Frühgeburt


Eine Frühgeburt

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Jährlich werden in Deutschland ca. 60.000 Kinder zu früh geboren. Sie sind keine 37 Wochen im Bauch Ihrer Mutter und haben ein Gewicht von unter 2500 g.

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Stillen von Frühgeborenen

Die Geburt eines zu früh geborenen Babys ist für die Eltern eine tief eingreifende schockierende Erfahrung. Nichts ist so, wie man es erwartet hat. Völlig unvorbereitet müssen sie sich auf die Geburt und Elternschaft einstellen. Die Last der Verantwortung, ihr Baby in die Obhut Fremder zu geben, in eine Umgebung, die völlig unübersichtlich und beängstigend ist, trifft mit der Angst um das Leben und die Gesundheit des Kindes zusammen. Dieses kleine hilflose Menschlein, das noch eben beschützt und sicher in dem Bauch der Mutter eingebettet war, liegt jetzt wehrlos und nackt, wie ein aus dem Nest gefallenes Vögelchen, an Händen und Füßchen durch Infusionen verkabelt oder beatmet, im Inkubator. Diese ersten Eindrücke sind oft erschreckend und beängstigend und es dauert vielleicht eine Weile, bis man Berührungsängste abgebaut hat und Mut fast, den ersten Kontakt zu seinem Baby aufzunehmen. Dem Stillen, bzw. vorerst dem Abpumpen, kommt in dieser Situation eine große Bedeutung zu.

                                                             
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Die Tatsache, dass mit Hilfe von Muttermilch die Gesundheit des kleinen Babys verbessert und gefördert wird, gibt vielen Müttern Zuversicht und Selbstvertrauen, doch noch einen wichtigen Beitrag zum Wohle ihres Kindes zu liefern. Die verantwortungsvolle und fürsorgliche Aufgabe des Abpumpens und Aufbewahrens der Muttermilch geben so ihrer Mutterschaft einen Inhalt. Zum späteren Zeitpunkt hilft es Mutter und Kind sehr, durch den Körperkontakt während des Stillens die Beziehung zueinander zu verinnerlichen und sich gegenseitig besser kennen zulernen.

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Die Bedeutung von Muttermilch für das frühgeborene Baby

Wenn es zu einer Frühgeburt gekommen ist, stellt die Natur mit Hilfe von Muttermilch die beste mögliche Nahrung für die Bedürfnisse des Babys bereit. Selbst die kleinsten Tröpfchen sind von großem Wert. Frühgeborenenmilch ist in Ihrer Zusammensetzung anders aufgebaut, als die Milch von Reifgeborenen, also optimal auf die Belange des kindlichen Körpers abgestimmt.

 

Welche Vorteile bietet die Muttermilch dem Frühgeborenen?

Die Milch ist:

-     leicht verdaulich und belastet den kindlichen Körper mit den Aufgaben des Stoffwechsels, der Verdauung und
      der Nieren nur gering.

-     hat einen hohen Eiweißanteil mit vielen infektionsbekämpfenden Antikörpern.

-     verschiedene Abwehrstoffe, wie z.B. Lymphozyten, sind in hoher Zahl vertreten und sorgen für einen
       besseren Infektionsschutz. Das Risiko, an einer nekrotisierenden Enterokolitis (NEC= lebensbedrohliche
       Darminfektion) zu erkranken, ist für Frühgeborene, die mit Muttermilch ernährt werden, viel geringer.

-     besitzt viele lebensnotwendige, essentiellenAminosäuren, wie z.B.: Taurin, Lystin, Leucin und Glycin, die die
      Reifung des Gehirns begünstigen.

-     enthält mehr lebenswichtige, essentielle Fettsäuren, sowie das Enzym Lipase (Fettverdauung kann so schon
      im Mund des Kindes beginnen.) Der Anteil der LCP´s (hochungesättigte, langkettige Fettsäuren) ist sehr hoch,
      die Größe der einzelnen Tröpfchen ist viel kleiner. Die Milch kann so leichter verdaut und wirkungsvoller
      verarbeitet werden.
 

-     der Gehalt an Enzymen, Hormonen und Wachstumsfaktoren begünstigt die Entwicklung des Nerven- und
      Verdauungssystems des Kindes.

-     bietet Schutz vor der Entstehung von Allergien

-     der Anteil an Natrium, Eisen und Chlorid ist in höheren Mengen vorhanden.

-     fördert die Zusammengehörigkeit von Mutter und Kind.

Bei sehr kleinen Frühgeborenen, meist unter 1500 g, muss die Muttermilch zusätzlich mit Eiweißen, Vitaminen und Mineralstoffen angereichert werden, um den hohen Bedarf an wichtigen Nährstoffen decken zu können.
 

