesaugt haben, so akzeptieren sie das Stillen mit einem Stillhütchen viel eher, als das normale Stillen an der Brust. Das Kind ist viel eher bereit an einem Stillhütchen zu saugen, da es viel schneller mit der Muttermilch belohnt wird. Ein ganz besonderer Trick um das Baby zu animieren ist es, dass Stillhütchen schon bereits vor dem Aufsetzen etwas mit Muttermilch zu füllen (mit wenigen Tropfen).

Die Nachteile von den Hütchen

Kritiker sehen hier einen pauschalen Lösungsansatz eines Stillproblems, ohne das eigentliche Problem überhaupt zu erkunden und bestenfalls auch zu lösen. Ein Stillhütchen soll also die kompetente Beratung einer Stillberaterin nicht ersetzen! Und weiterhin darf auch nicht ein kleiner Teil des Fachpersonals (also Stillberaterinnen oder Hebammen) nicht zu schnell zu diesem Hilfsmittel greifen, nur weil es so schnell und einfach ist. Es darf also nicht zur Pauschallösung genutzt werden.

Durch den Einsatz von Stillhütchen verlagert man die Lösung von Stillproblemen vielleicht zu schnell ohne das eigentliche Problem zu erkennen und zu lösen. So wird im Krankenhaus zu schnell zu diesem Hilfsmittel gegriffen anstatt der Mutter richtig zu helfen. Wird die Mutter dann entlassen, so nimmt sie das Problem mit nach Hause und ist nun auf sich alleine gestellt und wird gezwungen, die Stillhütchen weiterhin und dauerhaft einzusetzen.

Die Hütchen können im ersten Moment bei wunden Brustwarzen genutzt werden. Sie dürfen aber also nicht als Dauerlösung bei diesem Problem angewendet werden, da bei der Anwendung auch das Risiko von Brustentzündungen oder Soor ansteigt. Wenn die Stillhütchen zu früh und zu lange eingesetzt werden, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Dein Baby sich an die Verwendung absolut gewohnt und vielleicht sogar auch ohne Probleme beim Stillen bekommt. Sobald das auslösende Stillproblem also nicht mehr besteht, so sollte die Anwendung der Hütchen sofort eingestellt werden. Das Kind muss wieder davon entwöhnt werden, damit es natürlich an der Brust trinkt.

Beim Saugen an der Brust, muss das Kind erst einmal ansaugen, damit die Brustwarze aufgerichtet wird und dann mit dem Saugen der Muttermilch begonnen werden kann. Wenn das Baby nun zu lange an Stillhütchen gesaugt hat, kann es diesen Ablauf vergessen haben oder generell ist eine Saugverwirrung entstanden und eine Umstellung wird durchaus nicht einfach werden. Eine schnelle Entwöhnung von den Stillhütchen ist also wichtig und sollte nicht unterschätzt werden.

Keine vollständige Entleerung

Kritiker stellen die These auf, dass die Muttermilch aus der Brust nicht vollständig abgetrunken wird und so ein Rückgang der Milchproduktion eintreten könnte. Ein verführter Einsatz der Hütchen soll vermieden werden, da es oftmals nur etwas Geduld benötigt, bis die Medikation (zur Geburt eingesetzt) schon nach wenigen Tagen nachlässt und das Baby dann kräftig ist und gut saugen kann. Wie können diese ca. 4 „Müden Tagen“ nun überbrückt werden? Es geht ganz klassisch mit dem Abpumpen und dem Ausstreichen von Muttermilch. Dies hast Du vorher schon geübt und bist auf diese Situation vorbereitet. Die Muttermilch wird dann mit geeigneten Hilfsmitteln (Becher) an das Kind verfüttert. Gib Deinem Kind genügend Möglichkeiten sich an der Brust zu versuchen.

Das Saugen funktioniert vielleicht nicht immer direkt beim ersten Mal und Bedarf einiger Anläufe. Gib Deinem Baby die Chance sich zu versuchen ohne direkt aufzugeben und auf eine Flasche oder ähnliches auszuweichen. Nutzt die Mutter die Stillhütchen in einer falschen Größe, so können leichte Verletzungen durch Quetschungen oder ähnlichem entstehen. Ebenfalls vermuten Kritiker eine geringere Milchproduktion, da das Baby nie die Haut der Mutter an der Brust berührt. Es hat ja immer nur das Silikon im Mund und regt so nie die Ausschüttung der Stillhormone Oxytocin und Prolaktin an. Im Brustwarzenhof wird ein typischer Geruch produziert, der das Kind zum saugen animiert. Dieser Geruch wird in den Montgomery Drüsen erzeugt und wird nun vermutlich durch die Silikonbarriere unterdrückt.

