Wie kann ich die Milchmenge steigern?

Time to read
17 minutes
Read so far

Wie kann ich die Milchmenge steigern?

Di., 10/13/2020 - 14:40
Posted in:
0 comments

Sehr viele Stillmütter stellen sich immer wieder diese eine Frage: Wie kann ich wohl meine Milchmenge steigern bzw. die Milchproduktion „ankurbeln“? Dafür ist es natürlich wichtig zu verstehen, wie die Milchproduktion überhaupt zu Stande kommt bzw. geregelt wird. In diesem Zusammenhang spricht man von mehreren Phasen der Muttermilchbildung und zwar von der Schwangerschaft hin bis zum eigentlichen Stillen. Viel Spaß beim Lesen!

Dieser Bericht richtet sich vordergründig an Mütter mit leichten Problemen in der Milchproduktion bzw. einem schwierigen oder ungünstigen Stillstart. Mütter die tatsächlich deutlich zu wenig Milch produzieren sollten eher den Artikel „Milch reicht nicht zum Stillen“ lesen.

Die Milchbildung in einzelnen Phasen erläutert

Die Milchbildung wird in drei Phasen eingeteilt. Diese nennt man Laktogenese.

Die erste Phase der Laktogenese

Während der Schwangerschaft differenzieren sich die einzelnen Brustdrüsen der angehenden Mutter. Sie bilden dann das gelbliche Kolostrum. Der Brustumfang nimmt durch diese Entwicklung deutlich zu. Diese Veränderung der Brustgröße geschieht also noch während der Schwangerschaft, sagt aber rein gar nichts über die zukünftige Milchbildung aus. So werden auch Frauen mit einer geringen Zunahme der Brustgröße während der Schwangerschaft, im Nachgang genug Milch bilden können zum Stillen. Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen, die aber nur durch einen Mangel an Drüsengewebe verursacht werden. Diese erste Phase (Laktogense I) wird durch Hormone (also endokrin) gesteuert.

Stillen

Die zweite Phase der Laktogenese

Die zweite Phase der Laktogenese nennt man schlicht „Laktogenese II“. In dieser Phase wird die Produktion der weißen Muttermilch gestartet. Es ist die reife Muttermilch, welche dann zum Stillen genutzt wird. Die Muttermilchproduktion dieser bestimmten Muttermilch wird durch die Geburt bzw. durch das Auslösen der Plazenta gestartet. Im Schnitt nimmt die Muttermilchmenge nach ca. 35 Stunden nach der deutlich zu. Ungefähr zwei bis drei Tage nach der Geburt kommt es zum sogenannten „Milcheinschuss“ und das Volumen bzw. die Größe der Brüste nimmt nochmals deutlich zu. Dadurch kann es zu einem unangenehmen Gefühl in den Brüste kommen. Es entsteht ein Spannungsgefühl und vielleicht fühlen sich diese auch sehr schwer, etwas härter oder gar angeschwollen an.

Zu Beginn wird das sogenannte Kolostrum gebildet, welches dann nach ungefähr einer bis zwei Wochen in die „normale“ Muttermilch übergeht. Dieser ganze Prozess wird immer noch durch Hormone gesteuert (endokrin) und ist vollkommen losgelöst von einem tatsächlichen Anlegen des Kindes. Wohl ist die Muttermilchbildung jedoch etwas rückläufiger, wenn keine Muttermilch aus der Brust getrunken bzw. abgepumpt wird. Dies geschieht nach ungefähr drei Tagen. Das liegt daran, dass die Milchdrüsen in die sogenannte Involution (sie sind inaktiv) eintreten. Genau deshalb ist es so wichtig, dass die Brüste direkt nach den Geburt immer wieder entleert werden. Als Richtwert werden hier zwischen neun bis zwölf mal am Tag angegeben.

Gibt es Schwierigkeiten bei der Entbindung (zum Beispiel: die Gabe von Medikamenten bei der Geburt, eine sehr anstrengende Geburt, ein Kaiserschnitt, eine Saugverwirrung durch einen Schnuller, ein sehr müdes Baby oder eine Frühgeburt) oder bei Stillproblemen mit dem Kind, was zu einem ineffektiven Stillen führt, dann wird die Milchproduktion dieser reifen Milch nicht in ausreichenden Mengen produziert bzw. zu spät gestartet. Eine unmittelbare Auswirkung kann ein Gewichtsverlust beim Kind sein, was die Notwendigkeit des Zufütterns auslöst. Stillprobleme bzw. Probleme bei der Milchproduktion treten auch meist in dieser zweiten Phase der Laktogonese auf. Um dies zu vermeiden, ist also genau dann der wichtige Zeitpunkt für ein perfektes Stillmanagement. Ausschlaggeben ist hier immer die vollständige Entleerung der Brüste, da die Nachfrage das Angebot bestimmt. Das bedeutet also, dass die Milchproduktion gesteigert wird, wenn die Brüste immer vollständig entleert werden und die Produktion von Muttermilch zurück geht, wenn immer relativ viel Muttermilch in der Brust verbleibt. Doch keine Sorge: auch wenn der Start vielleicht nicht ganz so optimal verläuft, so kann die Milchmenge auch im Nachgang noch durch geeignete Maßnahmen gesteigert werden.