Das Zytomegalie-Virus

Seit einiger Zeit wird die Möglichkeit diskutiert, ob sich das frühgeborene Kind durch eine eventuelle bestehende Zytomegalieinfektion seiner Mutter über frische Muttermilch infizieren kann. (Das Zytomegalie-Virus = CMV ist eines der fünf bekanntesten Herpes Viren)

Besonders gefährdet sind Babys, deren Gewicht unter 1500 g liegt und deren Austragungszeit weniger als 30 Schwangerschaftswochen betrug.

Bei älteren und schwereren Kindern besteht keine weiter Gefahr. Um dieses Risiko zu bannen, wird die Muttermilch dieser Kindes pasteurisiert. Das heißt, dass die Milch 30 Minuten lang einer Temperatur von nicht weniger als 57 ° C und nicht mehr als 63 ° C ausgesetzt war.

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Das Abpumpen

Je nach Situation kann es anfänglich von Nöten sein, die Milchproduktion mit Hilfe einer Milchpumpe anzuregen. Es empfiehlt sich, so schnell wie möglich nach der Entbindung mit dem Abpumpen zu beginnen. Um die Brust hinreichend zu stimulieren, sollte die Mutter genau so oft abpumpen, wie das Baby an der Brust trinken würde. Also ca. 6 – 8 mal pro Tag, davon 1 mal in der Nacht. Wenn jedoch die Sorge um das Baby am Anfang zu viel Kraft und Energie abverlangt, sollte man sich nicht zusätzlich wegen des Abpumpens unter starken Druck setzen.Zu einem späteren Zeitpunkt ist es dann auch noch möglich, die Abpumphäufigkeit zu steigern.

Genaue Einzelheiten über Hygiene beim Abpumpen, Handhabung, Verpackung und Transport lesen Sie bitte
in dem Themenbereich "Abpumpen"nach.     mehr...

 

Ein Frühgeborenes wird angelegt

Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um ein Frühgeborenes das erste mal an der Brust der Mutter saugen zu lassen, lässt sich nicht genau sagen. Die früher angegebenen Richtlinien von 1500g  und einem Gestationsalter von mindestens 34 bis 35 Wochen, verschieben sich langsam immer weiter nach vorne. Heute kommt es vornehmlich auf den Gesundheitszustand und die Aufmerksamkeit und Wachsamkeit des Kindes an. Sobald es in der Lage ist, selbständig das Saugen, Schlucken und Atmen zu koordinieren, kann es meist noch besser an Mutters Brust saugen, als an der Flasche zu trinken. Auch wenn es am Anfang noch keine großen Milchmengen sind, die das Baby aus der Brust trinkt und es noch mit zusätzlicher Nahrung über eine Sonde oder den Becher oder Finger-Feeder zugefüttert wird, trägt jede Stillmahlzeit mit ihrer körperlichen Nähe und dem Üben und Ausprobieren dazu bei, nach einiger Zeit erfolgreich und ausdauernd zu saugen.

 
Hilfreiche Tipps zum Anlegen:

-     durch eine Brustmassage oder durch das kurze Anpumpen der Brust, kann der Milchspendereflex vorab
      ausgelöst werden. So hat es das Baby leichter, wenn es noch ein bisschen schwächer ist, denn es bekommt
      sofort Milch beim Saugen.

-     wenn das Baby noch sehr klein ist, und die Mutter ausreichend Milch produziert, kann vorab die Vordermilch
      abgepumpt werden, so dass das Baby beim Saugen an der Brust gleich die kalorienreiche Hintermilch trinkt.

-     vor dem Anlegen ein Tröpfchen Milch auf die Brustwarze oder die Lippen des Babys streichen. So wird das
      Baby besser zum Saugen animiert.

-     falls die Händchen beim Anlegen im Wege sind, kann das Baby in ein Tuch eingewickelt werden.

 
Stillpositionen


Um dem frühgeborenen Baby die Koordination von Saugen, Schlucken und Atmen zu erleichtern, ist es hilfreich, seinen Körper in einer möglichst aufrechten Haltung zu stillen. Hierfür bieten sich der sogenannte Frühgeborenengriff oder der Rückengriff an.
 
Der Frühgeborenengriff
 

Er eignet sich gut für sehr kleine Babys, die noch Probleme beim Erfassen und Ansaugen der Brust haben und zu schwach sind, sie längere Zeit zu halten. Hierbei nimmt die Mutter, wenn sie an der linken Brustseite anlegen möchte, den Hinterkopf des Kindes in Ihre rechte Hand. Der Rücken des Kindes liegt auf ihrem Unterarm. Sein Mund befindet sich senkrecht zur linken Brustwarze. Die Mutter unterstützt mit ihrer linken Hand im

C-Griff die linke Brust. Hierbei befinden sich die 4 Finger unter der Brust, der Daumen liegt weit genug hinter dem Vorhof lose auf.

