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Mit freundlicher Genehmigung von Gabi Hohmann, LLL- Deutschland e.V.

Abstillen – wann und wie?
 
Die Geschichte des Abstillens

Blickt man in die Geschichte zurück und betrachtet die Welt insgesamt, erstreckt sich die Stillzeit eher über Jahre als über Monate. Laut Margaret Mead und Niles Newton (1967) liegt die allgemeine Norm bei zwei bis vier Jahren.

Erst im Jahre 1800 wurde in den meisten der angesehenen englischen Schriften über Kinderpflege das Abstillen bereits im Alter von zwölf Monaten empfohlen. Es gibt aus dem Jahre 1725 schriftliche Äußerungen, die das Stillen von Vierjährigen mit Missfallen beurteilen, was ein Hinweis darauf ist, dass im 18. Jahrhundert eine bedeutende Anzahl von Vierjährigen noch gestillt wurde. 1850 empfahlen die meisten „Experten“ das Abstillen mit elf Monaten. Zu dieser Zeit bezog sich die öffentliche Kritik auf die gestillten Zweijährigen.

In anderen Kulturen rund um die Welt hielt sich eine ausgedehnte Stillzeit viel länger, und an manchen Orten ist sie auch heute noch verbreitet. Bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert stillten Mütter in China und Japan ihre Kinder bis zum Alter von vier bis fünf Jahren. Bei einer 1945 durchgeführten Untersuchung an 64 „primitiven“ Kulturen wurde nur eine gefunden, bei der es deutlich wurde, dass ein Kind bereits mit sechs Monaten abgestillt wurde (Mead und Niles, 1967).

Bei dem Versuch, ein „natürliches“ Abstillalter, unabhängig von kulturellen Beeinflussungen, zu bestimmen, erforschte Katherine A. Dettwyler, eine Anthropologin der Universität von Texas, was über das Abstillalter bei Primaten und anderen Säugetieren bekannt ist (1994). Nachdem sie die Kriterien untersucht hatte, die zur Bestimmung des natürlichen Abstillalters anderer Säugetiere herangezogen wurden (Gewichtszunahme, das Verhältnis zur Größe des ausgewachsenen Tieres, das Verhältnis zur Tragzeit und dem Alter beim Durchbruch der bleibenden Zähne), berechnete sie, dass das entsprechende Abstillalter beim Menschen zwischen drei und sieben Jahren liegen müsse.

Auch wenn für uns das Wissen über die Säugegewohnheiten anderer Säugetiere und das Stillen in anderen Zeitepochen und an anderen Orten interessant ist und eine erweiterte Betrachtungsweise erlaubt, so mögen solche Zahlen in unserem Kulturkreis eher exotisch anmuten. Es kann jedoch einer heutigen Mutter eine Rückversicherung dafür geben, dass längeres Stillen eine normale Form menschlichen Verhaltens ist.

 

Abstillen in der heutigen Zeit

In westlichen Kulturen ist längeres Stillen heutzutage unpopulär und wenig verbreitet. Durch die stillfeindliche Entwicklung dieses Jahrhunderts, die aggressive Werbestrategie der Babynahrungsindustrie, mangelnde und fehlende Informationen des Gesundheitspersonals und nicht zuletzt durch fehlende Vorbilder werden junge Mütter im Normalfall vom längeren Stillen abgehalten.

In Deutschland beträgt die durchschnittliche Stillzeit nur noch wenige Monate, ein hoher Prozentsatz von Neugeborenen wird bereits im Wochenbett oder kurz danach abgestillt. Befragungen zeigten, dass nach vier Monaten nur noch 33,2% der Babys ausschließlich von der Brust ernährt wurden, nach sechs Monaten waren es sogar nur noch 9,8% (SuSe-Studie, Ernährungsbericht 2000 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung). Diese Zahlen sind erschreckend und dabei wahrscheinlich noch positiver als die Wirklichkeit. Forscher stellten in einer Untersuchung fest, dass 65% aller Frauen, die ihr Baby mit drei Monaten oder jünger abgestillt hatten, wünschten, sie hätten länger gestillt. Mehr als die Hälfte der Frauen, die ihr Baby mit vier bis sechs Monaten abgestillt hatten, bedauerten, sie so früh abgestillt zu haben  (Rogers, 1987). Beobachtungen zeigen, dass Mütter, die Stillgruppen besuchen oder in anderer Form Kontakt mit anderen stillenden Familien haben, im Durchschnitt länger stillen.