Keine Abwehrkräfte

Ein weiterer Punkt ist die fehlende Bildung und Versorgung mit Abwehrstoffen durch die Mutter. Die Silikonbarriere verhindert den Austausch von Keim-Informationen zwischen Kind und Mutter. Dies geschieht normalerweise durch die Milchgänge der Mutter, wenn das Kind an der Brust saugt. Wie sieht es mit einem spontanen Stillen aus? Zum Beispiel auch bei dem Stillen in der Nacht? Dies erscheint dann als großer Nachteil, weil die Mutter ja erst die Stillhütchen anlegen muss und deshalb richtig wach wird. Sie kann nicht im Halbschlaf stillen und danach direkt wieder einschlafen. Sie ist immer wieder wach und hat dadurch natürlich weniger Schlaf. Ein weiteres großes Problem bei der dauerhaften Verwendung von Stillhütchen ist die Abhängigkeit und die Notwendigkeit des Mitführens und des ständigen Reinigens. Ein regelmäßiges Wechseln und Abkochen ist zwingend notwendig, damit keine Infektionen entstehen können. Im Prinzip ist das ganze Handling im Vergleich zum „normalen“ Stillen viel schwieriger und komplizierter.

Baby Stillen

Stillprobleme ohne Stillhütchen lösen

Liegen bei Dir Anlegeprobleme vor, so gilt erst einmal: kein Schnellschuss, sondern mit viel Geduld und Ausdauer das Stillproblem lösen bevor man zur „Schnell- und Einfach Lösung“ der Stillhütchen greift. Sie sollten wirklich nur als letztes Mittel genutzt werden. Wie bereits weiter oben schon geschrieben, gibt es in den ersten Tagen sehr oft Startschwierigkeiten beim Stillen. Die Geburt war sehr anstrengend oder die Medikamente wirken sowohl bei der Mutter wie auch beim Kind noch Tage nach. Müdigkeit und Erschöpfung liegen bei der Mutter und dem Baby vor. Das kann dazu führen, dass Dein Baby vielleicht noch zu schwach ist und nicht richtig saugt.

Es ist einfach noch zu erschöpft dazu. Dann kommt eine gute Milchpumpe ins Spiel oder Du streichst Muttermilch per Hand aus. Die Muttermilch kann dann mit einem Becher oder mit einem Löffel an das Kind verfüttert werden. Neben der Gabe der Muttermilch ist natürlich auch der Hautkontakt mit der Mutter elementar wichtig. Schmusen und kuscheln ist sehr wichtig und führt vielleicht auch einmal zu einem Andocken an die Brust. Letztlich ist dies ein Reflex des Kindes und kann natürlich auch durch das sogenannte „Laid back Nursing“ (zurückgelehnte Stillposition) forciert werden. Eine kompetente Stillberaterin kann durch Brustkompression den Milchfluss erhöhen und durch geschickte Anlegepositionen das Kleinkind zum Saugen animieren. Ebenfalls kann ein Brusternährungsset einsetzt werden.

Entscheidend ist also die Stimulation des Milchflusses und der ständige Versuch, die richtige Stillposition zu finden. Ist dies gelungen, so wird das Baby anfangen zu saugen.

Wann werden Stillhütchen eingesetzt?

In der Regel nutzt eine Mutter nur dann die Stillhütchen, wenn das betreuende Umfeld diese empfiehlt. Zum Beispiel direkt in der Klinik nach der Geburt oder dann in der Folge durch eine Stillberaterin. In einer Klinik herrscht oft Zeitdruck und die Notwendigkeit einer schnellen Lösung, deshalb entscheidet sich das medizinische Personal schnell einmal für diese Lösung. Dies ist aber sehr schade, da sie nicht immer die richtige Lösung ist.

Nimmt sich eine Stillberaterin oder eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC die Zeit und die Ruhe und geht den Stillproblemen auf den Grund, so können diese in der Regel auch ohne den Einsatz der Stillhütchen gelöst werden. Arbeitet eine Stillberaterin gewissenhaft, so wird sie den Einsatz der Stillhütchen nur als wirklich letzte Möglichkeit ins Spiel bringen. Das Stillproblem kann also durch keine andere Maßnahme gelöst werden. Der Einsatz von Stillhütchen soll also eigentlich vermieden werden.

