Stillen direkt nach der Geburt

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Stillen direkt nach der Geburt

Sa., 04/25/2020 - 12:40
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Stillen ist nicht nur die Nahrungsaufnahme des Kindes, sondern auch die Bestätigung für Dein Baby, dass es nicht alleine ist, sondern von seiner Mutter versorgt und beschützt wird. Es ist also auch eine Form von Verbundenheit und Beruhigung. Deshalb ist es besonders wichtig, Deinem Kind diese Verbundenheit unmittelbar nach der Geburt zu zeigen. Der Hautkontakt ist sehr wichtig, denn er signalisiert dem Kind Sicherheit und Versorgung.

Du solltest also versuchen, Dein Kind direkt in der ersten Stunde nach der Geburt zu stillen. Nach Möglichkeit sollte dies natürlich in Ruhe und in einem ungestörten Umfeld stattfinden. So lernt das Kind schnell sein Mutter kennen, fühlt sich sicher und startet auch die Milchbildung, die für eine weitere (gelungene) Stillbeziehung so wichtig ist.

Fehler der Vergangenheit

Leider war es in der Vergangenheit durchaus üblich, das Kind unmittelbar nach der Geburt von der Mutter zu trennen. Es wurde gewaschen, untersucht und angezogen und in ein Kinderbett gelegt. Dieses ist für die Mutter-Kind-Beziehung natürlich absolut nicht förderlich und kann sogar eine natürliche Stillbeziehung gefährden. Tatsächlich gibt es auch heute noch Kliniken, die dieses unglückliche Verfahren nach der Geburt noch praktizieren. Erkundige Dich also am Besten bereits vor der Geburt nach dem genauen Ablauf in der Geburtsklinik Deiner Wahl.

Wir haben bereits erwähnt, dass der unmittelbare Körper- bzw. Hautkontakt nach der Geburt so wichtig ist. Der Hautkontakt ist nicht nur für das Kind wichtig, sondern auch für die Mutter, denn er löst die Bildung von Hormonen aus. Diese wichtigen Hormone (zum Beispiel Prolaktin) sind unter anderem auch für die Milchbildung essentiell wichtig! Die Natur hat hier als einen perfekten und in sich geschlossen Plan, eine regelrechte Ablaufkette, geschaffen. Diese darf nicht vom Menschen gestört werden, um Probleme zu vermeiden. Lassen wir also einfach der Natur ihren freien Lauf und alles wird gut. Dein Kind wird Dir auch Zeichen geben, wenn etwas nicht stimmt. So wird es vermutlich auch mehr weinen, wenn es den Hautkontakt zu Dir vermisst.

Stillen direkt nach der Geburt

Hautkontakt nach der Geburt

Erfreulicherweise haben sehr viele Krankenhäuser den Ablauf nach der Geburt optimiert. So wird das Baby, nach der Geburt, meist direkt auf den Bauch der Mutter gelegt und schnellstmöglich einen Hautkontakt herzustellen. Es wird nicht mehr gewaschen, sondern einfach leicht abgetrocknet und in ein Tuch gewickelt um es zu wärmen.

Wenn alles perfekt organisiert ist, dann haben die Mutter und das Kind dann ungefähr ein bis zwei Stunden Zeit um sich in Ruhe kennen zu lernen. Wenn sich das Kind etwas von der Geburt ausgeruht hat (in der Regel dauert dieser Vorgang ca. 30 Minuten), wird es den Weg zur Brust suchen. Lege Deine Brust also frei und ermögliche dem Kind den Kontakt zu dieser. Das Baby wird die Brustwarze eigenständig finden und dann nach ungefähr fünfzig bis sechzig Minuten anfangen daran zu saugen. Das Wunder der Natur nimmt seinen Lauf. Die englische Fachbezeichnung lautet „breastcrawl“ und Du kannst Dir auch Youtube einige Videos dazu anschauen.

Die medizinische Intervention

Leider gibt es in den Geburtskliniken Situationen oder auch Abläufe, welche eine Trennung von Mutter und Kind auslösen. Diese sind natürlich sehr ungünstig für die Stillbeziehung und das Miteinander von Deinem Kind und Dir.