Die Bedeutung des Stillens auch über die Säuglingszeit hinaus ist unbestritten. Muttermilch ist eine wertvolle Ergänzung zum sonstigen Speiseplan eines Kleinkindes; durch die in der Muttermilch enthaltenen Abwehrstoffe leiden gestillte Kleinkinder weniger häufig und weniger stark an bestimmten Erkrankungen. Auch für die psychosoziale Entwicklung eines Kindes ist das Stillen von hohem Wert: langzeitgestillte Kleinkinder erfahren in ihrer frühen Kindheit ein hohes Maß an Zuwendung und Sicherheit, was sie zu selbstbewussten kleinen Persönlichkeiten heranwachsen lässt.

Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (American Academy of Pedeatrics) empfiehlt eine Stillzeit von einem Jahr, Unicef zwei Jahre und darüber hinaus, wenn Mutter und Kind dies wünschen.
 

Der „richtige“ Zeitpunkt zum Abstillen

Abstillen bedeutet eine tiefgreifende Änderung im Umgang zwischen Mutter und Kind. Wie jede andere größere Veränderung, so wird auch diese von einer Reihe verschiedenster Gefühle begleitet.

Im Allgemeinen hängt die Einstellung der Mutter zum Abstillen, bzw. der Zeitpunkt des Abstillens von folgenden Faktoren ab:

·     Alter des Kindes: Die Wertung der Mutter darüber, wie lange „lange genug“ ist, hängt von ihren eigenen Empfindungen dem Stillen gegenüber ab, jedoch auch, in welchem kulturellen Umfeld sie lebt. Manche Mütter sind dem Druck nicht gewachsen, den andere Menschen hinsichtlich des Stillens auf sie ausüben.

·     Krankheit oder Medikamenteneinnahme der Mutter: In den wenigsten Fällen ist das Abstillen bei Krankheit der Mutter notwendig. Auch bei den meisten Medikamenten ist Stillen nicht kontraindiziert. Im Einzelfall muss dies mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

·     Krankheit des Babys: In den allerwenigsten Fällen ist bei Krankheit des Babys das Abstillen angeraten, ganz im Gegenteil: Muttermilch liefert wertvolle Abwehrstoffe auch bei individuellen Erkrankungen eines Babys, was die Krankheit meist kürzer und weniger schlimm verlaufen lässt.

·     Erneute Schwangerschaft: In den meisten Fällen wird bei einer weiteren Schwangerschaft vom behandelnden Gynäkologen zum Abstillen geraten mit der Begründung, das Stillen schade dem Ungeborenen. Außer bei vorzeitigen Wehen, die in Ausnahmefällen durch das beim Stillen ausgeschüttete Oxytocin verschlimmert werden können, ist jedoch das Abstillen in einer Schwangerschaft unter physischen Gesichtspunkten nicht notwendig.

·     Die Mutter fühlt sich durch die Pflege des Babys überfordert: in Situationen starker Übermüdung der Mutter oder in besonderen Stresssituationen wird oft zum Abstillen geraten. Stillen ist jedoch weit weniger aufwendig als das Zubereiten von Fläschchen und übt nicht nur auf das Baby, sondern auch auf die Mutter eine beruhigende Wirkung aus.

Es gibt keinen allgemeingültigen „richtigen“ Zeitpunkt zum Abstillen. Der Zeitpunkt des Abstillens ist individuell verschieden und muss von jeder Mutter und ihrem Kind selbst bestimmt werden. Grundsätzlich ist das Stillen eine Partnerbeziehung, die beide Beteiligten genießen sollen. So wenig, wie man ein Baby zum Stillen „zwingen“ kann, so wenig sollte eine Mutter sich verpflichtet fühlen, weiter zu stillen, obwohl sie eigentlich nicht mehr bereit dazu ist.
 