Baby

Der praktische Einsatz

Wenn ein Einsatz dieses Hilfsmittels nicht vermieden werden kann, so gilt es auch hier einige Dinge zu beachten. So ist ganz besonders auf die richtige Größe zu achten. Wird eine falsche Größe genutzt, so können Verletzungen an der Brustwarze entstehen. Wenn die Hütchen eingesetzt werden, so muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Kind sehr viel vom Brustgewebe im Mundraum hat. Es muss also seinen Mund möglichst weit geöffnet haben. Weiterhin darf die Zahnleiste des Kindes maximal nur am Rand des Stillhütchens liegen.

Wenn die Zahnleiste den Schaft zusammendrückt, dann ist das Stillhütchen zu lang und das Baby muss vielleicht würgen und kann nicht richtig angelegt werden. Wie bereits weiter oben erwähnt, gibt es auch den Trick der Vorbefüllung der Hütchen mit Muttermilch. So wird das Kind zusätzlich mit der einfachen Milch gelockt und animiert noch mehr zu saugen. Die Milch drückt die Mutter in das Stilhütchen oder gibt sie mit einer Spritze durch das Saugloch in das Saughütchen.

Ein ganz wichtiger Punkt bei der Anwendung von diesen Stillhütchen ist auch die Dicke des Gummis. Zum Beispiel gibt es sogenannte ultradünne Stillhütchen aus Silikon, die dazu führen, dass die Produktion der Muttermilch genauso gut in Gang gebracht wird, wie ohne. Merke Dir also: umso dünner die Hilfsmittel sind, umso besser ist es. Gummi und Latexvarianten (waren früher öfters im Einsatz) sind zu vermeiden und führen nachweislich zu einem Rückgang der Milchproduktion. Weiterhin ist der perfekte Sitz der Stillhütchen natürlich auch entscheiden, damit ein guter Ansaugeffekt entstehen kann. Ist der Saugeffekt nicht groß genug (durch die falsche Größte etc.) so wird der Kreislauf der Milchproduktion nicht ausreichend angeregt. Es wird einfach zu wenig Milch angesaugt bzw. getrunken. Da die Nachfrage auch das Angebot bestimmt, wird die Milchproduktion automatisch gedrosselt.

Wenn Du also einmal ein Stillhütchen nutzen musst, dann ist es klug, die Milchproduktion durch zusätzliches Abpumpen weiter anzuregen. Die Milch kannst Du dann in kleinen Flaschen sammeln und einfrieren. Wenn Du mit einer Milchpumpe arbeitest, dann ist es ganz wichtig, die Brust vollständig zu leeren. Diese vollständige Entleerung der Brust gibt Deinem Körper das Signal, noch mehr Muttermilch zu produzieren, als vorher. Die Milchbildungsrate wird also so immer weiter gesteigert. Hast Du ein gewisses Level in der Milchproduktion erreicht, so kannst Du das zusätzliche Abpumpen auch wieder drosseln. Denke immer daran, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt.

Wie bringt man ein Stillhütchen auf die Brust?

Um das Hütchen ideal an der Brust aufzusetzen, gibt es mehrere Wege und Möglichkeiten. Meist wird folgende Variante angewandt: das Stillhütchen wird mittig auf der Brustwarze aufgesetzt (der Rand ist dann hochgefaltet) und danach wird der Rand langsam nach außen hin glatt gestrichen. Eine weitere Möglichkeit ist das Aufsetzen mit einer leichten Drehbewegung. Dann gibt es noch die „Dehnungsmethode“: das Stillhütchen wird vollständig ausgestülpt und gedehnt. Dann wird es angebracht und wenn es dann wieder langsam die alte Form vor der Dehnung annimmt, dann zieht es automatisch die Brustwarze mit in den Schaft hinein. Das Anbringen wird noch einfacher und die Haftung ist sehr gut, wenn die Stillhütchen mit warmem Wasser formbar und feucht gemacht werden. Sie halten dann auch von alleine und müssen nicht an der Brustwarze festgehalten werden.

Sauberkeit ist ganz wichtig

Wenn Du die Saughütchen anbringen möchtest, dann musst Du ganz sauber Hände und Finger haben. Deine Fingernägel sollten natürlich ebenfalls sauber sein. Einfacher wird es natürlich mit kurzen Fingernägeln. Nur so kann garantiert werden, dass Du nicht aus Versehen Keime und Bakterien auf den Hütchen platzierst. Die benutzten Stillhütchen werden sorgfältig mit warmem Seifenwasser gereinigt und mit klarem, kaltem Leitungswasser abgespritzt. Zum Trocken werden sie auf ein frisches und sauberes Tuch gelegt um dann im Anschluss in einer sauberen Plastikbox gelagert zu werden. Die Box sollte geschlossen sein, damit sich keine Fliege auf die Hilfsmittel setzen kann oder sie verstauben. Alles muss sehr sorgfältig gereinigt werden und sauber gelagert werden, damit Dein Kind keine Bakterien oder Keime in den Mund bekommt.

