Hodenhochstand bei der Geburt

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Hodenhochstand bei der Geburt

Mi., 04/22/2020 - 15:14
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Normalerweise befindet sich beide Hoden des Neugeborenen Jungen im sogenannten Hodensack. Ist dies nicht der Fall, so spricht man vom Hodenhochstand, was als eine Lageabweichung beschrieben wird und angeboren ist. Diese Situation bedarf auf jeden Fall einer ärztlichen Behandlung. Denn nur in ganz seltenen Fällen (nur bei rund sieben Prozent), positioniert sich der Hoden von ganz alleine wieder auf seine normale Stelle bzw. Lage in dem Hodensack.

Warum passiert es?

Ein Grund dafür ist bzw. sind mögliche Fehlbildungen auf dem sogenannten Wanderweg eines Hodens. In der Vielzahl der Fälle ist jedoch eine Störung im Hormonhaushalt des Jungens der Grund.

Denn es bedarf des Hormons HCG (humanes Choriongonadotropin), welches dafür sorgt, dass der Hoden sich im Bauchraum absenkt und dann langsam in Richtung des Hodensack gleitet. Liegt also ein Mangel an diesem Hormon HCG vor (in der Entwicklungsphase im Mutterleib) dann ist die Entwicklung des Babys gestört bzw wird dadurch verhindert. Auch das Fehlen des Geschlechtshormones Testosteron kann bei dem männlichen Kind zu einem Hodenhochstand führen. Gerade bei einer früh Geburt kommt dies mit einer höheren Wahrscheinlichkeit vor, da die Entwicklung eben noch nicht ganz abgeschlossen ist.

Diese Erkrankung bzw Fehlfunktion des Hodenhochstandes kommt alleine vor und auch in der Kombination mit anderen Krankheiten. Der Hodenhochstand kann eventuell sogar vererbt werden.

Welche Ausprägungen gibt es?

Eine Form ist der sogenannte Leistenhoden. Dabei liegt der Hoden im Leistenkanal, welcher die Verbindung mit dem Hodensack und dem Bauchraum darstellt. Man kann den Hoden in solch einer Situation nur ertasten, aber nicht in die korrekte Position in den Hodensack verschieben.

Weiterhin gibt es den sogenannten Bauchhoden, wobei der Hoden dann eben in der Bauchhöhle zu finden ist. Ertasten kann man den Hoden dort nur sehr schwer und deshalb wird zur Bestimmung der Lage vom Arzt auch eine Bauchspiegelung (Laparaskopie), eine Kernspintomographie oder ein Ultraschall eingesetzt. Die Bauchspiegelung wird oft auch für die Behandlung eines vorliegenden Hodenhochstands genutzt und wird deshalb bevorzugt angewendet.

Als weitere Ausprägungsform gibt es noch den Gleithoden. Bei dieser Anomalie ist der Samenstrang zu kurz. Der Hoden hängt an diesem Samenstrang. Der Hoden ist beim Hodensack im oberen Bereich zu finden und wird wiederholende in den sogenannten Leistenkanal eingezogen.

Es gibt auch noch die Variante des sogenannten Pendelhodens, wobei dieser nicht als Krankheit bezeichnet wird. Da keine Krankheit vorliegt, entfällt hier auch die Therapie. Liegt ein Pendelhoden vor, dann ist der Hoden zwar im Hodensack, pendelt aber (bedingt durch einen Muskelreflex) immer wieder zwischen Leistenkanal und Hodensack hin und her.

Was hat die Hodenfehllage für Auswirkungen?

Wird der Hodenhochstand nicht behandelt, so kann dies zu gravierenden Auswirkungen führen. Einige davon sind zum Beispiel : eine Hodentorsion (Hodenverdrehung), ein Leistenbruch oder sogar die Unfruchtbarkeit. Ebenfalls liegt ein viel größeres Risiko vor, an Hoden Krebs zu erkranken (fünf bis zehn Mal höher). Die Temperatur des Hoden Gewebes liegt bei ungefähr 33 Grad und somit unter der durchschnittlichen Temperatur im Bauchraum. Diese liegt bei ungefähr 37 Grad. Die Samenzellenbildung benötigt allerdings als Voraussetzung eine geringere Temperatur, wie sie im Hodensack zu finden ist. Verbleibt nun der Hoden in dem viel wärmeren Bauchraum, so besteht genau deshalb die Gefahr einer Reduzierung der Spermien Anzahl, was dann letztlich zu der erwähnten Unfruchtbarkeit führen kann.