Verschiedene Abstillmöglichkeiten

·    Abruptes Abstillen

Erwägt eine Mutter, abrupt abzustillen, fühlt sie sich möglicherweise grundsätzlich überfordert und unter Druck gesetzt. Abruptes Abstillen kann ein emotionales Trauma beim Baby auslösen, denn Stillen ist mehr als nur eine Art der Ernährung, es stellt für das Baby eine vertraute Quelle für Nähe und Trost dar. Auch für die Mutter zieht plötzliches Abstillen möglicherweise körperliche Beschwerden und gesundheitliche Komplikationen nach sich. Der Körper der Mutter produziert auch nach dem Abstillen weiterhin Milch. Wird diese Milch nicht entleert, werden die Brüste übervoll, und es kommt zu einem Milchstau, der zu einer Brustentzündung oder einem Abszess führen kann. Außerdem können plötzliche Hormonschwankungen nach dem Abstillen bei der Mutter Depressionen auslösen oder verstärken. Das beim Stillen freiwerdende Hormon Prolaktin steht im Zusammenhang mit Wohlbefinden. Plötzliches Abstillen führt zu einem plötzlichen Abfall des Prolaktinspiegels, wodurch in den ersten Monaten postpartum Trauergefühle und Depressionen ausgelöst werden können.

Allmähliches Abstillen

Unabhängig davon, ob das Abstillen von der Mutter oder vom Baby ausgeht, ist allmähliches Abstillen für beide einfacher und weniger belastend als plötzliches Abstillen. Möchte eine Mutter mit dem Abstillen beginnen, empfiehlt es sich, dies als einen allmählich verlaufenden Prozess zu planen. Indem sie nicht mehr als eine Stillmahlzeit pro Woche weglässt, ermöglicht sie es, dass sich ihre Milchmenge langsam zurückbildet, ohne dass die Brust übervoll wird und ihr Unannehmlichkeiten bereitet. Außerdem wird sichergestellt, dass das Baby sich langsam an andere Nahrungsmittel gewöhnt. Auch sollte es  zusätzliche liebevolle Aufmerksamkeit als Ersatz für die Nähe erhalten, die zwischen der Mutter und dem Baby beim Stillen bestand.

Natürliches Abstillen

Beim natürlichen Abstillen werden die Bedürfnisse des Kindes respektiert, das heißt der Abstillzeitpunkt wird dem Kind überlassen. Wie bei allen anderen Meilensteinen in der Entwicklung eines Kindes, ist auch das Alter, in dem sich ein Kind von alleine abstillt, sehr unterschiedlich.


Vorteile einer längeren Stillzeit

Auch wenn längeres Stillen in der westlichen Welt nicht so verbreitet ist wie in anderen Kulturen, bietet eine Stillzeit, die über das erste Lebensjahr hinausgeht, Vorteile für Mutter und Kind.

·     Eine Stillzeit von mindestens einem Jahr steht im Zusammenhang mit einer besseren Entwicklung des Mundes (Muskulatur und Motorik) und des Gaumens, was eine bessere Sprachentwicklung zur Folge haben kann.

·     Stillen bietet eine natürliche Möglichkeit zur Befriedigung des kindlichen, nicht mit der Ernährung im Zusammenhang stehenden Saugbedürfnisses.

·     Untersuchungen weisen darauf hin, dass gestillte Kleinkinder gesünder sind. Es wurde festgestellt, dass der Gehalt an immunologisch wirksamen Bestandteilen der Muttermilch während des ersten und zweiten Jahres der Stillzeit hoch bleibt (Goldman, 1983), dass 16 bis 30 Monate alte gestillte Kleinkinder weniger Krankheiten durchmachen, dass die Erkrankungsdauer kürzer ist und dass sie weniger Medikamente benötigen als ihre nicht gestillten Altersgenossen (Gulick, 1986). In Entwicklungsländern können die gesundheitlichen Vorteile, die sich aus einer ausgedehnten Stillzeit ergeben, den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.