Baby Stillen

Die dritte Phase der Laktogenese

In dieser wichtigen Phase des Stillens, geht es eigentlich nur darum, die Milchproduktion auf diesem (hoffentlich) ausreichend guten Level zu halten. Früher wurde diese Phase „Galaktopoese“ genannt und heute eben Laktogonese III. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist es sehr wichtig die Milchproduktion immer mit dem Signal der Nachfrage aufrecht zu erhalten. Die Milchbildung wird also „autokrin“ gesteuert. Wichtig für die Milchproduktion ist weiterhin ein gesundes Hormonsystem der Mutter. Die Milchproduktion der Mutter wird im wesentlichen durch den Hunger des Babys gesteuert: es wird immer soviel Milch produziert, wie auch getrunken wird. Die Milchproduktion pendelt sich also auf den Bedarf ein. Wenn dieser aus irgendeinem Grunde gestört ist, dann wird vielleicht zu wenig Milch produziert. Es ist also unbedingt auf eine normale Entleerung der Brust zu achten! Wenn Dein Baby dies alleine nicht schafft, dann müssen eventuell zusätzliche Maßnahmen getroffen werden um die Brüste zu entleeren.

Die Milchproduktion wird ungefähr in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Entbindung genau auf die Nachfrage des Kindes eingestellt. In der Regel ist dies bei den meisten Babys ungefähr 700 bis 900 Milliliter Muttermilch pro Tag (in den ersten sechs Monaten). Dies ist aber nur der Durchschnittswert! Es gibt auch gesunde Babys, die mehr als 1300 Milliliter Milch pro Tag verzehren, andere nur um die 500 Milliliter Muttermilch. Es kann auch manchmal vorkommen, dass die Milchmenge am Anfang oberhalb des Bedarfes des Kindes liegt, das bedeutet, es ist zu viel Milch in der Brust. Diese Überproduktion reguliert sich aber auch wieder auf den eigentlichen Bedarf des Kindes herunter. Im umgekehrten Falle wird die Milchproduktion auch gesteigert, damit sie dem Bedarf des Kindes entspricht. Es kommt dann zu einer Vermehrung des Brustdrüsengewebes, welches für die Milchbildung zuständig ist.

Also nochmals als wichtige Zusammenfassung: Vollständig entleerte Brüste führen zu einer Steigerung der Milchbildung. Werden die Brüste nicht gut geleert und liegen also volle Brüste vor, so wird die Milchbildung gebremst.

Abhängigkeit von dem Entleerungsgrad der Brust und der Milchmenge

Wissenschaftler haben eine Abhängigkeit des Entleerungsgrades der Brust und der sogenannten Milchbildungsrate nachgewiesen. Ebenfalls kann diese Milchbildungsrate sehr stark schwanken, ohne dass die es in irgendeiner Form von der Mutter bemerkt wird. Das Kind hat am Anfang noch ein sehr unregelmäßiges Trinkverhalten und trinkt eine Brustseite auch eher nicht vollständig leer. Meist wird die Brust nur zu ca. 70 bis 75 Prozent geleert. Aber wie bereits geschrieben, ist das Trinkverhalten hier manchmal sehr schwankend und nicht immer repräsentativ. Hier gilt wieder die gleiche Regel, von Angebot und Nachfrage: trinkt das Baby viel Milch aus der Brust, so wird viel neue Milch produziert. Trinkt das Baby eher weniger von der Muttermilch, so wird kaum neue Milch bzw. eher langsam neue Milch gebildet.

Dieser Effekt tritt bei den einzelnen Brustseiten vollkommen unabhängig voneinander auf. Das bedeutet also, es kann eine Brust geben, die viel Milch produziert und die andere eher weniger, weil sie unterschiedliche Impulse bekommen haben.