Mit einer großen Wahrscheinlichkeit von rund 65 Prozent wird es bei einem Hodenhochstand auch immer zu einem Leistenbruch kommen. In ganz schlimmen Fällen kann es sogar zu einem abklemmen von Blutgefäßen kommen. Wenn nämlich ein Gleithoden oder ein Leistenhoden in einer Hodenverdrehung endet. Wird dies nicht sofort erkannt und behandelt, so kann ein Hoden sogar absterben.

Der Arzt und seine Diagnose

Meist fällt es der Mutter als erste auf, das der Hodensack leer erscheint. Wenn diese Feststellung gemacht wurde, dann wird der Arzt im nächsten Schritt den Bauchraum und den Hodensack bzw die Hoden untersuchen.

Können keine Hoden ertastet werden, dann wird ein Hormonstimmulationstest durchgeführt. So wird ermittelt, ob der Hoden komplett fehlt oder ein sogenannter Bauchhoden vorliegt. Liegt überhaupt Hoden Gewebe vor? Wenn Hoden Gewebe vorhanden ist, dann wird der Hoden mit Hilfe von Ultraschall, Bauchspiegelung usw. lokalisiert. Bei dieser Untersuchung handelt es sich nicht um eine Routine Untersuchung.

Was tun beim Hodenhochstand?

Sofern auch nach sechs Monaten immer noch ein leerer Hodensack ertastet wird, beginnt man mit einer medikamentösen Therapie. Nur wenn dieser Therapie weg nicht funktioniert, kommt es zu einer Operation. Die ganzen Maßnahmen sollten bis zum Ende des ersten Lebensjahres erfolgreich abgeschlossen sein, damit eben die genannten Folgen wie Hoden Krebs oder Unfruchtbarkeit nicht entstehen können. Das Hoden Gewebe darf nicht geschädigt werden. Wird das Problem nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, so steigt das Risiko einer späteren Unfruchtbarkeit auf bis zu 30 Prozent (bei einem erkrankten Hoden) und auf bis zu 70 Prozent bei zwei betroffenen Hoden.

Welche Medikamente kommen zum Einsatz?

Bei der medikamentösen Behandlung kommt es zu einer Behandlung mit Hormonen. Damit möchte man das Hormon Problem lösen und eine natürliche Herabwanderung der Hoden auslösen. Eine Operation soll natürlich vermieden werden. Ergänzend soll die Reife der Keimzellen gefördert werden um die Wahrscheinlichkeit für eine hohe Fruchtbarkeit zu erhalten. Mit Hilfe von Nasensprays werden die Hormone dem Säugling verabreicht. Die Behandlung beginnt in der Regel ab dem dritten Monat. Die Behandlungsdauer beträgt insgesamt vier Wochen. Falls der Hodenhochstand erst relativ spät bemerkt wird, so wird man die Hormonbehandlung nicht mehr vornehmen können und deshalb schnellstmöglich die Operation durchführen.

Die Operation

Wenn die Hormonbehandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt, so erfolgt ein chirurgischer Eingriff durch einen Arzt. Dabei wird die Lage des Hoden durch eine operative Orchidopexie (also der operative Eingriff) verändert. Der Hodensack wird geöffnet und der Hoden dort dann angenäht. Es gibt für die Operation zwei Möglichkeiten: die Schlüssel-Loch Technik oder die offene OP. Ist der Hoden in den Bauch des Jungen verrutscht, so können auch zwei Operationen notwendig sein.

In maximal fünf Prozent der Fälle wandert der Hoden jedoch auch nach einer Therapie wieder nach oben. Um dies zu vermeiden, wird über einen Zeitraum von einem Jahr immer alle drei Monate eine Kontrolle durchgeführt.

Es kommt sehr selten vor, aber manchmal können Nerven, der Samenleiter oder die Gefäßversorgung eines Hoden beschädigt werden. Leider kann es dann zu einer sogenannten Atrophie, das bedeutet, zu einer Verkümmerung des Hodens kommen.

Gelingt die Verlagerung des Hodens aus dem Hodenhochstand heraus, so bleibt trotzdem ein gewisses Hodenkrebsrisiko erhalten. Deshalb empfiehlt es sich für die betroffenen Kinder ab dem Jugendalter regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen zu lassen. Selbst schmerzfreie Vergrößerungen der Hoden müssen unbedingt vom Arzt untersucht werden.