·     Stillen bietet Trost, wenn ein Kleinkind müde, verstört, krank oder verletzt ist. Muttermilch ist eine schnell verdauliche und gut verträgliche Nahrungsquelle für ein krankes Kind.

·     Die durch das Stillen entstehende Nähe fördert die Beziehung des Kindes zu seiner Mutter und sorgt für emotionale Beständigkeit in einer Zeit schnellen Wachstums und rascher Entwicklung

·     Für die Mutter besteht ein Vorteil längeren Stillens in der empfängnisverhütenden Wirkung, die auch im zweiten Lebensjahr des Kindes noch anhalten kann.

·     Außerdem entspannen die Stillhormone die Frau weiterhin und gestalten das Leben mit einem Kleinkind angenehmer und stressfreier.

·     Das Risiko, vor der Menopause an Brustkrebs oder später an Osteoporose zu erkranken, sinkt kontinuierlich mit steigender Stillzeit (Romieu, 1. et al. Breast Cancer and Lactation History in Mexican Women. Am J Epidemiol 1996;143(6), S. 543-552).

Für die meisten Mütter besteht die größte Schwierigkeit beim natürlichen Abstillen darin, mit den Meinungen anderer zurechtzukommen. Befragungen zeigten, dass für Mütter in einer solchen Situation der Kontakt zu stillfördernden Organisationen, wie z.B. einer Stillgruppe, die größte Unterstützung darstellte.

 
Quellenangabe: Handbuch für die Stillberatung, 1. Auflage September 2000 ( Nancy Mohrbacher und Julie Stock, Herausgeber La Leche Liga Deutschland e.V.)

Literaturempfehlung: Wir stillen noch (Norma Jane Bumgarner, Herausgeber La Leche Liga Deutschland e.V.)
 

Copyright:

Gabi Hohmann
La Leche Liga Deutschland e.V.
Postfach 65 00 96
81214 München

 

Beikost

 

Das Einführen von Beikost:

Die Nationale Stillkommission hat zusammen mit Vertretern der Berufsverbände der Kinder- und Frauenärzte Empfehlungen zur Stillförderung erarbeitet. Sie empfiehlt, dass Mütter Ihre Kinder 6 Monate ausschließlich stillen sollen und danach kindgerechte, adäquate Beikost zu füttern und dabei weiter zu stillen, solange Mutter und Kind es wünschen. Kinder aus Allergikerfamilien sollten mindestens 6 Monate voll gestillt werden und nicht vor dem 2 Lebensjahr Kuhmilchprodukte erhalten.

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Beikost, wann füttere ich zu?

Etwa um den 6. Lebensmonat herum beginnt sich meistens das Kind für andere Nahrung als Muttermilch zu interessieren. Die meisten Babys geben dann deutlich zu erkennen, dass sie dazu bereit sind, feste Nahrung zu sich zu nehmen:

  • Es schaut neugierig zu, wenn andere etwas essen.
  • Es kann selbständig nach Nahrung greifen und in den Mund stecken.
  • Es zeigt Bereitschaft zum Kauen. 
  • Es kann eventuell etwas gestützt sitzen.
  • Es scheint an der Brust nicht mehr richtig satt zu werden, zeigt also ein gesteigertes Stillbedürfnis.
                                                                      


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Falls das Baby jedoch noch kein Interesse an fester Nahrung (Beikost) zeigt, versuchen Sie es etwas später, nach ein oder zwei Wochen wieder.

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Vorschläge bei der Einführung von fester Nahrung (Beikost):

Viel Geduld und Gelassenheit erleichtern es dem Baby, sich langsam von der Brust zu entwöhnen. Die Gabe der ersten Beikost sollte ganz in Ruhe und ohne Hektik auf dem Schoß der Mutter stattfinden. Am besten in der Mitte des Vor- und Nachmittags, wenn das Baby gut ausgeruht und hellwach ist. Am Anfang kann es hilfreich sein, wenn die Mutter das Baby zunächst stillt, bevor sie ihm feste Nahrung gibt. So wird die Milchproduktion weiter sichergestellt, und das Baby erhält trotzdem die notwendige Milch, während es langsam lernt, andere Nahrung zu akzeptieren.

