Was sind Regulationsstörungen?

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Was sind Regulationsstörungen?

Sa., 02/15/2020 - 19:44
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Nicht immer helfen die beliebten und bekannten Wiegenlieder, wenn sich ein Baby gar nicht mehr beruhigen lässt. Sicherlich gibt es viele Ratschläge aus der Verwandschaft, von der besten Freundin oder aus der Frauenzeitschrift. Aber nicht immer helfen die Tipps. Weder das Schreien lassen, noch das Füttern oder der Schnuller: alles vergebens!

Was macht die junge Mutter, wenn alles nicht genützt hat und die geduldigsten Beruhigungsversuche nichts gebracht haben? Auch das Stillen wird immer schwieriger und bringt nicht die längere Ruhe, die die Mutter sich so sehr wünscht?!

Habe ich ein Schreibaby?

Vielleicht denkst Du nun: „Habe ich ein Schreibaby?!“ Was ist ein Schreibaby? Fachleute bezeichnen das übermäßige Schreien oder Weinen, beim Einschlafen oder beim Stillen als eine sogenannte Regulationsstörung. Diese äußert sich eben durch besonders häufiges Schreien und Weinen, durch häufiges Aufwachen (also eine vermeintliche Schlafstörung) und durch Probleme und Unruhe beim Füttern bzw. Stillen.

Du bist mit diesem Problem eventuell nicht alleine, denn laut Auswertungen liegen diese Regulationsstörungen bereits bei jedem fünften Kind vor.

Die Schlafstörung

Gerade die kleinen Babys wachen in den ersten Wochen noch sehr oft in der Nacht auf, um sich der Sicherheit und Geborgenheit zu versichern.

Sind die Eltern noch da und hat das Kind dies registriert, so schläft es direkt wieder ein. Dies kann durchaus ca. 12 Mal im Schlaf passieren. Diese Aufwachphasen sind ganz normal. Auch die notwendige Nähe der Mutter beim Einschlafen des Säuglings ist ganz normal. Wie lange dauert es, bis das Kind eingeschlafen ist? Nun, dies kann durchaus bis zu 30 Minuten dauern und ist auch als ganz normal zu bewerten.

Wenn das Baby in der Nacht oft wach wird und nicht direkt wieder, nach kurzer Zeit, in den Schlaf findet, so wird dies als eine Schlafstörung angesehen. Das Baby kann dann bis zu 20 Minuten wach liegen und weinen oder schreien. Dieser Zustand ist dann sehr lange und kann nicht durch ein Stillen beruhigt und beendet werden. In diesem Falle spricht man dann von einer Schlafstörung.

Schreien ohne Ende

Natürlich ist es ganz normal, dass ein Baby auch einmal weint oder zu schreien anfängt. Durch dieses Ausdrücken, erreicht das Baby die Versorgung und das Kümmern durch seine Eltern. Es wird getröstet, bekommt vielleicht die Brust gereicht oder erhält eine andere Art von Aufmerksamkeit.

Wenn der Säugling jedoch dauerhaft und ohne besonders erkennbaren Grund schreit, dann wird dies nicht mehr als normal bewertet. In vielen Fällen sprechen die Experten dann auch von den „Drei Monats Koliken“. Bei diesen angeblichen "Kolikenschreien", haben aber vermutlich nur die wenigsten Kinder überhaupt eine Störung des Magen- bzw. Darm Traktes. Wohl kann man bei diesem „Kolikenschreien“ bei den Säuglingen oft die gleichen Körperaktivitäten erkennen: eine Verschrenkung der Beine, die Überstreckung von Rumpf oder Kopf und ein anscheinend aufgeblähter Bauch und eine besonders rote Hautfarbe.

weinen

Wie beruhigt man das Baby?