Baby Stillen

Flexibilität in der Phase der Beikostgabe

Diese sehr flexible und schnelle Art und Weise der Brüste und der Milchproduktion, kann sich die Milchbildung immer perfekt den Bedürfnissen des Kindes anpassen. Besonders deutlich wird das auch in der Phase der Beikostgabe. Hier verzehren die Kinder noch recht schwankend und launisch die Beikost. Die Menge kann sehr stark schwanken und es kann sogar zum vollständigen Stop des Verzehrs von Beikost kommen. In diesem Fall kann das Kind wieder vollständig durch die Brust bzw. mit Muttermilch versorgt werden, da die Milchproduktion wieder deutlich gesteigert wird, wenn das Kind wieder deutlich mehr Muttermilch trinkt und die Brust regelmäßig entleert. Dies kann aus einer Laune heraus sein, aber auch bedingt durch Erkrankungen des Kindes, wo diese wieder die Nähe zur Mutter und der Brust suchen. Es ist also überhaupt kein Problem, wenn Kinder wieder an die Brust zurückkommen, da die Milchbildung dann einfach wieder „hochgefahren“ wird. Die Produktion wird die gesteigert und das Kind erhält immer automatisch die Menge an Milch, die es braucht und fordert.

Beikost

Wie kann man erkennen, dass die Brust vollständig entleert wurde?

Ist die Brust leer bzw. fühlt sie sich so an, dann ist die Milchproduktion in dieser Brust bereits wieder in vollem Gange. Man kann sogar erkennen, wie leer die Brust ist. Wie? Indem man den Fettgehalt der Milch feststellt, welche gerade abgepumpt wurde. Perfekt ist es, wenn man dazu in einzelnen Abschnitten abpumpt und diese Milch dann auch in unterschiedlichen Behältnissen aufbewahrt. Wenn der Fettanteil in der abgepumpten Muttermilch noch sehr gering ist (unter 4 Prozent), dann handelt es sich um die erste Milch aus der Brust und die Brust dürfte noch relativ voll sein. Dabei handelt es sich um die sogenannte Vordermilch. Diese hat einen niedrigen Fettgehalt. In diesem Falle wird auch nur sehr langsam, sehr wenig neue Milch nachgebildet.

Wenn der Fettgehalt in der Muttermilch jedoch sehr hoch ist (meist über 10 Prozent), dann ist dies ein Indiz für eine fast vollständige Entleerung der Brust. Im Anschluss daran, wird die Milchproduktion natürlich auf Hochtouren laufen! Es gilt also die Regel: umso mehr Milch entleert wird, umso höher ist der Fettgehalt der Muttermilch (hier konkret der sogenannten Hintermilch). Die Milch mit dem hohen Fettgehalt erscheint eher weißlich und die Milch mit dem niedrigen Fettgehalt eher wässrig. Es ist also durchaus möglich, den Transparenzgrad (also eher wässrig oder eher dicklich weiß) als Indikator für den Entleerungsgrad der Brust zu nehmen. Natürlich kann der Fettgehalt auch exakt bestimmt werden (Wissenschaftler würden die Muttermilch zentrifugieren um den exakten Wert zu bestimmen), aber für uns reicht tatsächlich der „Blicktest“. Wenn man die Milch in den Kühlschrank stellt, dann wird sich die Fettschicht oben auf der Muttermilch absetzen. Wie bereits schon einmal erwähnt, bestimmt also die Nachfrage das Angebot. Wird viel Muttermilch getrunken und die Brust vollständig entleert, dann wird sehr schnell und in großer Menge wieder Muttermilch produziert. Umgekehrt ist es bei noch relativ vollen Brüsten. Dann verlangsamt sich eher die Milchproduktion und die Milchbildung geht deutlich zurück.

Abhängigkeit von Brustdrüsengewebe und Milchmenge

Wenn die Milchbildung unmittelbar nach der Geburt nicht richtig in Gang gekommen ist (Gründe sind vielleicht: Krankheit des Kindes, Gabe von Medikamenten etc.), wird das Brustdrüsengewebe nicht in der erforderlichen Menge gebildet. Denn direkt nach der Geburt befindet sich die Mutter bzw. die Milchproduktion in einer Anpassungsphase auf das Kind. In dieser Zeit pendelt sich dann die Muttermilchproduktion auf den Bedarf des Kindes ein und es wird entsprechend benötigtes Brustdrüsengewebe gebildet. Wenn die Nachfrage an Milch jedoch gering ist, wird dieses Brustdrüsengewebe sogar abgebaut (Involution). Es besteht also immer eine Abhängigkeit von Nachfrage und vorhandenem Brustdrüsengewebe und dann der davon abhängigen Milchproduktion. Umso mehr Brustdrüsengewebe vorhanden ist umso mehr Muttermilch kann auch produziert werden!

