Wenn keine Milch mehr fließt: Der Milchspendereflex funktioniert nicht mehr

Time to read
4 minutes
Read so far

Wenn keine Milch mehr fließt: Der Milchspendereflex funktioniert nicht mehr

So., 02/16/2020 - 16:22
Posted in:
0 comments

Alles läuft bisher wunderbar in der Stillbeziehung und ganz aus heiterem Himmel kommt plötzlich keine Milch mehr! Was ist passiert? Selbst beim Abpumpen fließt kaum noch Muttermilch aus der Brust und die Mutter ist verzweifelt. Was ist genau passiert, wenn der Milchspendereflex nicht mehr stattfindet?

Wie der Milchspendereflex funktioniert

Wenn Dein Kind an Deiner Brust saugt oder sie berührt, so werden Nervenimpulse an Dein Gehirn geschickt. Es werden sogenannte „Mechanorezeptoren“ an den Hypothalamus geschickt. In der Hirnanhangdrüse (Speicherplatz für Oxytocin) kommt es dann zu einer Stimmulation durch den Hypothalamus und das Oxytocin wird in Deinen Blutkreislauf bzw. Deine Blutbahn ausgeschütet. Das Oxytocin macht sich nun auf den Weg in die Milchdrüse und löst dort den Milchspendereflex aus. Die Muttermilch wird in der Brust in den sogenannten Milchbläschen produziert. Durch das zusammendrücken von Muskelzellen in der Brust, werden diese Milchbläschen sanft zusammengedrückt und die Muttermilch gelangt so in die Milchgänge, welche sie dann hin zur Brustwarze führen. Über die Poren der Brustwarze kann Dein Kind die Muttermilch dann trinken und gleichzeitig auch wieder die Produktion anregen. Es ist somit ein Kreislauf, welcher immer wieder eine neue Produktion von Muttermilch auslöst.

Stillen

Wie entsteht eine Störung des Milchspendereflexes?

Einer der wichtigsten Auslöser bzw. Störfaktor der Milchproduktion ist der seelische Stress. Dabei wird nämlich unter anderem Adrenalin ausgeschüttet, welches die Ausschüttung von Oxytocin verhindert und somit den Kreislauf des Milchspendereflexes unterbricht bzw. blockiert. Das Adrenalin ist der häufigste Faktor, warum die Milchbildung blockiert ist. Adrenalin wird unter anderem ausgeschüttet, wenn die Mutter großen seelischen und psychischen Druck erleidet. Dieser kann ausgelöst werden durch: Angst, Schock oder großes Leid. Beispiele für diese Situationen sind: Naturkatastrophen, schreckliche Unfälle, dramatische Todesfälle, Stress und Sorgen durch Zeitdruck oder eine Überbelastung.

Dieser Stress und die Angst kann sogar selbst verursacht sein, wenn man sich immer nur selbst unter Druck setzt und Sorgen macht und immer vom schlimmsten ausgeht. Denke immer positiv und nie in Problemen! Diese Reaktion des Körpers hat sogar einen ganz logischen Sinn, da Adrenalin in der Regel immer nur bei Gefahr und Flucht ausgelöst wird und alle anderen Körperfunktionen automatisch abgeschaltet oder stark heruntergefahren werden. Es ist also eigentlich eine ganz natürlich Schutzreaktion des Körpers.

Angst und Stress sind wohl vordergründig nicht immer im Zusammenhang mit einer Flucht zu sehen, bringen den Körper aber in Alarmbereitschaft. Alleine die Sorge, dass etwas in der Stillbeziehung nicht klappen könnte oder das Kind nicht satt werden könnte, kann die Milchproduktion schon negativ beeinflussen. Warum überhaupt immer vom Schlimmsten ausgehen? Die Wahrscheinlichkeit, das alles super verläuft, ist viel, viel höher! Also gehen wir doch immer davon aus und genau dieses Ergebnis wird sich dann auch einstellen!

Wenn die Mutter zufrieden und glücklich ist, dann wird der Körper den Milchspendereflex nie einstellen. Fühlt die Mutter sich aber nicht wohl, hat sie zum Beispiel Probleme durch Schmerzen, Drogen oder Kälte, so führt dies automatisch zu einer Reduktion der Milchproduktion. Der Körper gerät wieder in Alarmbereitschaft.

Gerade der Konsum von Drogen, wie eben Alkohol, führt zu Problemen des Milchspendereflexes. Es ist also zusammenfassend festzustellen, dass die Mutter sich unbedingt selbst auch wohl fühlen muss, um genug Muttermilch für das Kleinkind freizugeben. Hat die Mutter noch Schmerzen von der Geburt (Kaiserschnitt, Dammschnitt etc.), so ist der ordentliche Milchspendereflex gefährdet. Schon wunde Brustwarzen können den Milchspendereflex deutlich hemmen und sollten deshalb unbedingt schnellstens behandelt werden. Nimm deshalb direkt Kontakt zu einer Stillberaterin auf! Du findest hier auf Stillgruppen.de sehr viel Fachpersonal (Hebammen, Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC), welche Dir direkt weiterhelfen können. Warte nicht, reagiere direkt!