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Die Essmenge beschränkt sich zunächst auf wenige Löffel und kann innerhalb eines Monats auf eine Mahlzeit ausgedehnt werden. Es empfiehlt sich, immer nur ein Nahrungsmittel einzeln anzubieten. So kann die Mutter leichter erkennen, ob das Baby auf ein bestimmtes Nahrungsmittel allergisch reagiert, bevor sie ein anderes anbietet. Zeigt das Baby auf die angebotene Nahrung innerhalb von einer Woche keine Reaktion, kann sie ein weiteres Nahrungsmittel dazunehmen.

Zeigt es Reaktionen, wie zum Beispiel: Blähungen, Hautausschlag, Wundsein, Unruhe, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall oder rote juckende Augen, so verzichtet sie erst mal auf diese Speise und versucht es damit erst wieder, wenn Ihr Kind über ein Jahr alt ist. Bei schweren allergischen Reaktionen wird der Kinderarzt hinzugezogen. Sobald mehrere Nahrungsmittel eingeführt sind, und alles gut vertragen wird, können die Speisen auch untereinander gemischt werden.

Jetzt Beikost: Was füttere ich zu?

Neben Karottenmus und pürierten Kartoffeln eignet sich als erste Beikost auch ein geriebener Apfel oder eine zerdrückte Banane. Je nachdem, wie alt das Baby ist, können die pürierten oder zerdrückten Speisen mit Wasser oder Muttermilch gemischt werden. Im Laufe der nächsten Wochen werden dann andere Gemüse- (zum Beispiel: Blumenkohl, Kohlrabi, Fenchel, Brokkoli, Spinat) und Obstsorten (zum Beispiel: Birne, Pfirsich, Aprikose) sowie Nudeln oder Reis und eventuell Fleisch eingeführt.

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Wenn das Kind nach dem Essen keine Muttermilch mehr trinkt, oder die Nahrung nicht mit Muttermilch gemischt wird, rühren sie einen halben bis einem Teelöffel Butter oder Keimöl unter die Speise, damit die fettlöslichen Vitamine besser aufgenommen werden können, und das Kind genügend lebenswichtige essentielle Fettsäuren erhält.

Allmählich wird die Nahrung immer fester, bis das Kind die Speisen in der gleichen Zubereitungsform isst, wie die übrige Familie. Das Essen sollte nicht gesalzen werden, damit das Verdauungssystem des Kindes nicht überlastet wird. Isst das Kind von der Familienkost mit, wird erst eine kleine Portion beiseite genommen, bevor der restliche Teil gewürzt wird.

Getränke:

Zu den festen Mahlzeiten bieten Sie Ihrem Kind auch etwas zu trinken an. Im Alter von 6-8 Monaten haben die meisten Babys Interesse aus einem Becher zu trinken. Mit Hilfe einer Schnabeltasse kann man die ersten Trinkversuche starten. Hauptsächlich sollte das Baby Muttermilch oder Wasser trinken. Auch ungesüßter Kräuter- oder Fencheltee aus losen Teebeuteln kann angeboten werden. In geringen Mengen jedoch nur Frucht- oder Gemüsesäfte, und dann nur ungesüßt bzw. ungesalzen.

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Nahrungsmittel, die erst nach dem ersten Lebensjahr gegessen werden sollten:

Zum Beispiel:

  • Kuhmilch (Vor dem ersten Lebensjahr keine Kuhmilch oder andere Molkereiprodukte geben: verbreitetes  Nahrungsallergen)
  • Eier
  • Zitrusfrüchte, Beeren die Samen haben (allergene Nahrungsmittel)
  • Trockenfrüchte (sind zu süß und können sich zwischen den Zähnen festsetzen: Kariesgefahr!) (Auch nach dem ersten Lebensjahr begrenzt anbieten.)
  • Frittierte Speisen (zu hoher Anteil gesättigter Fettsäuren)
  • Honig (nur ab dem ersten Lebensjahr à  Botulismuskeime werden vom kindlichen Immunsystem noch nicht vertragen)
  • Keine Nahrungsmittel, die beim Hineinbeißen abbrechen können (zum Beispiel Brotkanten: Erstickungsgefahr!)

