Was macht Deine Muttermilch so besonders?

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Was macht Deine Muttermilch so besonders?

Di., 03/02/2021 - 20:49
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Dein Baby wird durch die Milch mit Nährstoffen versorgt und geschützt. Sie übernimmt also mehrere Funktionen und verändert im Laufe der Zeit sogar ihre Zusammensetzung! Die Muttermilch ist also ein richtiges Wunder der Natur!

Was ist also alles in der Muttermilch vorhanden und wie und wann und vor allem warum verändert sich die Zusammensetzung?

Die erste Nahrung

Die Natur hat die Milch als erste Nahrung für Dein Baby vorgesehen. Sie liefert wichtige Nährstoffe, wie zum Beispiel:

  • Wasser
  • Fette
  • Kohlenhydrate
  • Proteine

und versorgt Dein Kind somit mit Flüssigkeit und darf als richtiger Allrounder bezeichnet werden. Doch die Milch ist nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern hat darüber hinaus noch viele weiter Funktionen!

Welche Inhaltsstoffe hat die Muttermilch?

Dein Baby bekommt mit jeder Stillmahlzeit wichtige Stoffe, die nicht mit künstlicher Nahrung nachgeahmt werden können. Interessant, was alles so in Deiner Milch steckt:

  • Sie ist voller lebender Zellen! Millionen davon! Wie zum Beispiel Stammzellen oder weiße Blutkörperchen. Das Immunsystem Deines Kindes wird gestärkt und die Entwicklung und auch Heilung von bestimmten Organen wird angeregt.
  • Das Wachstum Deines Kindes wird mit weit mehr als 1.000 Proteinen erreicht und gestärkt. Das Immunsystem wird eingeschaltet und das fördert und anderem auch das Wachstum von Neuronen im Gehirn Deines Kindes!
  • Die Proteine bestehen ausnahmslos aus Aminosäuren. Es gibt über zwanzig dieser Aminosäuren Verbindungen in Deiner Muttermilch! Das Wachstum Deines Kindes wird also durch diese essentiellen Aminosäuren garantiert bzw. angeregt und unterstützt. Besonders erwähnt wird hier das Darmwachstum.
  • Ebenfalls vorhanden sind Oligosaccharide. Dies sind mehr als 200 sehr komplexe Zuckermoleküle, welche die Bakterien im Darm füttern, die positiv für den Menschen sind. Sie schützen zudem vor Entzündungen und Infektionen.
  • Auch finden sich mehr als 40 Enzyme in Deiner Milch, welche als Aufgabe haben, chemische Reaktionen im Körper zu erleichtern und zu unterstützen. Dadurch werden Abläufe beschleunigt. Diese Enzyme sind hilfreich für den Aufbau eines starken Immunsystems, für die Aufnahme von Eisen und bei der Verdauung.
  • Hormone finden sich in einer sehr großen Anzahl in Deiner Muttermilch. Es sind Botenstoffe, die für einen reibungslosen und korrekten Ablauf bei der Funktion von Organen oder Geweben regeln. Ebenfalls steuern sie den Schlafrhythmus, die Liebe zwischen Mutter und Kind! Sogar der Appetit Deines Kindes wird dadurch gesteuert.
  • Ebenfalls finden sich wichtige Nährstoffe, wie Mineralstoffe und Vitamine, die immens wichtig sind für das Wachstum der Organe und der Entstehung von Knochen und Zähnen.
  • Weiterhin finden sich Immunglobuline (Antikörper). Die wichtigsten fünf Grundmuster davon finden sich natürlich auch alle in Deiner Milch! Sie schützen das Kind vor Infektionen, Bakterien, Viren und somit letztlich vor Krankheiten.
  • Damit noch nicht genug, finden wir ebenfalls sogenannte langkettige Fettsäuren. Diese sind besonders wichtig für einen gesunden Aufbau eines Nervensystems, den Augen und des Gehirns. Diese Fettsäuren finden sich in mehreren Formen wieder!
  • Rund 1400 sogenannte MicroRNAs, die die Genexpression regulieren und das Immunsystem stärken. Dadurch werden Krankheiten vermieden bzw. schnellstens beendet. Ebenfalls nimmt man an, dass sie Auswirkungen auf Deine Brust bzw. deren Veränderung haben.