Wie kann man diese extreme Situation entschärfen? Für kurze Ablenkung sorgen vielleicht ein Singen, ein Autofahren oder ein gemütliches Schaukeln. Diese Ruhe hält aber meistens nicht sehr lange und schon bald kommt es wieder zu einem Weinen und Schreien. Warum reagieren diese Säuglinge so besonders auffällig? Experten vermuten, dass diese Kinder besonders schnell und aufmerksam auf jede auch nur so kleine Sinnesreizung reagieren. Sie können sich nicht erholen, weil sie auf jede Reizung aus der Umwelt direkt stark reagieren.

Werden die Säuglinge mit neuen Eindrücken abgelenkt, so funktioniert diese Ablenkung meist nur kurz und die darauf folgende Reaktion auf die Sinnesreizung ist noch umso stärker. Es wird wieder weinen, noch stärker und intensiver als vorher und ist durch kaum etwas zu beruhigen. Versuche hier vielleicht eher die Eindrücke, die auf das Baby einwirken, zu reduzieren, in dem Du den Raum abdunkelst und ganz vorsichtigt ein Stillen versuchst.

Die meisten Mütter sind von diesem „Kampf“ natürlich selbst so erschöpft und angespannt, sodass auch die Mutter sehr gereizt reagieren kann. Versuche hier jedoch immer ruhig zu bleiben und das Kind nicht mit neuen Reizen und auch Deiner eigenen Unruhe wieder zu erregen. Es wird dann vermutlich durch seine eigene Erschöpfung einschlafen und Du kannst diese kurze Phase auch zum Schlaf nutzen.

Wann liegt eine Schlafstörung vor?

Wann spricht man von einer richtigen Schrei- oder Schlafstörung? Experten haben sich auf die sogenannte Dreierregel geeinigt: wenn der Säugling mehr als 3x pro Woche sehr intensiv und ununterbrochen länger als 3 Stunden schreit und diese ganze Phase länger als 3 Wochen andauert, dann spricht man von einer Störung. Alles was unterhalb dieser Grenze liegt, wird als anstrengendes aber sehr wohl noch ganz normales Unruhe- und Weinverhalten bezeichnet. Ganz wichtig ist aber auch die Situation der Mutter und er ganzen Familie. Ist der Zustand für Euch bereits sehr anstrengend und Ihr haltet es nicht mehr länger aus, dann könnt Ihr Euch natürlich auch direkt Hilfe bei einer Hebamme oder eine speziellen Schlafberatung für Kleinkinder holen! Ihr müsst nicht erst drei Wochen warten.

schreibaby

Die Still- und Fütterstörung

Gestillt wird immer dann, wenn der Säugling seinen Wunsch dazu äußert. Du solltest diesem Wunsch immer nachkommen, da Du Deinem Baby so auch Sicherheit, Geborgenheit und Nähe signalisierst. In machen Situationen können jedoch Stillprobleme entstehen, deren Gründe vielseitig sind. Was genau ist nun eine Fütterstörung? Man spricht von dieser, wenn die Babys nicht altersgerecht zunehmen, sie die Stillmahlzeiten häufig und schnell abbrechen um dann wieder kurzfristig neu nach der Brust zu verlangen, trotz einer ausreichenden Stillmahlzeit schnell wieder nach der Brust verlangen oder die Muttermilch schnell wieder ausbrechen. Grundsätzlich alle Verhaltensweisen, die ein Problem bei der Nahrungsaufnahme erkennen lassen und das Wachstum des Kindes deshalb vielleicht nicht altersgerecht erscheint.

Stellst Du dieses Verhalten bei Deinem Säugling über einen längeren Zeitraum von ca. 4 Wochen fest, so solltest Du Dir auf jeden Fall Beratung und Unterstützung durch eine Stillberaterin oder einer Still- und Laktationsberaterin IBCLC einholen.

Wie kann das Problem gelöst werden?