                                                 
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Der Rückengriff:

Hierbei setzt sich die Mutter bequem und gut gestützt hin. Der Winkel zwischen Oberschenkel und Oberkörper ist kleiner als 90 ° . Eine Fußbank erleichtert die Haltung der Beine. Der Körper des Babys liegt an ihrer Seite vorbei, Hüfte an Hüfte, gut abgestützt durch Kissen neben ihr. Sein Kopf liegt auf ihrer Hand. Sein Rücken wird durch ihren Unterarm gestützt. Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine Linie. Die Mutter sollte darauf achten, dass ihre Hand und ihr Arm mit ausreichend vielen Kissen unterstützt wird. Sonst ermüdet sie zu schnell und das Baby rutscht langsam nach unten. Mit der anderen Hand reicht sie dem Baby ihre Brust im C-Griff.

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 Der DanCer-Griff

Falls das Baby zu schwach ist, die Brustwarze fest zu halten und immer wieder abrutscht, kann man ihm mit dem von Danner und Cerutti entwickelten „DanCer-Hold“ helfen. Durch die Unterstützung von Kiefer und Kinn bleibt das Baby beim Saugen positioniert. Hierbei bilden Daumen und Zeigefinger der Mutter ein „U“, in dessen Bogen das Kinn des Babys ruht. Durch sanften Druck mit beiden Fingern auf die Wangen des Kindes, bleibt  der Mund beim Saugen geschlossen und das Baby kann die Warze besser gefasst halten.

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Das Brusternährungsset

Ursprünglich zum Stillen von Adoptivkindern entwickelt, bietet das Brusternährungsset dem zu früh geborenen, oft saugschwachen Kind die Möglichkeit, für seine Bemühungen an der Brust mit Muttermilch belohnt zu werden. Hierbei erhält es die Nahrung durch  zwei dünnen Schläuche, die an der Brustwarze befestigt werden. Durch Saugen an der Brust wird die Milch aus den Schläuchen freigegeben, und das Kind erhält sie direkt während des Stillvorgangs. So kann es auf eine befriedigende  Weise zugefüttert werden, und die Milchbildung der Mutter wird gleichzeitig stimuliert.

Auch für Kinder, die nur langsam zunehmen, oder deren Mütter zu wenig Muttermilch produzieren, eignet sich das Brusternährungsset hervorragend.

 

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Die Känguru- Methode

Ursprünglich aus Bogota, Kolumbien stammend, wird das Känguruen heute weltweit praktiziert. Hierbei wird das Frühgeborene nur mit einer Windel und eventuell einem Mützchen bekleidet, zwischen die nackten Brüste seiner Mutter, Haut an Haut gelegt. So kann es direkt ihre Körperwärme spüren, ihren Duft einatmen und ihren Herzschlag hören. Durch dieses enge Beieinandersein wird eine starke Bindung zwischen Mutter und Kind erzeugt. Ängste und Sorgen können anders bewältigt werden und Stresssituationen treten seltener auf. Der intensive Hautkontakt und das große Geborgenheitsgefühl wirken sich enorm positiv auf das Baby aus. Es wird viel ruhiger, Atmung und Pulsschlag verbessern sich und seine Sauerstoffsättigung steigt. Weitere Vorteile zeigen sich in einem besseren Trinkverhalten und der damit verbundenen höheren Gewichtszunahme.

Die Babys sind viel wacher und aufmerksamer und können schneller gestillt werden. Durch den engen Körperkontakt wird das Kind mit gesunden mütterlichen und väterlichen Keimen besiedelt.  Im Gegenzug erhält die Mutter von ihrem Kind andersartige Keime, gegen die sie Antikörper entwickelt.

Diese wiederum gibt sie über die Muttermilch an ihr Baby zurück. So erhält das Frühgeborene einen Schutz gegen die krankmachenden Keime seiner Krankenhausumgebung. Die Känguru-Pflege ermöglicht auch dem Vater engen Kontakt zu seinem Kind aufzunehmen. Denn auch an Papas behaarter Brust lässt es sich ganz geborgen warm und weich schmusen. 

Zum Abschluss bleibt nur noch zu sagen , dass wir allen Eltern mit ihren frühgeborenen Babys viel Kraft und Zuversicht wünschen. Denn gerade diese kleinen Menschenkinder brauchen ein Mehr an Nähe , Zärtlichkeit und bedingungsloser Fürsorge. Wenn sie dann auch noch die optimalste Ernährung erhalten, nämlich die Milch ihrer Mütter, haben die Eltern das Beste getan , was in ihrer Macht steht . Mit viel Geduld und Durchhaltevermögen ist dann im laufe der Zeit auch für sie der große Moment gekommen , wo sie ausdauernd und selbstverständlich an der Brust ihrer Mutter trinken .

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