Diese Aufzählung ist bereits sehr lang, aber noch nicht abschließend! Denn die Wissenschaft entdeckt heute noch Inhaltsstoffe in Deiner Muttermilch, die bisher nicht bekannt waren. Die Konzentration der Inhaltsstoffe bzw. das Vorhandensein verändert sich mit dem zunehmenden Alter des Kindes. Das bedeutet, dass sich dieses Wunder der Natur an die Bedürfnisse Deines Kindes anpasst!

Muttermilch

Das Kolostrum

In der ersten Phase nach der Geburt produziert Dein Körper automatisch die sogenannte Vormilch bzw. das Kolostrum. Diese Muttermilch ist deutlich dickflüssiger und klebriger als die dann darauf folgende Muttermilch. Das „flüssige Gold“ (die Farbe ist zwischen gelb und orange) ist besonders hoch konzentriert und wertvoll für dein Kind. Sie enthält quasi eine Hochdosierung an wichtigen Nährstoffen.

Zu Beginn der Stillzeit wird Dein Körper nur kleine Mengen an Muttermilch produzieren, da auch die Milchproduktion perfekt auf Dein Baby abgestimmt ist. Der Magen Deines Kindes hat zu Beginn die Größe von einer kleinen Murmel und kann gar nicht mehr aufnehmen. Deshalb ist das Kolostrum hochdosiert an Nährstoffen und besonders gut zu verdauen.

Muttermilch

Welche Inhaltsstoffe hat das Kolostrum?

Im Prinzip sind die Inhaltsstoffe der Vormilch identisch mit denen der darauf folgenden Muttermilch. Nur die Konzentration ist unterschiedlich und am Anfang im Kolostrum eben hochdosierter um das Neugeborene direkt mit möglichst vielen, wichtigen Stoffen zu versorgen.

Sehr oft wird das Kolostrum auch als „natürliche Impfung“ bezeichnet, da es einen sehr hohen Anteil an weißen Blutkörperchen und Antikörpern hat. Dies ist auch besonders wichtig und notwendig, da dadurch Dein Kind vom ersten Tage an, vor Bakterien und Viren und somit vor Krankheiten geschützt werden muss, da sein Immunsystem ja noch nicht vollständig aufgebaut ist.

Ebenfalls hat das Kolostrum eine „abdichtende“ Funktion (was die Dickflüssigkeit erklärt), da die (im Moment) noch durchlässige Darmschleimhaut mit dem Kolostrum verklebt und abgedichtet wird. Es ist also sehr wichtig für das Verdauungssystem und sollte deshalb unbedingt nach der Geburt verfüttert werden bzw. möglichst per Stillen angeboten werden. Gerade Frühgeborene sollten das Kolostrum erhalten, damit sie nicht an der gefährlichen Darmkrankheit „Enterokolitis (NEK)“ erkranken.

Die Konzentration von Vitaminen (besonders A, K und E) und Mineralstoffen ist im Kolostrum deutlich höher als in der normalen Muttermilch, die Du nachher produzieren wirst. Ebenfalls ist auch das Vorkommen von Proteinen viel höher! Eine weitere Funktion dieser Vormilch ist die Anregung des Stuhlganges, da sie tatsächlich leicht abführend wirkt.

Die Übergangsmilch

Ab dem 2. Tage kann es schon zum sogenannten Milcheinschuss kommen und die Muttermilchproduktion wird angepasst. Diese steigt, da Dein Kind nun bereits 300-400 Milliliter Milch trinken wird. Deine Brüste werden voller, fester und wirken vielleicht sogar größer. Das ist ganz normal! Der Bedarf an Milch steigt nun bei Deinem Kind auf bis zu 500-800 Milliliter pro Tag an. Dies wird bereits bis zum 5. Tag nach der Geburt geschehen.

In dem Zeitraum Tag 5 bis zum 14. Tag nennt man die Muttermilch einfach „Übergangsmilch“. Es ist die Phase bzw. der Übergang von Kolostrum hin zu normaler, reifer Muttermilch. Die Farbe der Milch verändert sich und wird sich eher in einen weißeren und vielleicht auch cremigeren Farbton verwandeln. Der Gehalt an Fett, natürlichem Zucker (Laktose) und Kalorien ist nun viel höher, da Dein Kind ja nun stark wächst und viel Energie benötigt.