Für Kinder aus Allergikerfamilien sind folgende Nahrungsmittel stark allergen:

  • Weizen, Mais, Schweinefleisch, Fisch (auch Muscheln), Erdnüsse, Tomaten, Zwiebeln, Kohl Nüsse, Beeren, Zitrusfrüchte- und –Säfte, Gewürze, Schokolade.
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Dazu kommen noch alle Lebensmittel, die bei anderen Familienmitgliedern allergische Reaktionen hervorgerufen haben, oder solche, bei denen das Baby bereits bei der Aufnahme von Muttermilch reagiert hat.

Beikost-Rezeptvorschläge:

  1. Gemüse-Kartoffel-Brei: 100 g Karotten, 50 g Kartoffeln, 30 g Obstsaft oder Wasser, 10 g Butter oder Keimöl
  2. Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei: 90-100 g Gemüse, 40-50 g Kartoffeln, 30 g Obstsaft oder Wasser, 25-30 g Fleisch, 10 g Butter oder Keimöl
  3. Getreide-Obst-Brei: 20 g Vollkorngetreidepocken, 90 g Wasser, 100 g Obst der Jahreszeit, 5 g Butter         
  4. Muttermilch-Getreide-Brei: 200 ml Muttermilch, 20 g Vollkorngetreide, 20 g Obstsaft

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Entwöhnen

Das Entwöhnen umschreibt einen Prozess, in dem sich das Kind allmählich von der Brust seiner Mutter löst. Die Frage, wie lange dies dauert, manchmal über mehrere Jahre hinweg, ist von Stillpaar zu Stillpaar unterschiedlich. In den ersten sechs Lebensmonaten stellt die Muttermilch die optimalste Ernährung für den Säugling dar. Danach birgt sie zusammen mit der langsamen Einführung von Beikost viele weitere Vorteile auf ernährungsphysiologischer und psychologischer Ebene in sich. 

Oft geht der Übergang vom Stillen eines Säuglings zum Stillen eines Kleinkindes unbemerkt vonstatten. Ein Kleinkind zu stillen ist für die Mutter ein anderes Erlebnis als das Stillen eines Babys. Es dient jetzt nicht nur mehr der Befriedigung durch die Nahrungsaufnahme, sondern ist plötzlich wesentlich wichtiger als emotionales Ventil zu sehen.

Das Kind nimmt jetzt nicht nur die Milch beim Saugen in sich auf, sondern weitaus wichtiger ist es jetzt, das seine Bedürfnisse nach Nähe, Geborgenheit, Sicherheit und Trost gestillt werden.

In unserer heutigen Zivilisation ist es für viele immer noch ein befremdender Anblick, eine Mutter, die ein Kind, das älter als eine Jahr ist, stillen zu sehen. Immer mehr Frauen wollen sich jedoch diese einmalige Zeit der Nähe zu ihrem Kind und dem Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht nehmen lassen.

Stillen ist eine ganz private, persönliche Sache zwischen Mutter und Kind. Solange beide Stillpartner damit einverstanden und zufrieden sind und das Stillen genießen, hat kein Argument dagegen eine Berechtigung. Jedoch ist es wichtig zu betonen, dass kein Mutter, die ihr Baby früh entwöhnen und abstillen möchte, deswegen zu verurteilen ist.

Denn jede Stillzeit, egal wie lange sie auch immer sein mag, ist ein absoluter Gewinn für das Baby und für das Miteinander zu seiner Mutter. Durch das langsame, liebevolle Entwöhnen wird dann diese schöne, einmalige Zeit zu einem unvergessenen Erlebnis für Mutter und Kind.