Wird die Nachfrage also dadurch gesteigert, dass oft und vollständig die Brust geleert wird, dann wird die Menge an Muttermilch deutlich gesteigert. Leider kann es in einigen Fällen aber trotzdem nicht ausreichen, das Baby satt zu bekommen und so muss noch etwas zugefüttert werden.

Neues Milchdrüsengewebe

Wenn Du Deine Brust gut, oft und vollständig entleerst, dann wird das Wachstum von Deinem Milchdrüsengewebe angeregt. Dieser Vorgang dauert aber unterschiedlich lange und kann von einigen Tagen bis hin zu einigen Monaten dauern. Besonders einfach und schnell gelingt das Anregen des Wachstums direkt nach der Entbindung. In dieser Zeit reagiert Dein Körper besonders schnell und möchte gerne instruiert werden. Die Zeitspanne geht von den ersten Tagen bis ungefähr sechs Wochen (manchmal auf deutlich weniger) nach der Geburt. Ist diese Phase vorbei, so braucht Dein Körper deutlich mehr Zeit die Milchproduktion wieder zu steigern und neues Milchdrüsengewebe zu bilden. Du musst dann sehr oft und häufig die Brust entleeren und dies ist ganz schön anstrengend und arbeitsintensiv. Da fordert viel Elan und Ausdauer von Dir und einen starken Willen. Ideal ist es natürlich, wenn Du in dieser Zeit Unterstützung von Deinem Partner erfahren kannst.

Wenn die hormonelle Situation der Frau es nicht mehr zulässt oder tatsächlich die Kraft und der Wille für die ganzen Maßnahmen schwinden, dann kann das erforderliche Brustdrüsengewebe vielleicht aber auch nicht mehr gebildet werden. Wie gesagt, es ist sehr anstrengend und erfordert viel Disziplin und einen eisernen Willen.

Baby Stillen

Teilstillen kann sinnvoll sein

Falls es nicht gelingen will, das Kind voll zu stillen, so kann es aber durchaus sinnvoll sein, das Teilstillen als Unterstützung für die Beikostgabe weiter durchzuführen. Hierbei geht es also nicht darum die Milchmenge zu steigern, oder neues Brustdrüsengewebe zu bilden, sondern einfach die vorhanden Milchproduktion zu erhalten und sinnvoll in der Zukunft zu nutzen. Dieses ergänzende Stillen kann dann über Jahre aufrecht erhalten werden, sofern der Bedarf da ist.

Wenn Du ein sogenanntes Vollstillen erreichen willst, dann solltest Du also direkt nach der Entbindung mit dem vollständigen Entleeren Deiner Brüste beginnen. Im Schnitt müsste dies bei ungefähr zehn Mal am Tag liegen, kann aber auch mal 1-2 Mal weniger oder mehr sein. Weiterhin wird vermutet, dass eine Abhängigkeit zwischen dem Prolaktinspiegel und dem Milchdrüsengewebe besteht. Ebenfalls dann zwischen dem Prolaktinspiegel, den Prolaktinrezeptoren und den aktiven Brustdrüsen. Die Schlussfolgerung ist eine kontinuierliche Milchbildung, auch ohne einem hohen Prolaktin-Spiegel, weil ausreichend aktives Brustdrüsengewebe vorhanden ist.

Der niedrige Prolaktin Spiegel wird medikamentös behandelt

Ein niedriger Prolaktin-Spiegel ist unmittelbar auch verantwortlich für eine niedrige Milchbildung und soll erhöht werden, um eine Steigerung der Muttermilchbildung zu erreichen. Laktationsberaterinnen nutzen dazu Galaktogoga, welche den Prolaktin Spiegel steigern können. Im europäischen Raum wird dazu das Medikament „Domperidon“ genutzt, welches wo relativ schnell eine Steigerung der Milchproduktion erwirken kann. Es wird berichtet, dass dies bereits nach wenigen Tagen (schon nach vier Tagen!) der Fall ist. Das Medikament ist verschreibungspflichtig und wird eigentlich auch gegen Erbrechen, Übelkeit und Magenproblemen eingesetzt. Niemand kann zur Zeit sagen, wie die richtige Dosierung ist, da jeder Mensch anders darauf reagiert.

Weiterhin steigt mit einer höheren Dosierung auch das Risiko der Nebenwirkungen. Es gibt eine empfohlene Tagesdosierung von maximal drei mal 10 mg pro Tag. Diese Empfehlung hat das Embryotoxikologischen Beratungszentrum ausgesprochen. Für die deutliche Steigerung der Milchproduktion sprechen Still- und Laktationsberaterinnen jedoch eine deutlich höhere Dosis aus. So wird hier manchmal sogar drei mal 30 mg pro Tag empfohlen um ein Ergebnis zu erzielen.

