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Kinderwunsch, Sexualität und Verhütung in der Stillzeit

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Kinderwunsch, Sexualität und Verhütung in der Stillzeit

So., 12/15/2019 - 17:31
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Auch in der Stillzeit geht es um die Themen: Kinderwunsch, Verhütung und Sexualität.

Junge Eltern werden nach der Geburt ihres Kindes mit vielen Fragen konfrontiert. Sie denken darüber nach, wie ihre Sexualität durch das Stillen beeinflusst wird, welche Methode der Verhütung am geeignetsten ist und inwieweit eine neue Schwangerschaft möglich ist. Bei der Beantwortung dieser Fragen, gibt es eine Aspekte, die beachtet werden müssen.

Zu Beginn der Stillzeit bleibt der Eisprung aus

Häufig kommt nach der Geburt die erste Periodenblutung nach circa sechs bis acht Wochen. Allerdings ist dies nicht bei allen stillenden Frauen der Fall. Besonders, wenn sehr häufig gestillt wird, kann dies den Eisprung verhindern. Die Folge ist, dass keine Menstruationsblutung zu Stande kommt. Normalerweise ist auch das erneute Schwangerschaften dann in dieser Zeit nicht möglich. Abhängig von der Intensität des Stillens und der jeweiligen Dauer, kann dieses Phänomen, das als Laktationsamenorröh bezeichnet wird, sogar länger als zwei Jahre anhalten. Allerdings ist dies in der heutigen Zeit eher selten der Fall, da Kleinkinder oder bereits ältere Säuglinge nicht mehr so intensiv und lange gestillt werden.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Fruchtbarkeit, und damit auch die Menstruation, zurückkommt, sobald die Intensität des Stillens abnimmt. Dies kann auch bei einer vorübergehenden Reduzierung der Stillzeit der Fall sein. Schläft das Neugeborene nachts oft durch, dann kann dies ebenfalls dazu führen, dass trotz des Stillens die Menstruation schon bald zurückkommt.

Auch, wenn die Menstruation ausbleibt, kann es in seltenen Fällten trotzdem zu einer erneuten Schwangerschaft kommen. Es ist nämlich möglich, dass der erste Eisprung schon vor der Periodenblutung stattfindet. Allerdings sind die Phasen der ersten Zyklen nach der Geburt oft nicht sehr fruchtbar, da noch ein Ungleichgewicht bei den Hormonen besteht. Eine normale Regel stellt sich circa nach dem dritten Zyklus wieder ein. Danach sollte die Fruchtbarkeit der Frau wieder auf einem normalen Level liegen, auch, wenn noch gestillt wird. Sollte eine hormonelle Behandlung aufgrund eines Kinderwunsches absolviert werden, darf nicht mehr gestillt werden, da zu viele hochdosierte Hormone verabreicht werden.

Stillzeit – Die Verhütung

Die Wahl der richtigen Methode zur Verhütung wird am besten schon vor der Geburt des Kindes, spätestens aber bei dem Besuch des Frauenarztes zur Nachsorge, besprochen. Es gibt viele Faktoren die hierbei eine Rolle spielen und entscheiden, welche Methode der Verhütung gewählt werden sollte. Dies sind beispielsweise die Wünsche des Partners, die zukünftige Familienplanung, der Gesundheitszustand, das Alter und die bisherigen Erfahrungen mit Verhütungsmitteln. Auch das Stillen muss bei dieser Wahl berücksichtigt werden.

Damit eine erneute Schwangerschaft vermieden werden kann, muss auch während der Stillzeit, selbst, wenn keine Periodenblutung vorhanden ist, bewusst verhütet werden. Es gibt unterschiedliche Methoden, die für die Verhütung infrage kommen.

Die Laktationsamenorrhö-Methode, kurz LAM

Da das Stillen in den ersten Wochen nach der Kindesgeburt verhütend wirkt, kann dies natürlich eingesetzt werden, um eine nächste Schwangerschaft zu vermeiden. Die Wirksamkeit dieser Methode wurde bereits durch zahlreiche Studien, besonders in der dritten Welt, bestätigt. Allerdings muss dabei ausgeschlossen werden, dass vor der ersten Blutung nach der Geburt bereits ein Eisprung stattfindet. Wenn in der ersten Zeit sehr oft und intensiv gestillt wird, kann davon ausgegangen werden, dass kein Eisprung stattfindet. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt allerdings mit der Zeit, beispielsweise durch längere Pausen des Stillens. Daher müssen verschiedene Bedingungen erfüllt werden, damit die Empfängnisverhütung mit der LAM als wirklich sicher eingestuft werden kann. Diese sind:

  • Es gab nach der Geburt noch keine Periodenblutung
  • Das Stillen des Kindes erfolgte seit dem Geburtstag ununterbrochen, auch nachts und nach Bedarf
  • Das Alter des Kindes übersteigt sechs Monate nicht

Sind diese drei Voraussetzungen gegeben, dann liegt der Schutz vor einer Empfängnis zwischen 98 und 99 Prozent. Wenn eine dieser Voraussetzungen allerdings nicht mehr gegeben ist, dann müssen weitere Methoden zur Verhütung angewandt werden.

