Stillen trotz Brustabszess

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Stillen trotz Brustabszess

Fr., 03/12/2021 - 10:08
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Der Brustabszess ist die in wenigen Fällen, das Schlimmste Ergebnis eines Milchstaus bzw. einer Brustentzündung. Wenn diese nicht rechtzeitig behoben werden können, dann entwickelt sich dieser medizinische Notfall.

Dieser Notfall muss zwingend, direkt von einem Arzt oder eine Ärztin behandelt werden! Hier liest Du, wie Du die Symptome erkennst und trotzdem noch ein geeignetes Stillmanagement durchführen kannst, damit die Stillbeziehung erhalten bleibt.

Was genau ist ein Abszess?

Wenn ein Milchstau oder eine Brustentzündung nicht gut oder rechtzeitig behandelt werden, dann kann sich auch ein schmerzhafter Abszess bilden. Es ist eine sehr schmerzempfindliche Kapsel, die mit Eiter gefüllt ist. Experten rechnen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Brustabszesses in Folge von Brustentzündungen bei ungefähr zwei bis zehn Prozent. Wird eine Mastitis rechtzeitig erkannt und vielleicht direkt mit einem Antibiotikum behandelt, dann sink die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Abszess natürlich deutlich!

Erkennen kann man den Abszess an einer geschwollenen und verfärbten Haut mit Rötung über diesem schmerzenden Knoten bzw. der Eiterkapsel. Der Abszess kann an einigen Stellen vorkommen, findet sich aber meist rund um die Brustwarze oder sogar in der Brust. Auch kann er in Deinem Brustgewebe verteilt sein. Besonders zu Beginn der Stillzeit, findet man diese Abszesse meist im Brustbereich.

Ein weiteres Anzeichen bzw. Erkennungsmerkmal ist ein dauerhaftes Fieber bei der Mutter, auch nach Gabe von Antibiotika. Das Fieber ist aber keine grundsätzliche Erscheinung bei diesem Brustabszess.

Bekannte Auslöser

Ausgelöst wird dieser Brustabszess meist von einer Bakterien Infektion durch den Staphylococcus aureus . In den anderen, wenigen Fällen, sind Bakterienstämme, wie zum Beispiel der Pseudomonas aeruginosa verantwortlich. Bei dem Staphylococcus aureus handelt es sich um einen sogenannten MRSA-Stamm, welcher resistent gegenüber den üblichen Antibiotika ist. Der Arzt oder die Ärztin müssen dies im Rahmen der Diagnose feststellen und entsprechend bei der Behandlung berücksichtigen.

Ganz wichtig bei dieser Erkrankung ist die direkte Behandlung durch Deinen Arzt oder Deine Ärztin. Sowohl die Diagnostik, wie auch die Behandlung sind hier zwingend zu verantworten, da es sich nicht mehr um ein Stillproblem handelt, sondern um eine ernste Erkrankung! Oft wird auch die zuständige Frauenklinik eingeschaltet.

Der Ablauf der Diagnose

Für die Diagnostik nutzen die Ärzte meist ein Ultraschallgerät, welches das Abszess in der Brust lokalisiert. Ist dies geschehen, so versucht man Eiter aus der Fundstelle zu entnehmen, um festzustellen, dass es sich auch wirklich um einen Brustabszess handelt und nicht um einen Knoten aus einem anderen Grund!

Ebenfalls wird grundsätzlich immer eine Bakterienkultur angelegt um die Bakterien eindeutig identifizieren zu können. Nur dann kann das richtige Antibiotikum gewählt und angewandt werden.

Die Behandlung

Für die Behandlung kann sowohl ein ambulanter, wie auch stationärer Ablauf gewählt werden. Es erfolgt ein chirurgischer Eingriff, welcher dazu genutzt wird, eine Drainage (unter Vollnarkose und mit Hilfe von einem Skalpell) zu setzen und den Abszess dann zu entleeren. Auch kann dies durch eine Punktion erfolgen, welche nur mit einer lokalen Betäubung auskommt. Diese Behandlung erfolgt meist in mehreren Sitzungen und wird von der Gabe von einem Antibiotikum begleitet.

Du solltest den Behandler bzw. die Behandlerin darum bitten, den Brustwarzenhof und die Nerven und auch die Milchgänge bei diesem Eingriff zu verschonen, damit ein normales Stillen ohne Probleme möglich ist bzw. bleibt. Dieses Gewebe ist für das Stillen besonders wichtig und nicht jeder Arzt denkt immer daran! Manchmal kommt aus dem Schnitt sogar noch etwas Muttermilch, was aber nicht weiter schlimm ist. Die Muttermilch hilft durch ihre Inhaltsstoffe vielleicht sogar noch bei der Reinigung und der Heilung der Wunde!

Bloß nicht Abstillen!

Sicherlich ist der Brustabszess eine sehr schmerzhafte Erfahrung für die stillende Mutter. Neben der neuen Lebenssituation kommt nun noch der Schmerz und die Sorge dazu. Ganz besonders natürlich bei dieser längeren Behandlung und dem Eingriff. Trotzdem muss man nicht Abstillen!