Wenn die Milchproduktion in Gang gekommen ist und die Milchmenge deutlich gesteigert wurde, so wird wie Tablette langsam wieder abgesetzt. Dies geschieht nicht direkt auf einmal, sondern tatsächlich in kleinen und langsamen Schritten. Nicht jede Stillberaterin empfiehlt aber die Einnahme dieser Tabletten, da sie keine Nebenwirkungen verursachen wollen. Es liegt also absolut an der Mutter, ob sie dieses Risiko eingehen will. Auf jeden Fall, sollte das Medikament „Domperidon“ aber nur von gesunden Frauen ohne Vorerkrankungen oder chronischen Krankheiten eingenommen werden.

Es gibt noch ein weiteres Medikament, welches eingesetzt werden kann, was aber noch deutlich gefährlicher ist. Es ist das Arzneimittel „Metoclopramid“. Dieses Medikament ist jedoch in der Muttermilch zu finden und überschreitet sogar die Blut-Hirn Schranke! Das sind genau die Gründe, warum man in Europa lieber zu dem Medikament „Domperidon“ rät.

Beide Medikamente sind übrigens keine Garantie für eine deutliche Steigerung der Milchproduktion! Die Wirkung ist bei jeder Frau anders! Insgesamt gesehen, verschreiben aber recht wenige Ärzte in Deutschland überhaupt die Mittel Metoclopramid bzw. Domperidon. Dies liegt daran, dass die Medikamente eigentlich offiziell nicht für die Milchsteigerung gedacht sind. Nur wenn die Ärzte Erfahrungen, Kontakte oder vielleicht selbst eine Ausbildung in der Richtung Stillberatung haben, dann werden diese Medikamente bzw. Galaktogoga verschrieben.

Globuli

Weitere Mittel zur Milchsteigerung

Zur Milchsteigerung werden noch weitere Mittel eingesetzt. Dazu zählen zum Beispiel: Milchbildungstees oder sogenannte Globuli. Doch nicht jeder Tee ist auch wirklich sinnvoll bzw. geeignet. So gibt es zum Beispiel einige Tees, die eher ungeeignet sind, da die genutzten Kräuter sogar schädlich für das Kind sind. Durch Studien oder weitere Untersuchungen konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass die Milchbildung tatsächlich durch diese Milchbildungstees gesteigert werden kann.

Auch sehr strittig ist der Einsatz von Bockshornkleesamen. Die unter dem lateinischen Namen „Foenum Graecum“ registrierten Samen, können nämlich sogar heftige allergische Reaktionen verursachen. Wichtige Studien und Auswertungen zu der Wirksamkeit der Samen fehlen ebenfalls. Nebenwirkungen wurden aber sehr wohl registriert. Dazu zählen zum Beispiel: unangenehmer Durchfall, eine sehr starke Schweißbildung, großer Hunger, Steigerung von Asthmasymptomen bzw. Problemen. Unter den Stillberaterinnen und auch bei einigen Hebammen, wird dieses Bockshornklee jedoch empfohlen und eingesetzt. Wohl nur als Ergänzung zu der laufenden Behandlung, aber es wird genutzt.

Die Bockshornkleesamen werden in verschiedenen Formen angeboten: als Pulver oder Tee oder ganz einfach als Kapsel. Die Mütter werden die Wirkung der Bockshornkleesamen erst nach ungefähr 4 Tagen bemerken können. Wenn die Milchbildung etwas zugenommen hat, dann können die Mütter nach ungefähr zwei Wochen ausprobieren, ob die Milchproduktion erhalten bleibt, auch wenn die Bockshornkleesamen weggelassen werden. Sollte die Produktion zurückgehen, so muss der Wirkstoff weiter eingenommen werden.

Globuli

Wann Galaktogoga?

Die bereits oben erwähnten Galaktogoga sollten nur als Ergänzung angesehen werden und wirklich auch nur im „Notfall“ genutzt werden. Das bedeutet: sie sollen nur zum Einsatz kommen, wenn die Milchmenge ohne Medikamente tatsächlich nicht ausreichend gesteigert werden kann. Die grundsätzlichen Maßnahmen, wie zum Beispiel die notwendige, gründliche Entleerung der Brüste (im Schnitt ungefähr 10 Mal pro Tag) wird vorausgesetzt. Denn ohne diese, haben die Galaktogoga überhaupt keine Auswirkungen auf die Steigerung der Milchbildung. Bevor die Medikamente eingesetzt werden, müssen zahlreiche andere Ursachen für die Milchbildungsprobleme vom Arzt ausgeschlossen werden.