Wir wünschen Ihnen von Herzen eine lange, schöne, liebevolle Stillzeit!


Buchtipp:

Wir stillen noch...
...über das Leben mit gestillten Kleinkindern 

von Norma Jane Bumgarner
 LaLecheLiga International

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Abstillen 

Eine schöne Zeit ist vergangen. Viele Monate oder Jahre lang haben Sie Ihr Kind gestillt. Das Stillen ist zu einem Teil Ihres Lebens geworden. Diese große Verbundenheit, die innige Zweisamkeit haben Sie beide jede Minute genossen. Und doch ist etwas anders.
Vielleicht hat das Kind langsam kein Interesse  mehr an der Brust, oder Sie selbst möchten gerne wieder unabhängig sein. Diese Änderung kann ein großes Bad der Gefühle auslösen. Sie beiden müssen nun lernen, sich durch das Abstillen voneinander zu lösen, um dann auf eine andere Art und Weise wieder zueinander zu finden. 
(Lesen Sie dazu den Bericht: "Abstillen - wann und wie?" von Gabi Hohmann, LLL- Deutschland e.V.) 
Abstillen heißt Abschied nehmen. Jedoch bedeutet es gleichzeitig, auch Zeit für einen Neubeginn. Solange wir uns immer weiterentwickeln, begleiten uns Anfang und Ende das ganze Leben lang.
Den richtigen Zeitpunkt des Abstillens bestimmen ganz alleine Mutter und Kind. Solange es beiden Spaß macht, gibt es keinen Grund aufzuhören. Irgendwann ist jedoch der Punkt erreicht, wo einer von beiden nicht mehr möchte. Ideal ist es, wenn Mutter und Kind es gleichzeitig so wollen.
Das allmähliche Abstillen ist für Mutter und Kind das günstigste. So, wie das Baby immer mehr andere Nahrung zu sich nimmt, verringert sich durch die gesunkene Nachfrage die Milchproduktion und die Milchmenge geht zurück.
Sollte relativ schnell abgestillt werden, kombiniert man Beikost und Brustmahlzeit. Anfänglich füttert man bei 2-3 Brustmahlzeiten über den Tag verteilt zu. Am Ende einer Woche sollte dann bei allen Brustmahlzeiten zugefüttert werden. In dem Maße, indem mehr zugefüttert wird, reduziert sich die nachgefragte Milchmenge solange, bis gar nicht mehr gestillt wird.
Die Brust sollte genau beobachtet werden. Wenn sie zu irgendeinem Zeitpunkt zu voll erscheint (Milchstaugefahr!), müssen sie den Prozess verlangsamen und erst wieder genügend Milch abtrinken lassen.

Hilfreiche Maßnahmen zum raschen Abstillen:

...um einen Milchstau oder eine Mastitis zu vermeiden:
     
  • Wird die Brust gekühlt (Durchblutung wird reduziert, Spannung lässt nach) (Hilfsmittel: siehe „Maßnahmen  beim Milchstau“)
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  • Können Sie Pfefferminz- oder Salbeitee trinken (wirken adstringierend, milchhemmend)
  •  
  • Kann, wenn das Spannungsgefühl zu groß ist, per Hand gerade so viel Milch ausgestrichen werden, um einen Milchstau zu vermeiden.
Bei sehr frühem Abstillen (entweder unmittelbar nach der Geburt oder in der frühen Stillzeit) kann die Einnahme von Medikamenten, die die Freisetzung des Milchbildungshormons Prolaktin hemmen, hilfreich sein. Der Frauenarzt/ärztin wird Sie beraten.
Die Zeit des Abstillens ist für beide, Mutter und Kind, in hohem Maße schwierig. Deshalb ist es sehr wichtig, dass auch die Umgebung sensibel auf die Bedürfnisse von beiden eingeht und hilft Schwierigkeiten zu meistern.

                                       Für Sie von Herzen weiterhin alles Liebe und Gute! Ihr Team von Stillgruppen.de