Es ist sogar auf jeden Fall besser zu stillen, da ein regelmäßiges Entleeren der Brust die Heilung sogar fördert! Würdest Du jetzt wegen der Schmerzen oder wegen eines anderen Grundes einfach direkt abstillen, dann würde alles nur noch schlimmer werden! Denn es käme zu einem Stau der Muttermilch in den Brustdrüsen!

Dein Kind hat keine negativen Auswirkungen zu befürchten, wenn sogenannte stillfreundliche Medikamente eingesetzt werden! Die Pharma Industrie hat hier eine große Anzahl an Antibiotika entwickelt, die auch während der Stillzeit eingesetzt werden können. Einzig der Kinderarzt sollte Deinen Säugling in Hinblick auf eine Staphylokokken oder Streptokokken Infektion beobachten. Falls Dein Kind sich ebenfalls infiziert hat, so wird es auch mit einem Antibiotikum behandelt.

Gegen die Schmerzen kann man die Schmerzmittel Paracetamol oder Iboprofen nehmen, welche beide als stillfreundlich gelten. Ist der Abszess erfolgreich behandelt worden, so stehen Dir noch Monate bzw. vielleicht sogar Jahre einer schönen Stillzeit bevor!

Äußere Einflüsse

Unsinnigerweise versucht das Umfeld der Mutter (Bekannte und Verwandte, aber auch manchmal sogar der Arzt), sie zum Abstillen zu animieren. Der Arzt verschreibt sogar manchmal direkt Abstilltabletten, weil sie angeblich als wichtiger Bestandteil des Behandlungsplanes gelten. Leider gibt es zu dieser Behandlungsweise keine wirklichen wissenschaftlichen Belege und die Ärzte agieren einfach so, weil es „immer schon so gemacht wurde“.

Dieser ganze Akt basiert also eher auf eine subjektive Meinung oder eine Tradition. Dabei empfiehlt die Medizin heute ausdrücklich das weitere Stillen des Säuglings! Ebenfalls wird auch die psychische Auswirkung auf die Mutter und das Kind unterschätzt, welche durch das Abstillen ausgelöst wird. Dabei sind die Vorteile des Stillens deutlich überwiegend!

Oft wird auch behauptet, dass Frauen mit einem Brustabszess, immer wieder solch einen Abszess bekommen würden, weil es einfach in den Genen so hinterlegt sei. Dies ist natürlich völliger Quatsch!

Zeitpunkte einer Brustentzündung oder eines Abszesses

Grundsätzlich kann man sagen, dass eine Mastitis (Brustentzündung), ein Milchstau oder ein Brustabszess meist in den ersten Monaten der Stillzeit vorkommen. Die Mutter bildet dann erstmals sehr viel Milch und dies kann dann auch einmal zu einem kleinen Problem führen. Die ersten Monate dienen dazu, die Muttermilchproduktion an die Nachfrage des Kindes anzupassen.

Dies macht die Natur ganz automatisch, ohne das Du etwas bedenken musst. Du musst nur schauen, dass die Brüste gut geleert sind. Wenn dann mit der Zeit auch kein Überschuss an Muttermilch mehr produziert wird, sich die Produktion also anhand der Nachfrage eingependelt hat, dann sinkt auch das Risiko einer Brustentzündung oder eines Abszesses. Ebenfalls ist eine wunde Brustwarze oft ein Grund für eine Infektion. Die wunden Brustwarzen kommen auch meist nur am Anfang in den ersten Monaten vor.

Stillen trotz Behandlung

Du kannst Dein Baby immer weiter stillen, auch wenn Du mitten in einer Behandlung bezüglich eines Abszesses bist. Selbst wenn der Arzt Dir eine Drainage gelegt hat. Lediglich, wenn der Abszess direkt an der Brustwarze ist, dann sollte das Stillen neu überdacht werden. Es kann auch sein, dass Dein Baby die Muttermilch sogar ablehnt, weil es ihm zu salzig schmeckt. Dies kommt durch die Infektion.

Sollte dies der Fall sein, so muss die entsprechende Brust trotzdem regelmäßig von Dir geleert werden! Entweder mit einer Milchpumpe oder per Hand. Die Brust, welche nicht betroffen ist, kannst Du ganz normal weiter zum stillen anbieten.

Falls es zum Abstillen gekommen ist und Ihr aber wieder stillen wollt, dann ist dies möglich! Biete Deinem Baby einfach immer wieder Deine Brust an und versuche die Milchbildung durch zusätzliches abpumpen mit einer Milchpumpe wieder in Gang zu setzen. Versuche dies immer wieder in einigen Abständen über den Tag gelegt und immer wieder in kleinen und kurzen Abpumpversuchen. Falls am Anfang vielleicht keine oder kaum Milch gewonnen wird, dann ist dies nicht schlimm.

Die Muttermilchproduktion muss ja erst wieder gestartet werden. Das Ganze nennt sich dann Relaktation und kann auch noch nach Wochen nach dem Abstillen erfolgen! Bei diesem Prozess solltest Du Dich auf jeden Fall von einer Stillberaterin oder einer Laktationsberaterin unterstützen lassen. Viel Erfolg!

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