Sauberkeit

Wie ermittelst Du die richtige Größe?

Wie bereits in diesem Bericht erwähnt, ist es sehr wichtig die richtige Größe für die Hütchen zu ermitteln und zu kaufen. Bei der Größe muss sowohl die Mundgröße des Kindes, wie auch die Brustwarze der Mutter berücksichtigt werden. Hier gilt folgende Regel: eine kleine Brustwarze benötigt ein kleines Stillhütchen und eine große Brustwarze eben ein großes Hütchen.

Logischerweise kommen Kinder mit einem kleinen Mund auch mit kleineren Stillhütchen besser klar. Ein zu langer und zu großer Schaft würde bei dem Kind nur einen Würgereflex auslösen und wird sich gegen das Stillen wehren. Dein Kind muss die Brustwarze und das Hütchen gut in den Mund nehmen können und alles zusammen optimal tief aufnehmen können. Der Schaft darf nicht länger sein, als vom Lippenschluss bis hin zum hinteren Gaumenteil. Die optimale Schaftlänge kann gemessen werden, indem die Stillberaterin oder auch Du selbst, einen Finger vorsichtig in den Mund des Babys einführst und die Länge vom Lippenschluss (vorne am Mund) bis zum Beginn des weichen Gaumens messen und den Finger dann entsprechend markieren. Dies sollte natürlich mit äußerster Sorgfalt und Vorsicht erfolgen. Auswertungen haben ergeben, dass bei Kindern im Alter von 0 bis 3 Monaten die ideale Schaftlänge von 1,9 bis hin zu 3,2 Zentimetern liegen kann.

Der Schaft darf aber nicht nur zu lang sein, sondern auch nicht zu kurz. Die Brustwarze muss sich während des Saugvorgangs auch optimal ausdehnen können. Die Brustwarze der Frau kann unterschiedlich lang sein in der sogenannten Ruhephase. Diese liegt zwischen 0 bis 2 Zentimetern und im Durchschnitt bei 0,9 Zentimetern. Saugt das Kind nun an der Brustwarze dann kann sie sich stark vergrößern bzw. verändern. Dabei gibt es keine feste Regel. Die Vergrößerung kann bei einigen Frauen nur wenige Millimeter betragen, bei anderen vergrößern sich die Brustwarzen sogar auf das Zwei- bzw. Dreifache der Ursprungsgröße! Deshalb ist die Größe der Hütchen natürlich elementar wichtig.

Andernfalls drücken die Brustwarzen von innen gegen die Stillhütchen und die Frauen haben Schmerzen oder sogar man findet sogar die Löcher der Saughütchen als Abdruck auf der Brustwarze, was ein eindeutiges Zeichen für zu kleine Saughütchen ist. Es besteht keine Abhängigkeit zwischen der Größe der Brust und der Größe der Brustwarzen. Eine gängige Schaftlänge bei den Hütchen ist 2,5 Zentimeter (in der Regel bei den Größen L und M). Die Größe S verfügt über eine Schaftlänge von 2,1 Zentimetern.

Neben der Schaftlänge ist auch der Durchmesser der Saughütchen sehr wichtig. Als Richtwert dient hierbei der folgende: der Durchmesser sollte immer ca. 2 Millimeter größer sein, als bei der Brustwarze in der Normalposition bzw. Größe.

Du merkst also hier bereits recht schnell, dass dies eine Wissenschaft für sich ist und eine Anleitung durch eine Stillberaterin durchaus Sinn macht. Neben der richtigen Schaftlänge ist also auch der Durchmesser sehr wichtig, damit die Brustwarze optimal im Stillhütchen eingefügt ist und das Saugen gut klappt. Die Firma Mamivac bietet hier ein Set an, mit dem man seine eigene optimale Form und Größe bestimmen kann bzw. herausfinden kann. Im Durchschnitt liegt der Durchmesser der Brustwarzen bei den Frauen bei ca. 13 bis 17 Millimetern.

