Wann Stillen ausgeschlossen oder schwierig ist

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Wann Stillen ausgeschlossen oder schwierig ist

Sa., 04/25/2020 - 12:15
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Grundsätzlich kann man sagen, dass mehr als 95 Prozent aller Frauen ihre Kinder stillen können. Warum es trotzdem viel weniger tun, liegt besonders an der Industrie und dem Handel, welche natürlich Säuglingsnahrung und das Zubehör verkaufen wollen.

Die Säuglingsnahrungsindustrie und deren verbundene Interessengruppen sind sehr einflussreich und sind in der Lage die Politik und auch die mediale Aufklärung zu beeinflussen. So werden junge Frauen und Mütter dazu erzogen und angeleitet, möglichst schnell und einfach wieder in das Berufsleben einzusteigen oder weiterhin auch als Mutter „frei zu sein“. In der Werbung wird dies natürlich mit „schnell und einfach“ Säuglingsnahrung beworben. Positive Vorbilder, die sich für das Stillen einsetzen findet man eher selten. Wenige (wie zum Beispiel Selma Hayek) machen aktiv positive Werbung für das Stillen. Dies liegt auch sicherlich daran, dass man am Stillen „nichts verdienen kann“.

Situationen die das Stillen verhindern

Es können also eigentlich fast alle Frauen stillen, sofern keine schwierigen Erkrankungen oder Verletzungen vorliegen. Daneben gibt es natürlich noch die Situation einer „psychischen Blockade“, die Stillprobleme auslösen kann. Ausgelöst wird solch eine Situation durch eine unruhige und unprofessionelle Situation in der Geburtsklinik oder durch familiären Rahmenbedingungen zu Hause. Dieses Problem kann natürlich dann durch eine professionelle Stillberatung schnell wieder gelöst werden. Liegt das Stillproblem an einer Erkrankung des Kindes, so kann auch dies von einer Stillberaterin oder einer Laktationsberaterin gelöst werden. Das notwendige Fachpersonal dazu findest Du hier auf Stillgruppen.de!

psychische blockade

Wenn die Muttermilch gesundheitsschädigend ist

Leider kann es in wenigen Fällen aber auch einmal vorkommen, dass die Mutter erkrankt ist und die Muttermilch deshalb ungeeignet ist. Sie enthält dann sogar giftige Substanzen kann die Gesundheit des Kindes gefährden. Weiterhin kann es aber auch Stoffwechselstörungen (angeboren) beim Kind geben, die ein ausschließliches Stillen leider auch unmöglich machen.

Ausschlussgründe bei der Mutter

Es kann Situationen geben, bei denen ein Stillen durch die Mutter nicht angezeigt oder möglich ist. Wir wollen hier kurz auflisten, wann dies genau der Fall ist:

  • die Milchbildung wird verhindert, wenn Plazenta Reste in der Gebärmutter verblieben sind. Hier hilft nur eine schnelle medizinische Entfernung der Reste um die Milchbildung wieder zu ermöglichen
  • Bei der Mutter liegt eine Anämie (also eine Blutarmut vor). Wenn diese erfolgreich behandelt worden ist, dann ist ein normales Stillen wieder möglich.
  • Bei der Geburt ist es zu einem hohen Blutverlust gekommen, welcher sich jetzt in vorm einer Blutarmut äußert (siehe vorheriger Punkt)
  • Sofern sich die Mutter nicht ausreichend und nährstoffreich ernährt, also eine deutliche Unterernährung vorliegt.
  • Eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Schilddrüsenüberfunktion können auch eine Störung der Milchbildung verursachen. In beiden Fällen kann es zu einer unzureichenden Milchbildung kommen. Diese Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann auch erst nach der Entbindung zum ersten Mal auftreten und sollte eigentlich im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung der Mutter entdeckt werden.
  • Die Funktion einer Brust ist aufgrund von Brustkrebs stark eingeschränkt bzw. steht gar nicht mehr zur Verfügung.
  • Es liegt eine Verletzung einer Brust vor. Diese steht für das Stillen dann nicht zur Verfügung. Die Mutter nutzt in der Zeit die andere Brust.
  • Zustand nach einer Brustverkleinerung oder einer Brustvergrößerung
  • Es liegen Anomalien an der Brust vor (Fehlbildungen wie zum Beispiel hypoplastische Brüste)
  • Das PCO Syndrom (polyzystische Ovarsyndrom)
  • Es liegt eine Hyperandrogenämie vor
  • Die Mutter leidet an einer Hypophysenvorderlappen Insuffizienz (dem sogenannten Sheehan Syndrom
  • Es liegt eine Diabetes Erkrankung vor, welche leider nicht richtig eingestellt ist
  • Es müssen bestimmte Arzneimittel eingenommen werden, die mit dem Stillen nicht vereinbar sind (aufgrund der Inhaltsstoffe)
  • Es wurde eine Schilddrüsenerkrankung festgestellt, welche mit radioaktivem Jod behandelt werden soll bzw. festgestellt wird. Zu Beginn der Radio-Jod-Therapie soll deshalb abgestillt werden.
  • Eine Alkoholsucht der Mutter liegt vor
  • Eine Drogenabhängigkeit der Mutter liegt vor
  • Die Mutter ist medikamentenabhängig
  • Die Mutter ist starke Raucherin
  • Die Mutter hat eine HIV, Ebola oder eine HTLV Infektion
  • Es liegt eine Herpes Infektion an der Brust vor
  • Während der Chemotherapie bei einer Krebserkrankung

Alkoholsucht bei der Mutter

Bei einer nicht ausreichenden Milchbildung

Wenn Situationen vorliegen, die zu einer geringen Milchbildung führen, so kann eine Mutter auch mithilfe von Ernährungssonden oder Brusternährungssets Milch zufüttern. Bei der Nutzung eines Brusternährungssets wird beim Stillen zusätzlich (bereits vorher abgepumpte oder ausgestrichene Muttermilch) mit einem Schlauch verfüttert. So ist das Kind zufrieden und die Muttermilchproduktion wird durch das Stillen weiter angeregt.

Wird das Stillen mit dem zusätzlichen Einsatz von einem Brusternährungsset oder einer Ernährungssonde notwendig, so solltest Du auf jeden Fall eine Stillberaterin oder eine Laktationsberaterin IBCLC mit einschalten.

Stillen

Erkrankungen oder Probleme beim Kind

Es gibt auch Situationen, bei denen eine Erkrankung des Kindes das Stillen (meist nur vorübergehend) unmöglich macht. Welche Situationen können dies sein (viele sind heilbar):

  • Die Frühgeburt und die damit verbundene Schwäche des Kindes
  • Die Brustverweigerung durch das Kind
  • Eine Saugschwäche liegt vor
  • Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte beim Kind
  • Neurologische Beeinträchtigungen beim Kind
  • Die Pierre Robin Sequenz
  • Eine Choanalatresie liegt vor
  • Das sogenannte Chylothorax Syndrom
  • Die Stoffwechselerkrankung Galaktosämie
  • Die Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie

In allen komplizierten und schwierigen Fällen, solltest Du Dich auf jeden Fall an Fachpersonal wenden. Erfahrene Stillberaterinnen oder examinierte Still- und Laktationsberaterinnen helfen Dir gerne weiter.

Dein Baby

Unser Fazit

Leider gibt es auch verschiedene Situationen und Konstellationen, die ein Stillen unmöglich machen. Handelt es sich dabei aber um selbstverschuldete Situationen (Drogenkonsum, Alkoholsucht etc.), so liegt es nur an Dir, ob Du Deinem Kind eine schöne und gesunde Stillzeit ermöglichen möchtest oder nicht. Wir wünschen Dir viel Kraft für eine gute Entscheidung. Dein Stillgruppen.de!

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