Das Anwenden von Kontrazeptiva in der Stillzeit

Die Barrieremethoden, wie Portiokappe, Scheidendiaphragma und Kondom können in der Zeit des Stillens verwendet werden. Die Portiokappe und das Diaphragma müssen allerdings neu vom Arzt nach der Geburt angepasst werden. Besonders von Vorteil sind Kondome, die mit Gleitmitteln angewendet werden. Die Scheide kann in der Zeit des Stillens nämlich sehr trocken und unelastisch sein, wobei Gleitmittel gut helfen können.

Kondome

Ebenfalls möglich ist die symptothermale Methode, allerdings muss hier in der Stillzeit eine spezielle Einweisung gegebene werden. Der Zervixschleim wird dabei jeden Tag beobachtet und gemeinsam mit der jeweiligen Temperatur notiert. Es ist seit geraumer Zeit auch möglich, die im Urin vorkommenden Hormone zu messen. Während der LAM kann die Schleimbeobachtung auch helfen, um vor der ersten Menstruation den Eisprung festzustellen.

Um die Sicherheit der Verhütung zu erhöhen, werden zusätzlich Spermizide bei den Barrieremethoden angewendet. Die Anwendung in der Zeit des Stillens ist ohne Bedenken möglich.

Die Spirale

Eine der besten Methoden der Verhütung in der Stillzeit ist die Spirale. Die muss, nachdem sich die Gebärmutter nach der Geburt wieder zurückgebildet hat, durch den Arzt neu eingesetzt werden. Besonders geeignet ist die Spirale, wenn die Verhütung über einen längeren Zeitraum gewünscht ist. Studien haben gezeigt, dass das Kupfer, das von der Spirale abgegeben wird, nicht in die Muttermilch übertragen wird, weshalb die Spirale das Stillen nicht beeinflusst. Wenn es sich um eine Spirale handelt, welche Hormone ausstößt, sollte diese erst frühestens sechs Wochen nach der Kindesgeburt eingesetzt werden, ansonsten könnte dadurch die Bildung der Milch beeinflusst werden.

Mögliche Sterilisation

Ist die Familienplanung bereits abgeschlossen, kann auch eine Sterilisation der Mutter eine Alternative für die Verhütung sein. Sobald die Mutter nach diesem Eingriff wieder aus der Narkose erwacht, kann sie ihr Kind stillen. Allerdings sollte die Sterilisation nicht kurz nach dem Geburtstermin durchgeführt werden, damit sich das Kind erst einmal an das erste Stillen und den Hautkontakt mit der Mutter gewöhnen kann. Sinnvoll ist auch eine Sterilisation des Mannes, wenn dieser ebenfalls keine weiteren Kinder zeugen möchte.

Hormonelle Verhütungsmethoden

Die hormonellen Verhütungsmethoden müssen alle von einem Gynäkologen verschrieben werden. Die WHO gibt hierzu die Empfehlung, dass sechs Monate nach der Geburt Alternativen verschieben werden sollten, die keine Östrogene enthalten. Es handelt sich dann um vollständige Gestagenpräperate. Die Milchbildung kann durch hohe Konzentrationen von Östrogen nämlich eingeschränkt werden. Wenn die Frau unbedingt ein Östrogen-Präparat bevorzugt, sollte dieses in jedem Fall nur gering dosiert sein. Die Milchbildung kann allerdings auch durch die reinen Gestagen-Hormone beeinflusst werden, sofern diese direkt nach der Geburt eingenommen werden. Am besten werden die Präparate erst sechs Wochen nach der Geburt des Kindes eingenommen, damit sich Mutter und Kind erst einmal an das Stillen gewöhnen können und hier keine Komplikationen auftreten.

Die Hormonspirale

Die Hormonspirale kann genutzt werden, wenn die Verhütung langfristig gestaltet werden soll, ebenfalls ein Hormonimplantat. Gegner der herkömmlichen Pille können zu einer östrogenfreien Pille oder der Minipille greifen. Allerdings muss die Minipille immer an sehr genauen Zeiten eingenommen werden, was im Alltag oft nicht ganz einfach ist. Theoretisch käme auch die Drei-Monats-Spritze als Verhütungsmittel in Betracht, allerdings sind die Wirkstoffe hier sehr hoch dosiert, was in der Zeit des Stillens besser vermieden werden sollte.

Die Pille danach

Kommt es zur Verwendung der "Pille danach", muss das Stillen nicht unterbrochen oder ganz abgebrochen werden. In der Apotheke ist die Pille danach mittlerweile ohne Rezept erhältlich. Allerdings wird sie nicht ohne Weiteres an Angehörige oder Väter ausgehändigt, weshalb die Frau selbst die Apotheke aufsuchen muss, um die Pille danach zu bekommen. Der Wirkstoff Levonorgestrel sollte in der Pille enthalten sein. Weniger geeignet ist die Pille EllaOne in der Zeit des Stillens. Die Pillen mit Levonorgestrel sind nicht in allen Apotheken zu bekommen. Stillende Frauen müssen demnach eventuell mehrere Apotheken anfragen, um die für sie geeignete Pille danach zu bekommen.