Welche könnte dies sein? Nun, hier gibt es zum Beispiel: eine Anämie oder eine Schilddrüsenerkrankung. Das polyzystische Ovarsyndrom oder etwa einige Plazentareste in der Gebärmutter. In dieser Situation hat die Einnahme der Galaktogoga natürlich auch keine Auswirkung auf die Bildung der Muttermilch. Vielmehr muss der Arzt diese Erkrankungen dann behandeln, was unmittelbar auch positive Auswirkungen auf die Milchbildung haben sollte!

Wie kann man die Milchbildung steigern?

Die Vorschläge bzw. Methoden für eine langfristige Erhöhung der Milchbildung ähneln denen der kurzfristigen natürlich sehr bzw. es sind identische Vorschläge.

Wenn Du die Milchbildung bzw. die Milchproduktion Deiner Brüste deutlich steigern möchtest, dann musst Du unbedingt darauf achten, dass die Brüste immer gründlich geleert werden. Es soll nach Möglichkeit keine Muttermilch mehr in den Brüsten verbleiben. So sendest Du ein deutliches Signal. Denn die Nachfrage bestimmt das Angebot! Leere Deine Brüste also laufend über den ganzen Tag verteilt. Um das zu erreichen, solltest Du unbedingt auf die ideale Anlegeposition für Dich und Dein Kind achten! Denn diese Stillpositionen kann entscheidend sein und großen Einfluss auf den Stillerfolg nehmen. Tipps und Ratschläge dazu, findest Du hier in unseren anderen Artikeln.

Damit das Baby ohne Probleme und möglichst oft angelegt werden kann, sollte es direkt neben der Mutter schlafen. Dazu ist die Schlafstätte natürlich sicher einzurichten, damit das Kind nicht aus Versehen aus dem Bett fallen kann oder die Mutter im Schlaf auf dem Baby liegt. Dazu empfehlen wir entsprechende Bettschutzgitter und Kissen im Bett. Wenn sich das Baby in der Nacht meldet, dann solltest Du es einfach kurz anlegen und alles geschieht im Halbschlaf. Das kann alle ein bis zwei Stunden passieren und ist vollkommen normal. Sicherlich ist dies für die Mütter sehr anstrengend und zehrt an den Kräften und ist eine psychische Belastung. Diese Belastung lohnt sich aber auf jeden Fall und Du solltest Dir die Unterstützung bei Deinem Partner und in Deiner Familie holen, da das Stillen sehr wichtig und sinnvoll ist. Natürlich bleibt dieser Stillrhythmus nicht immer so und wird mit der Zeit für die Mutter angenehmer werden, da die Häufigkeit des Stillens weniger werden wird.

Dein Kind benötigt viel Hautkontakt um Sicherheit und Nähe spüren zu können. Beim Stillen geht es nicht nur um die reinige Nahrungsaufnahme Deines Kindes, sondern auch um eine Bestätigung der Sicherheit und der Nähe zur Mutter. Oft ist es auch ein Trost spenden. Wie kannst Du den Hautkontakt zu Deinem Kind möglichst einfach gestalten und gut in Deinen Tagesablauf integrieren? Über die Nähe zum Kind im Bett, haben wir bereits berichtet. Doch über den Tag musst Du vielleicht auch einige Sachen im Haus oder der Wohnung organisieren oder erledigen und möchtest dafür zwei freie Hände haben? Nun, wir empfehlen hier (auch aus der eigenen Erfahrung heraus) das Tragetuch. Du bindest Dir Dein Kind auf die Brust und kannst es ohne Probleme und auch ohne Deine Hände zu gebrauchen, umher tragen. Das Kind riecht Dich und spürt Deine Nähe und ist beruhigt und zufrieden. Und wenn es gestillt werden möchte, dann ist das Anlegen sehr einfach, da es ja schon auf der Brust liegt. Durch den Hautkontakt werden die wichtigen Hormone Oxytocin und Prolactin automatisch gebildet!