Sofern die Trennung medizinisch angezeigt ist (gesundheitliche Probleme nach einem Kaiserschnitt etc.) so lässt es sich manchmal leider nicht vermeiden. Wenn die natürlichen Abläufe aber einfach nur aufgrund einer Regelung der Klinik gestört werden sollen, so kannst Du Dich auch dagegen wehren. Wenn das Klinikpersonal also versucht, die Mutter von dem Kind zu trennen, dann solltest Du oder Dein Partner dies nicht zulassen, sofern es dafür keinen wichtigen, medizinischen Grund gibt. Selbst beim Nähen des Dammschnitts der Mutter kann Dein Baby auf Deinem Bauch liegen bleiben.

Nur das nötigste an medizinische Versorgung sollte erfolgen und alles andere kann auch deutlich später erfolgen. Sucht die Ruhe und die Zeit für Dein Baby. Wenn die ersten zwei Stunden nach der Geburt vorüber sind, dann sind die meisten Babys so müde, dass sie in einen sehr tiefen Schlaf fallen. Diese Zeit bietet sich dann für eine weitere medizinische Versorgung der Mutter an.

Der natürliche Brustsuchreflex Deines Kindes

Wir haben bereits erwähnt, dass Dein Baby nach der Geburt instinktiv den Weg zu Deiner Brust suchen wird. Es handelt sich dabei um einen angeborenen Suchreflex. Wenn dieser durch das Klinikpersonal gestört wird oder gestört worden ist, so kannst Du Dein Kind auch dabei unterstützen. Wenn Du erkennst, dass Dein Kind eine Art „nickende“ Suchbewegung durchführt, dann solltest Du Dein Kind in die Nähe Deiner Brust legen. Suche Dir eine angenehme Stillposition bzw. Anlegeposition aus und warte, bis das Kind seinen Mund leicht öffnet. Nun kannst Du dabei unterstützen, an die Brust „anzudocken“.

Dabei wird bereits durch die Berührung Deiner Brustwarze die Milchbildung gestartet. Es ist also auf jeden Fall sinnvoll, auch wenn Dein Baby noch nicht effektiv saugen sollte.

Die ersten Stunden entscheiden

Wenn das Stilen bzw. das Andocken innerhalb der ersten zwei Stunden nicht möglich war, dann sollte es unbedingt und schnellstmöglich nachgeholt werden. Selbst wenn die Mutter und das Kind noch müde sind und vielleicht noch schlafen, dann sollten sie trotzdem geweckt werden, um die Stillbeziehung zu starten. Der Hautkontakt ist dabei essentiell wichtig und kann natürlich auch beim Schlafen erfolgen. Unterstützen und erleichtern kann man diesen Vorgang mit Decken oder Tragetüchern. Um eine effektive Milchbildung zu starten, sollte das Stillen innerhalb der ersten sechs Stunden einmal erfolgreich erfolgt sein.

Wenn dies aufgrund einer Erschöpfung des Kindes vielleicht nicht möglich ist, so sollte die Mutter das Kolostrum hier mit der Hand ausstreichen oder eine Milchpumpe benutzen. (Hier lesen: das Abpumpen von Muttermilch) Sehr wichtig ist dann ein regelmäßiges Stillen innerhalb eines maximal drei Stunden Rythmuses. Nur so garantierst Du eine ausreichende Produktion von Muttermilch bzw. eine ausreichende Milchmenge, um Dein Baby zu versorgen.

Stillen

Natürliches Stillen fördern

Wir haben bereits das sogenannte „breastcrawl“ erwähnt und wollen Dich nun dazu animieren, dies auch in dem weiteren Verlauf Eurer Stillbeziehung immer wieder auszuprobieren. Legt Euch dazu in angenehmer Athmosphäre (warme und ruhige Umgebung) auf Dein Bett oder eine andere gute Liegesituation und ermögliche Deinem Kind dann den direkten Hautkontakt. Dazu kannst Du Dich mit Deinem Kind (nur mit Windel) nackt in Dein Bett legen und eine zurückgelehnte Stillposition einnehmen. Das löst bei Deinem Kind dann wieder den angeborenen Reflex aus, die Brustwarze zu suchen und dann „anzudocken“. Auch hier kannst Du dem Plan der Natur vertrauen und es einfach natürlich geschehen lassen.

Unser Fazit

Das Stillen ist für Mutter und Kind immens wichtig. Ganz besonders ist ein unmittelbarer Hautkontakt nach der Geburt wichtig. Er löst natürliche und wichtige Reaktionen bei Kind und Mutter aus und fördert eine gesunde Stillbeziehung. Wir wünschen Dir eine schöne Stillzeit. Dein Stillgruppen.de!

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