Pille

Mögliche Auswirkungen

Es gibt viele Experten und Eltern, die sich darum Sorgen, dass die Abbauprodukte und die Hormone selbst, welche die Verhütungsmittel enthalten, durch die Muttermilch an das Baby weitergegeben werden. Allerdings konnten in zahlreichen Forschungen keine negativen Konsequenzen festgestellt werden. Allerdings ist die Lage der Studien nicht vollkommen ausreichend, um mit Sicherheit langfristige Effekte auszuschließen. Deshalb sollte in der Neugeborenenzeit, wenn irgendwie möglich, auf hormonelle Verhütung verzichtet werden.

Stillende Mütter – Sexuelle Bedürfnisse

Nach der Geburt zeigen Mütter oft ein Desinteresse an Sexualität. Dies liegt allerdings vor allem an den Verletzungen, dem Zeitmangel und der Erschöpfung nach der Geburt. Außerdem bekommt in dieser Zeit alle Zuneigung und Aufmerksamkeit das neugeborene Kind.

Allerdings beginnen Mütter die Stillen oft nach einer gewissen Zeit nach der Geburt, ihre sexuellen Aktivitäten wieder aufzunehmen. Sie haben genauso oft Sex wie Mütter, die nicht stillen.

Allerdings sind die Auswirkungen des Stillens auf die sexuelle Lust der neuen Mutter ganz individuell. Häufig ist die allgemeine Haltung der Frau zu ihrem Körper in dieser Zeit positiver, als bei Frauen, die nicht stillen. Auf eine unbeschwerte Sexualität wirkt sich darüber hinaus auch positiv aus, dass durch die LAM nicht zusätzlich verhütet werden muss.

Auf der anderen Seite Bereichen einige Frauen davon, dass während der LAM die sexuelle Lust sehr geringe war. Ein Aufschwung stellte sich bei ihnen erst dann wieder ein, als die erste Menstruation einsetzte. Die Scheide ist während der LAM weniger elastisch und feucht, weshalb Sex in dieser Zeit häufig von der Mutter als unangenehm und schmerzhaft wahrgenommen wird. Gleitmittel kann helfen, diese Probleme zu lösen. Ebenfalls bewährt hat sich die Anwendung von Scheidenzäpfchen oder Cremes, die Östrogen enthalten und lokal angewendet werden. Dadurch wird die Milchproduktion nicht beeinflusst. Ist die LAM vorbei, dann sind die Auswirkungen des Stillens auf die Befeuchtung und die Elastizität der Scheide nicht mehr vorhanden.

Das Liebesspiel mit einer stillenden Brust

Es ist gar kein Problem, auch während der Zeit des Stillens die Brüste in den sexuellen Akt einzubeziehen. Es sind hier keine Gefahren durch eine Entzündung oder Infektion der Brust zu befürchten. Von einigen Müttern wird es allerdings als unangenehm empfunden, wenn die Brustwarzen, die natürlich strapaziert sind, zusätzlich durch den Partner stimuliert werden. Allerdings kann die Empfindlichkeit der Brustwarzen während des Stillens geringer ausfallen.

Brust

Es ist ganz natürlich, dass der Milchspendereflex durch einen Orgasmus aktiviert werden kann. Dann können die Brüste Milch abgegeben. Ein Grund zur Sorge ist dies nicht, da es sich hier um ein natürliches Phänomen handelt. Wenn die Milch als störend empfunden wird, kann das Baby vor dem Sex gestillt werden oder die Brustwarzen leicht ausgedrückt werden, sodass keine Milch während des Sex austritt.

Das Stillen und die Brustästhetik

Einige Frauen sorgen sich darum, dass die Ästhetik ihrer Brüste durch das Stillen ruiniert wird. Oft ist es tatsächlich so, dass die Festigkeit der Brüste durch das Stillen nachlässt. Dies liegt aber viel mehr am generellen Prozess der Alterung und der Schwangerschaft an sich. Auf das Stillen zu verzichten ist also nicht wirklich hilfreich, um ein Erschlaffen der Brüste zu vermeiden. Entgegengewirkt werden kann hier durch BHs, die gut stützen, sodass die Haltebänder nicht allzu stark ausgeleiert werden.

In der Regel finden die Brüste der Mutter während der Zeit des Stillens zu der Größe zurück, die sie auch vorher hatten. Die Festigkeit wird durch das Abstillen erst etwas vermindert, allerdings kommt diese Festigkeit nach einiger Zeit wieder zurück. Es kann allerdings auch vorkommen, dass das Milchdrüsengewebe das vorherige Fettgewebe in den Brüsten ersetzt hat, und die Brüste nach dem Abstillen zusammenfallen. Das Fettgewebe kommt innerhalb einiger Jahre wieder zurück, wenn die Frau nicht weiter stillt oder noch einmal schwanger wird.