Alkohol

Ungewollte Reduzierung der Milchproduktion

Wenn die Milch nun durch Sorgen, Ängste oder Schmerzen nicht wie üblich konsumiert wird, so wird die Milchproduktion automatisch gedrosselt. Angebot und Nachfrage gilt auch hier! Wie bereits oben erwähnt, wirkt sich die Psyche unmittelbar auf die Milchproduktion und den Milchspendereflex aus und somit darfst Du Dir auf gar keinen Fall jeden Tag Sorgen machen, ob das denn alles so klappen wird! Wenn Du Dir gar keine Sorgen und Gedanken machst, so ist dies eigentlich die beste Voraussetzung dafür, dass die Milch in großen Mengen produziert wird. Du kannst Dich eigentlich nur selbst blockieren!

Beruhige Dein Baby

Wenn das Baby etwas unruhig wird, weil nicht genug Milch fließt, so musst Du es auf andere Weise beruhigen. Schmuse mit ihm oder trage es in Deiner Wohnung umher. Alternativ kannst Du Dir auch eine Reserve an Muttermilch aufbauen, die Du dann verfüttern kannst. Diese wird eingefroren.

Du kannst die Muttermilch dann vorsichtig und nicht übermäßig (wir wollen ja keine Saugverwirrung auslösen) zum Beispiel mit einem kleine Löffel füttern oder mittels eines Finger-Feeder (weitere Informationen findest Du im Bericht „Abpumpen und füttern von gepumpter Muttermilch“).

Baby beruhigen

Deine persönliche Situation entscheidet

Wie du also bereits erkannt hast, bestimmt Deine persönliches Wohlbefinden über den Stillerfolg. Geht es Dir also körperlich und auch seelisch sehr gut, so klappt das Stillen bestimmt! Die Lebenssituation entscheidet also oft darüber, ob Frauen diese Probleme bei der Milchproduktion erleben oder nicht.

Glück

Die Lösungsvorschläge

Was macht man also, wenn die Milchproduktion gestört ist? Zum einen ist es natürlich ganz wichtig, dass Du persönlich davon überzeugt bist, dass bald alles wieder wunderbar klappt. Dies kannst Du Dir zum Beispiel wünschen oder in Selbstgesprächen immer wieder bestätigen. Denn die Kraft des Geistes ist unheimlich stark und wichtig! Bringe Dich unbedingt auf positive Gedanke und versuche Dich (durch schöne Musik, einen schönen Film, ein schönes Parfüm) glücklich zu machen!

Denke nie an die Dinge, die Du nicht haben willst, sondern nur an das Schöne, was Du erleben willst! Sorge für Ruhe und vermeide Stress und Druck. Sorge für Entspannung und schöne Wärme (warme Füße oder warme Brustkompressen)! Höre Dir schöne Meditations- bzw. Entspannungsmusik an! Versuche Dich in Atem- und Entspannungsübungen. Tolle Videos dazu findet man auf Youtube!

 

Suche die Nähe zu Deinem Baby und sende ihm ganz viel Liebe! Schaffe Dir eine Milchreserve, die Du vorher abgepumpt hast. Wenn Du mit der Milchpumpe immer einen Milchmangel assoziierst, dann blende die Maschine aus Deinem Leben aus. Decke sie vielleicht sogar mit einem Tuch ab, damit Du sie nicht siehst und ständig daran denken musst. Denn merke Dir: das woran Du denkst, das wird stärker und tritt in Dein Leben! Verzichte auf Alkohol und natürlich auch andere Drogen während der Stillzeit und am Besten in Deinem Leben.

Deine Gedanken und Dein Wohlbefinden entscheiden!

Du hast sicherlich bereits erkannt, dass alleine Deine Gedanke und Dein persönliches Wohlbefinden über den Stillerfolg entscheiden. Du steuerst die Milchproduktion also unbewusst, aber beeinflusst sie durch Dein Sein und Dein Befinden. Versuche also beides immer im Positiven zu halten und alles wird gelingen! Wir wünschen Dir eine schöne Stillzeit! Dein Stillgruppen.de!

Mutter Glück

Weitere interessante Artikel:

Du hast zu wenig Milch?

Warum klappt das Stillen nicht?

Was tun bei Brustverweigerung?

Vorder- und Hintermilch beim Stillen

Unterschiedliche Brüste während der Stillzeit

Schwangere oder stillende Mütter mit Asthma

Stillmode bzw. Stillkleidung für Frauen

Auch im Sommer bietet die Muttermilch genügend Flüssigkeit fürs Baby

Nach einem Kaiserschnitt Stillen?