Alle diese Regulationstörungen haben nicht nur einen, sondern meist mehrere Entstehungsgründe bzw. Auslöser. Zum einen entscheidet sicherlich das direkte Umfeld des Säuglings über seine innere Ruhe. Ist sein Umfeld ruhig und eher dezent beleuchtet oder laut und grell? Läuft überall ein Radio oder Fernseher? Gibt es andere Kinder im Haushalt, welche den Säugling vielleicht erschrecken?

Wie ist die Atmosphäre zwischen den Eltern? Ist Ruhe und Liebe in der Partnerschaft oder herrscht Stress und Unzufriedenheit? Du solltest Dir ganz klar darüber sein, dass Dein Baby alle dieses „Schwingungen“ aufnimmt und dadurch berührt wird. Frage Dich also selbst, ob Deine Wohnung und Du selbst eine positive und ruhige Ausstrahlung hat oder eher das Gegenteil der Fall ist.

Neue und vielleicht auch extreme Eindrücke, werden den Säugling nur kurz ablenken und dann wird er wieder unruhig werden und schreien.

Du kannst die Weinphasen, die ganz normal sein können, also beeinflussen, indem Du Deinem Baby mit Ruhe und Liebe entgegen trittst. Das Weinen ist eine Ausdrucksform Deines Babys, da es ja noch nicht sprechen kann. Versuche Dein Kind durch die gemeinsame Nähe und das gemeinsame Einschlafen zu beruhigen. Auch wenn es schwer fällt, so ist dies die sinnvolle Lösung für diese Probleme.

Die Stillbeziehung

Eine immer stärker werdende Stillbeziehung kann hier schon sehr viel erreichen oder sogar die Lösung sein. Immer dann wenn Dein Baby unruhig wird und Angst bekommt, dann solltest Du ihm Deine Brust anbieten und für ihn da sein. Einen ausführlichen Artikel zu dem Thema „in der Nacht Stillen“ findest Du ebenfalls hier auf Stillgruppen.de! Schaffe für die Nacht eine sichere und angenehme Schlafumgebung, in der das Baby direkt neben Dir schläft. Dein Baby kann dich so riechen und vielleicht sogar Deinen Herzschlag hören, wenn es auf Deiner Brust einschlafen kann.

baby schlafen

Die Schreiambulanzen

Wie bereits weiter oben erwähnt, schadet es aber überhaupt nicht, sich zusätzliche Hilfe bei dieser schwierigen Situation zu holen. So bieten spezielle Psychotherapeutinnen professionelle Hilfe im Rahmen einer Schlafberatung an. Ebenfalls gibt es natürlich Rat und Tipps in einer Stillgruppe oder bei einer Still- und Laktationsberaterin IBCLC.

Gedeihstörungen und Stillen

Wenn das Kind besonders unruhig ist und auch Fütterstörungen vorliegen, so kommt es häufig zu der Sorge der Mutter, dass ihr Kind nicht ausreichend versorgt ist. In der Hektik und der Angst, kommt es vielleicht viel zu schnell zu einem viel zu frühen Zufüttern (Beikost) oder sogar dem Abstillen. Immer stellt sich die Mutter die Frage, ob die alleinige Gabe der Muttermilch wirklich ausreichend ist.

Lass Dich hier nicht von Deiner Sorge leiten und führe eine unüberlegte Schnellreaktion durch. Das Stillen ist enorm wichtig und für das gesunde Wachstum Deines Kindes vollkommen ausreichend! Nicht nur bekommt das Kind so alle wichtigen Nährstoffe, es erhält durch das Stillen auch Liebe und das Gefühl und die Sicherheit in einer geborgenen Umgebung, nah bei der Mutter, zu sein. Eigentlich ist das Stillen der wichtigste Versuch, eine Regulationsstörung zu entschärfen. Hole Dir aber auch jeden Fall Hilfe dazu. Das Fachpersonal in Deiner Nähe findest Du hier kostenlos auf Stillgruppen.de! Wir wünschen Dir viel Kraft und Erfolg!

Baby Stillen

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