Doch auch diese Milch ist noch voller guter Nährstoffe und Antikörper, die Dein Kind vor Krankheiten schützen.

Erst wenn die vierte Woche vorbei ist, wird sich die Zusammensetzung der Muttermilch nochmals verändern. Es ist dann die sogenannte reife Muttermilch, die Du ganz automatisch produzierst.

Muttermilch

Du bildest automatisch reife Milch

Ganz automatisch stellt Dein Körper die Muttermilchproduktion ungefähr nach der vierten Woche um. Es wird die sogenannte „reife Muttermilch“ gebildet. Diese zeichnet sich besonders durch folgende Inhaltsstoffe aus:

  • Enzyme
  • Hormone
  • lebende Zellen
  • natürlicher Zucker
  • Vitamine
  • Proteine

Ganz besonders geht es ab jetzt darum, das Wachstums des Babys zu unterstützen.

Die Inhaltstoffe und der sogenannte Nährstoffgehalt der Muttermilch pendelt sich jetzt auf ein bestimmtes Level ein und verändert sich auch nicht mehr groß.

Was sich jedoch verändern kann ist die Zusammensetzung der Milch, da sich Dein Körper tatsächlich auch auf Krankheiten Deines Babys einstellt und dann entsprechend die Zusammenstellung verändert. Es ist tatsächlich ein Wunder der Natur. Du produzierst mit Deinem Körper die Antikörper, die Dein Baby benötigt um Viren oder Bakterien zu bekämpfen!

Die Veränderung der Zusammensetzung erfolgt kontinuierlich, wenn Dein Baby die Welt erkundet und zum Beispiel Gegenstände in den Mund nimmt. Bakterien werden also automatisch erkannt und bekämpft!

Die Vordermilch und die Hintermilch

Die Milch verändert über die Dauer der Stillmahlzeit ihre Konsistenz und auch den Fettgehalt. Denn je länger Dein Baby an der Brust trinkt, desto fettiger und cremiger wird Deine Muttermilch. Ganz zum Schluss kommt die sogenannte Hintermilch, welche sich eben durch einen besonders hohen Fettgehalt auszeichnet.

Die Milch die zuerst aus der Brust kommt ist die sogenannte Vordermilch und diese wirkt eher wässriger.

Zwischen beiden „Milcharten“ gibt es aber keine 100% Trennung, da der Übergang (im wahrsten Sinne des Wortes) fließend ist. Beide Milcharten sind reich an natürlichem Zucker, Vitaminen, Proteinen oder Mineralstoffen. Sie sind also beide gleichwertig als vollwertige Stillmahlzeit zu bezeichnen.

Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen dem Grad der Entleerung Deiner Brüste und dem Fettgehalt der Muttermilch. Der Fettgehalt steigt immer mit fortschreitender Stilldauer und geht von geringem Fettgehalt zu Beginn, über in den höheren Fettgehalt im weiteren Verlauf. Wenn Du oft und regelmäßig stillst, dann wird der Unterschied des Fettgehaltes zwischen der Vorder- und der Hintermilch nicht besonders groß sein. Grundsätzlich solltest Du Dir überhaupt keine Gedanken zu der Vorder- oder der Hintermilch machen, da die Natur alles gut und automatisch regelt.

Die nächsten sechs Monate

Was passiert mit Deiner Milch, wenn Du mehr als sechs Monate stillst? Das ist eine gute Frage, die wir Dir gerne beantworten!

Dein Körper wird die hochwertige Muttermilch einfach weiter produzieren und der Nachfrage anpassen. Denn die Nachfrage bestimmt bei der Muttermilchproduktion das Angebot!

Selbst bei der Einführung von Beikost geschieht alles automatisch und Du brauchst Dir eigentlich keine Gedanken zu machen. Ab dem sechsten Monat, wenn Du vielleicht Beikost einführen magst, dann wird der größte Teil des Kalorienbedarfes Deines Kindes (nämlich immer noch über 90%!) durch Deine Milch abgedeckt!

Erst ab dem 11. Monat geht die Quote runter auf ca. 50%. Du siehst: Die Natur regelt alles vollautomatisch und hatte alle Entwicklungsstufen Deines Kindes bedacht. Entspanne Dich und genieße eine schöne Stillzeit!

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