Muttermilch: Die Milchproduktion

 
Die häufigste Sorge, die sich eine stillende Mutter anfänglich macht, ist wohl: „Habe ich genug Milch, bin ich überhaupt in der Lage mein Kind zu ernähren?“

Da wir in unserer heutigen Zeit alles genau messen, auswiegen und aufschreiben wollen, ist es erst mal sehr schwierig, sich plötzlich ohne Messskala und Tabelle, die sonst an einer Babyflasche ist, zurecht zu finden.                           

Es braucht etwas Zeit und Geduld, bis man wieder lernt, sich genau auf die Signale seines Körpers zu verlassen und seinen Instinkten zu vertrauen.

Hören Sie genau hin auf das, was Ihnen Ihr eigener Körper sagt und auf das, was Ihnen Ihr Baby mitteilt.

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Woran merke ich, dass die Muttermilch anfängt zu fließen?

Damit das Baby überhaupt Milch aus der Brust trinken kann, muss der sogenannte Milchspendereflex (engl. „let down“-Reflex) ausgelöst werden. Durch das Saugen an der Brust, wird ein Stillhormon, das Oxytocin, vom Körper der Mutter produziert. Dieses bewirkt, dass sich die Milchdrüsen zusammen ziehen und die fettreiche Hintermilch an vorne durch die Milchgänge in die Milchseen und zum Baby gelangt.

Eine Mutter merkt an den folgenden Punkten, dass Ihr Milchspendereflex eingesetzt hat:

-         Es kribbelt oder zieht während des Stillens leicht in der Brust
-         Während das Baby an einer Seite trinkt, tropft aus der anderen Seite Milch
-         Man hört das Kind schlucken
-         Im Mundwinkel des Kindes sieht man etwas Muttermilch
-         Während des Stillens bekommt die Mutter Nachwehen
-         Während des Stillens bekommt die Mutter Durst


Woher weiß ich, ob die Milchmenge, die mein Baby trinkt, für seine Ernährung reicht?

Folgende Punkte helfen bei der Beurteilung:

-     Nasse Windeln zählen 6-8 gut nasse Mullwindeln oder 4-6 schwere Pampers pro Tag
-     Auf Stuhlgang achten: Gestillte Kinder sollten in den ersten 4 Wochen mindestens 1 mal in 24 h
 
       Stuhlgang haben. Später, zwischen der 4. und 8. Woche, kann es sein, dass das Kind nur einmal
      innerhalb von 10 Tagen Stuhlgang hat. Das ist ganz normal, solange es gut gedeiht und immer
      nasse Windeln hat.
-    Ist die Gewichtszunahme regelmäßig? Ein Baby nimmt in den ersten drei Lebensmonaten 150- 250 g
      pro Woche zu.
-    Babys Haut elastisch und rosig ist.
-    Seine Zunge und sein Mund feucht sind.
-    Es lebhaft und wach ist und Interesse an seiner Umwelt hat.

Bitte wiegen Sie Ihr Kind nicht vor und nach jeder Mahlzeit. Das beunruhigt und verunsichert Sie nur. Sie setzen sich dadurch einem zu großen Druck aus, was wiederum Ihrer Milchproduktion schaden könnte.

 
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Mit den oben genannten Anhaltspunkten ist es nicht mehr schwer abzuschätzen, ob ein vollgestilltes Kind genug Muttermilch bekommt. Ein Baby, dass nach seinen Bedürfnissen, ohne auf die Uhr zu schauen, gestillt wird, bekommt fast immer was es braucht.

Nach Bedarf stillen heißt, zu stillen, wann immer das Baby sich meldet oder wenn die Brust der Mutter sich unangenehm voll anfühlt (ca. 8-12 mal in 24 Std.) .

Manche Babys sind jedoch noch recht müde. Sie verschlafen einfach Ihre Mahlzeit. Sie bekommen dadurch zum einen zu wenig Nahrung und nehmen ab, zum anderen wird durch das seltene Anlegen die Milchproduktion geringer.

In diesem Fall sollte das Kind Tags nicht länger als 4 Stunden am Stück schlafen und auch nachts mindestens einmal zum stillen geweckt werden.

Nicht verwundern sollte es Sie, wenn im Laufe der Zeit Ihre Brüste weicher werden. Denn wenn sich die Milchbildung eingespielt hat, werden die Brüste natürlicherweise weicher.

Also: älteres Baby = weichere Brust.

Was tun, wenn die Milchmenge nun doch nicht reicht?

Die Milchmenge reguliert sich nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Das heißt: Je häufiger man stillt, desto mehr Milch hat man!

Deshalb:

-  Öfter Anlegen oder die Brust entleeren
-  Wechselstillen: mehrmals pro Mahlzeit die Brustseite wechseln, der Milchspendereflex
    wird dadurch mehrmals ausgelöst.
-  Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2-3 Liter pro Tag)
-  Ausreichende Ernährung mit viel Ballaststoffen und Vitamin C
-  Viel, viel Ruhe und Entspannung

Manche Medikamente (z.B.: „Die Pille“) oder das Rauchen, können die Milchproduktion verringern.

 
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Was tun, wenn zu viel Muttermilch da ist?

Folgende Tipps:

-  Nur an einer Seite pro Mahlzeit stillen, wenn das Baby kurz nach der Mahlzeit Hunger hat,
    noch einmal die gleiche Seite anbieten.
-  Nicht zusätzlich nachpumpen
-  Nach dem stillen die Brust kühlen
-  Täglich bis zu 4 Tassen Salbeitee trinken (wirkt entwässernd)
-  Stillen gegen die Schwerkraft: kann den Milchfluss verlangsamen.

Wenden Sie folgende Stillpositionen an:

-  Aufrechter Rückengriff (siehe Stillpositionen)
- „Hoppe-Reiter-Sitz“   (Baby sitzt aufrecht, Bauch an Bauch, auf Ihrem Oberschenkel)
-  „Australiagriff“ (Mutter liegt auf dem Rücken, das Baby liegt Bauch auf Bauch,
    auf Ihr. Die Mutter stützt ihre Ellenbogen auf dem Boden ab und hält das Köpfchen
    des Kindes an der Stirn mit der Handfläche.)

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Wachstumsschübe:

Manchmal kommt es vor, dass das Baby an normalen Tagen einfach unersättlich erscheint. Es braucht plötzlich mehr Nahrung als vorher und scheint unruhig und unzufrieden. Obwohl sich vielleicht schon ein bestimmter Stillrhythmus erkennen ließ, verlangt es nun wieder öfter nach der Brust. In diesen Tagen durchlebt Ihr Baby einen sogenannten Wachstumsschub.

In der Regel kommen die drei Wachstumsschübe:

-         Zwischen dem 7. und 12. Lebenstag
-         Nach etwa 6 Wochen
-         Nach 3 bis 4 Monaten

und halten ungefähr 1 bis 3 Tage an.

Durch das häufige Anlegen, signalisiert das Baby dem mütterlichen Körper, mehr Muttermilch zu bilden.

Bitte verzweifeln Sie jetzt nicht. Gönnen Sie sich in diesen Tagen zusätzliche Ruhe (deshalb: keinen Frühjahrsputz halten.) und Essen und Trinken Sie reichlich.

Bald werden Sie wieder ausreichend Milch haben, so dass Sie nach der anstrengenden Zeit der letzten Tage mit einem rundum zufriedenen, glücklichen, vollgestillten Baby belohnt werden.

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