Um es jetzt noch so richtig kompliziert zu machen, gibt es in der Regel sogar keine gleiche Größe der beiden Brustwarzen bei einer Frau. Das bedeutet, die linke Brustwarze hat in der Regel eine andere Größe als die rechte. Man kann sich auch langsam an die richtige Größe herantasten und geht am Besten den Weg vom kleinen Hütchen hin zum größeren. Für die Bestimmung der richtigen Größe und Form bietet die Firma Mamivac sogar eine sogenannte Stillhütchenbox an, welche verschiedene Größen und Formen beinhaltet.

saughutechen

 

saughutechen

Die Entwöhnung vom Saughütchen

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Stillhütchen nur möglichst kurz zum Einsatz kommen sollen. Sie sind sozusagen nur ein Notfall-Hilfsmittel und sollen nicht dauerhaft eingesetzt werden. Meist gelingt es ganz gut, das Kind wieder von den Stillhütchen zu entwöhnen. Als ungefähres Zeitfenster wird hier die Dauer von 5 Wochen genannt.

Wie ist die Umsetzung in der Praxis? Welche „Tricks“ können angewandt werden? Zum Beispiel: versuche möglichst viel Hautkontakt zum Baby herzustellen und biete die Brust immer auf Mundhöhe des Kindes an. Wenn Du Dich dabei bewegst oder das Kind wiegen kannst, dann lenkst Du es ab und es ist nicht so in Unruhe, wenn das Stillhütchen fehlt. Leg Dich ins Bett und lege Dein Kind nackt (nur mit Windel) auf Deinen Bauch. Durch den Hautkontakt und die Nähe zur Mutter wird das Kind eventuell ganz alleine nach der Brustwarze suchen und startet das Saugen. Du solltest dabei auf keinen Fall den Kopf des Babys drücken oder führen. Alles geschieht von ganz alleine. Weiterhin kannst Du auch den schläfrigen Moment des Aufwachens beim Baby nutzen um die Brust ohne Stillhütchen anzubieten. Vielleicht merkt es das Kind nicht und fängt einfach an zu saugen. Bei allen Versuchen benötigst Du viel Geduld und die Ruhe, da es nicht immer beim ersten Mal klappen wird.

Brust Baby

Ebenso kannst Du versuchen das Stillhütchen während des Stillens einfach unbemerkt zu entfernen. Du nutzt dafür den Moment, wenn das Baby bereits einiges getrunken hat und eine „Stillpause“ einlegt. In diesem Moment entfernst Du unauffällig das Saughütchen und bietest dem Kind die gedehnte Brustwarze wieder an. In der Regel wird das Baby ohne Probleme einfach wieder andocken. Nutze das Fingerfeeding (die Fingerfütterung) um einen Saugreflex beim Baby auszulösen. Diesen nutzt Du dann um Deine Brust anzubieten und das Saugen an der Brust fortzusetzen. Wie bereits erwähnt, benötigst Du viel Geduld und übst Dich einfach in der Wiederholung. Du bietest Deinem Kind immer wieder die nackte Brustwarze an, bis es vielleicht einfach annimmt.

fuettern

Zusätzlich wird das Baby gelockt, indem der Milchspendereflex bereits von Dir ausgelöst worden ist. Dazu nimmst Du eine Milchpumpe oder streichst mit Deiner Hand Milch aus. Nutze den natürlichen Saugreflex bzw. das Bedürfnis des Saugens bei Deinem Kind aus. Es möchte unbedingt saugen und Du kannst dann einfach eben immer nur die nackte Brustwarze anbieten. Auch wenn es vielleicht am Anfang ablehnt wird es vielleicht irgendwann einsehen, dass es keine andere Wahl hat und die Brust dann so akzeptieren. Wie gesagt, Du benötigst viel Geduld und Optimismus und dann wird es gelingen.

Beobachte Dein Kind

Wenn Stillhütchen zum Einsatz kommen, dann liegen meist Stillprobleme vor. Genau deshalb kommen dann die Hilfsmittel zum Einsatz. Wie bereits geschrieben, kann dies aber zu einer geringeren Milchproduktion führen, die auch Einfluss auf die körperliche Entwicklung Deines Kindes haben kann aber nicht muss. Genau aus diesem Grunde erscheint eine regelmäßige Gewichtskontrolle wichtig und notwendig. Dies kann zusammen mit der Stillberaterin erfolgen oder wird sowieso beim Kinderarzt gemacht. Neben dem Gewicht sollen auch die Ausscheidungen des Kindes kontrolliert werden um den Verzehr von Muttermilch zu ermitteln.

Unser Fazit

Die Stillhütchen sollten nur im Notfall genutzt werden. Sie sind als Hilfsmittel zu verstehen, wenn Stillprobleme nicht anders gelöst werden können. Sowohl die Anwendung wie auch das Entwöhnen sind nicht ganz einfach und sollten bestenfalls von einer kompetenten Stillberaterin begleitet werden. Wir wünschen Dir viel Erfolg und eine schöne Stillzeit. Dein Stillgruppen.de!

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