Mit Hilfe der Methode der Brustkompression kann die rasche und häufige Entleerung der Brust noch weiter unterstützt werden. Bei dieser Methode wird die gerade vom Kind genutzte Brust mit den Fingern immer wieder zusammengedrückt, um den Milchfluss noch weiter zu erhöhen. Ganz genau drückt man hier von einer Seite mit dem Daumen und von der anderen Seite mit den restlichen Fingern die Brust immer wieder zusammen. Man presst quasi die Brust zusammen und dies führt zu einem schnelleren und effektiveren Milchfluss. Durch diese Maßnahme kann man das Kind sogar wieder zum Trinken animieren. Wenn es an der Brust ist und nicht mehr so effektiv saugt bzw. schluckt, so hilft die Brustkompression hier um den Schluckvorgang anzuregen. Wenn die Mutter mit dem Pressen der Brust aufhört, dann fängt das Kind automatisch wieder an mit dem Saugen. Der Milchspendereflex wird so verbessert und auch die Hintermilch (welche besonders fettreich ist), wird von dem Baby getrunken. Diese Kompression der Brust soll aber nur dann ausgeführt werden, wenn das Kind nicht mehr so gut an der Brust trinkt. Ein hilfreiches Video findest Du hier:

Wichtig ist auch, dass Du auf jeden Fall immer beide Deiner Brüste für die Stillmahlzeit anbietest. Ist die eine Brust also vollständig geleert, so bietest Du Deinen Kind auf jeden Fall auch die zweite Brust noch an! Diese Maßnahme ist wichtig, um die Milchproduktion anzuregen. Wenn Du bereits einige Zeit erfolgreich stillst, dann kann es sein, dass dies gar nicht mehr notwendig ist, weil Dein Kind schon nach dem Stillen an einer Brust satt ist.

Die Milchproduktion kann auch gesteigert werden, wenn das sogenannte Wechselstillen angewandt wird. Wird Dein Baby müde und schläft fast beim Stillen an der einen Brust ein, dann kannst Du es aktiv wieder an der anderen Brust anlegen und ein erneutes ansaugen beim Kind erreichen. Auch wenn Dein Baby nur zwei bis dreimal richtig an der Brust saugt, so kannst Du mit dem Wechselstillen einen höheren Grad an Entleerung in der Brust erreichen. Auch wenn Dein Kind nur kurz trinkt, so solltest Du Dich davon nicht entmutigen lassen. Wenn Das Neugeborene an der Brust einschläft, so sollte es immer wieder sanft geweckt werden, damit es weiter trinkt. Wichtig ist aber ein ruhiges und behutsames Wecken, damit das Kind keine negativen Gedanken zum Stillen an der Brust verinnerlicht.

Wenn Dein Kind schon älter ist, dann wird es dieses Verfahren schon eigenständig anwenden und immer hin- und her zwischen den Brüsten wechseln, bis diese dann fast vollständig geleert sind.

Reicht die Milchmenge noch nicht aus, um das Kind satt zu bekommen, so kann eine Zufütterung von Muttermilch mit einem sogenannten Brusternährungsset erfolgen. Andere Formen der Zufütterung sind die Gabe von Muttermilch mit einem Becher oder zum Beispiel einem Löffel. Die Nutzung von einer Flasche soll ausdrücklich vermieden werden, da sie vermutlich eine Saugverwirrung auslösen wird.

Wenn das Kind Probleme hat

Sofern Dein Baby vielleicht gerade vorübergehend nicht in der Lage ist, die Brust gut genug zu leeren, so ist es Deine Aufgabe hier noch aktiv zu werden. In diesem Falle musst Du die Brust noch zusätzlich entleeren, damit die Milchproduktion nicht gedrosselt wird. Denn es gilt die Regel: die Nachfrage bestimmt das Angebot! Du hast nun die Möglichkeit, die Muttermilch mit der Hand oder mit einer Milchpumpe zu entleeren. Ganz wichtig ist hier die Wahl der richtigen Milchpumpe und der korrekten Bedienung dieser Pumpe. Die Milchpumpe sollte relativ leise sein, einfach in der Bedienung und möglichst sanft zu Deinen Brustwarzen.

Bei dem Abpumpen solltest Du immer beide Deiner Brüste möglichst gleichstark bzw. gleichzeitig entleeren. So kannst Du sogar noch Zeit sparen! Beim Start des Abpumpvorganges sollte nach Möglichkeit erst einmal sanft in der sogenannten Stimulationsphase gestartet werden. Dabei wird der Milchspendereflex ausgelöst und danach kann dann die Stärke des Vakuums erhöht werden.

Gerade wenn Dein Baby noch schwach ist und die Brüste noch nicht gründlich leert, solltest Du immer nach dem Stillen noch die restliche Muttermilch aus den Brüsten entleeren. So kannst Du die Muttermilchproduktion erhalten bzw. sogar erhöhen! Die abgepumpte Milch soll entsprechend gut gelagert werden.

Immer weiter entleeren

Die Brust soll immer weiter geleert werden, auch wenn Dein Baby nicht an die Brust geht. Im Schnitt solltest Du Deine Brüste auf jeden Fall ca. 10 Mal entleeren. Und zwar immer wieder über den ganzen Tag verteilt. Mach also bitte keine lange Pausen zwischen dem Entleeren der Brust, sondern leere die Brüste regelmäßig und oft am Tag! Du kannst Dir die Zeiten in einem sogenannten Brustentleerungsprotokoll notieren, damit Du nicht durcheinander kommst!

Die Milch fließt besser, wenn Du die Brust für das Pumpen etwas erwärmst. Schaffe Dir eine warme Umgebung oder nutze Temperaturkompressen für die Brust, damit die Muttermilch besser fließen kann. Dies ist nämlich bei einer warmen Temperatur der Fall.

Für einen guten Milchfluss ist auch die innere Ruhe der Mutter ganz wichtig! Stress kann den Milchspendereflex sogar blockieren und deshalb sorge für Ruhe und Entspannung. Habe keine Angst und sei nicht verkrampft: alles wird gut!

Eine ruhige und warme Atmosphäre und eine wunderbare Brustmassage während des Pumpvorganges sorgen für eine guten Milchspendereflex und eine gute Entleerung der Brüste mit einem guten Fettanteil in der Muttermilch. Wie kannst Du Deine Brüste nun gut massieren, wenn Du mit dem Abpumpen beschäftigt bist? Nun, es empfiehlt sich hier die Anwendung bzw. Nutzung von sogenannten Pumpbustiers, die die Trichter der Milchpumpe festhalten und Du somit Deine Hände frei nutzen kannst.

Die Milchmenge kann auch gesteigert werden, wenn man das sogenannte Hands-on-Pumping oder das Power Pumping anwendet. Dabei wird die Brust im Schnitt mindestens 10 Mal geleert. Und zwar in Kombination durch Abpumpen, durch Handentleerungen und das Stillen. Daneben wird auch das Hands-on-Pumping oder Power Pumping durchgeführt. Normalerweise kommt es bei den Säuglingen immer in der Zeit vom Nachmittag bis hin zum Abend zu einem häufigen und intensiven Intervalltrinken. Dabei wird eben besonders häufig gesaugt, sodass die Milchbildungsrate deutlich gesteigert wird. Du erinnerst Dich: die Nachfrage bestimmt das Angebot!

Wenn Du nun das Power Pumping durchführen willst, dann solltest Du Dir einen Ablaufplan notieren, bei dem Du über einen Zeitraum von ungefähr 2 Stunden immer wieder für ca. 5 Minuten abpumpst und dies alle 10 Minuten. Bei diesem Vorgang soll eigentlich gar nicht wirklich Milch gewonnen werden, sondern es geht eher um das Zeichen an die Natur, dass wieder mehr Muttermilch gebildet werden soll! Du solltest den ganzen Vorgang noch unterstützen, indem Du in den Pumppausen immer wieder Deine Brust massierst und so die Muttermilch und das Milchfett gut in der Brust lösen kannst und den sogenannten Milchspendereflex wieder in Gang bringst.

Unterstützung durch Vater

Ruhe und Entspannung

Für die Stillzeit benötigst Du am Anfang viel Kraft, Ruhe und Entspannung. Besonders toll wäre es also natürlich, wenn Dir Deine Familie und Dein Partner hier viel Arbeit im Haushalt abnehmen würden. Hilfe beim Haushalt, bei der Betreuung von Geschwisterkindern oder dem Einkaufen sind natürlich super. So kannst Du Dich voll und ganz auf das Stillen konzentrieren und die Muttermilchproduktion auf das benötigte Niveau bringen. Wir wünschen Dir viel Erfolg und eine schöne Stillzeit!

Weitere interessante Artikel:

Du hast zu wenig Milch?

Warum klappt das Stillen nicht?

Was tun bei Brustverweigerung?

Vorder- und Hintermilch beim Stillen

Unterschiedliche Brüste während der Stillzeit

Schwangere oder stillende Mütter mit Asthma

Stillmode bzw. Stillkleidung für Frauen

Auch im Sommer bietet die Muttermilch genügend Flüssigkeit fürs Baby

Nach einem Kaiserschnitt Stillen?

Wenn keine Milch mehr fließt: Der Milchspendereflex funktioniert nicht mehr

Was sind Regulationsstörungen?

Die Milchbildung direkt nach der Entbindung

Stillen direkt nach der Geburt

Wann Stillen ausgeschlossen oder schwierig ist